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14. ROCK IM SAAL – 01.03.2008 – Haldern, Saal Tepferdt

6 März 2008 No Comment

14. ROCK IM SAAL - 01.03.08 - Haldern, Saal Tepferdt

Von den rund 750 Leuten, die sich in den Saal Tepferdt drängten, waren es, wie man mir erzählte, bei den Lokalmatadoren und Festival-Opener KILIANS weit weniger. Weil das Orkantief „Emma“ die Autoreisenden und ein Idiot auf den Gleisen mich und die Bahnfahrer davon abhielten, pünktlich im gar nicht so fernen Haldern anzukommen. Im Vorfeld wurde fälschlicherweise der Auftrittsablauf auf der Homepage durcheinander gebracht, dass man davon ausging KULA SHAKER zu verpassen. Am kleinen Bahnhof endlich angekommen, kam es also auf schnelle Orientierung an. Auf die Frage wo denn das ROCK IM SAAL sei, antwortete eine junge Frau, Zielgruppe Haldern Pop: „Keine Ahnung“. Die Gaststätte…„Die ist die Straße runter und rechts.“ Gibt wohl nur eine hier. Nach dem Untertitel „Füße trocken alles bestens“-Festival fragt man lieber erst gar nicht.

Die letzten Töne der Dinslakener KILIANS verschwappten gerade, als man in den Saal mit gemütlicher Dorfparty Atmosphäre betrat. Nach einem Videodreh in Marokko und ständigem Touren sind die Jungs froh ein paar wenige Tage in der Heimat zu weilen und Freunde zu treffen, bevor die Mühle weiterdreht, gestand später Frontmann Simon. Und: dass die Leute bei ihrem 50-minütigem Auftritt leider nicht so abgingen, wie man das durchaus erwartet hätte. An der Band kann’s kaum gelegen haben, die powern jedes Konzert durch, sind so ungestüm wie mitreißend und haben auch noch die Songs dazu. Dass sie diesmal nicht auf ihrem amtlichen Bandbus, sondern auf der Bühne beim Haldern Pop Festival auftreten, wird indes immer wahrscheinlicher. Ebenso wurde gemunkelt, dass OASIS und die WOMBATS bei dem Niederrheiner Sommerspektakel erscheinen. Das Haldern war natürlich Gesprächsthema Nummer 1. „Und, gehst du zum…?“

Nach den KILIANS betrat ein Septett die Bühne auf das man – schon unwissend im Vorhinein – gerne verzichtet hätte. Aber wir wären nicht in Haldern, wenn auch diese Wahl das musikalische Gespür der Niederrheiner bestätigte. LOS CAMPESIDOS nennen sich diese jungen britischen Herrschaften, die mit einem Soundgemisch aus Pavement, Yo La Tengo und Arab Strap Reminiszenzen aufwarteten. Während man sich lieber in gesellige Gespräche mit Ortsansässigen und Fachpublikum vertiefte, hintergründeten LOS CAMPESINOS mit einem “sound of musical excess: of too many glorious melodies at once; of harmonious gluttony; of a mellifluous cacophony,” wie sie ihren Sound beschreiben. Bei solchen Kombos dürfen natürlich interessante Instrumente nicht fehlen. Hier waren es die Geige, ein Horn und vier-stimmiger Gesang. Eindrucksvoll aber letztendlich nur gefühltes Kanonenfutter für eine der besten Rockbands aus den glorreichen Neunzigern. Nein, Britpop wollen sie nicht genannt werden.

Das ganz heiße Ding, versprachen KULA SHAKER an diesem Abend zu sein. Allein dass die britische Kultband sich überhaupt reunionierte und dann zweimal im Prime Club spielte, war Grund zur Freude. Und dann nochmal in Haldern! Wer die Band mit dem stylishten Schweineorgelspieler-mit-Schnäuzer schon live erlebt hat, wusste was der Gaststätte Tepferdt noch bevorstand. Die alten wie gänzlich neuen Songs wurden gleichermaßen mitgesungen und befeiert. Wie es sich eben gehört. Ein wahrer Kracher war das. Bis in die letzte Reihe schwebte man entweder psychedelisch durch den Raum oder hüpfte zum ansteckenden Rockinferno. Das Zugabe!-Rufen klappt auf dem Land naturgemäß besser als in der schnöden Stadt. So ließen sich KULA SHAKER auch kaum Zeit, um den heftigen Rufen Folge zu leisten. Da dachte man doch wirklich, sie hätten alle Hits gespielt und dann erklang noch mal das indische Rockopus „Govinda“.

Anschließend Sause“ hieß dann das weitere Abendprogramm. Normalerweise verlässt man einen Veranstaltungsort nach einem Konzert fluchtartig. In Haldern kommt man da jedoch nicht weit. Ohne Bahnanschluss feierte man dort bis lange nach 3 Uhr zu einem exzellenten DJ und einigen Bierchen aus dem Festivalbecher, gezapft vom Chef im Lacoste-Pulli höchstpersönlich. Das 25. HALDERN POP FESTIVAL 2008 gehört ab sofort zur Top Jahressehnsucht!

rock-im-saal.de
haldern-pop.de

Foto: Gerrit Starczewski

 

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