Home » Konzerte

20 JAHRE ROOKIE RECORDS – 02.04.2016, Köln, Gebäude 9

8 April 2016 No Comment

Pascow & Love A

20 Jahre ist doch kein Alter für ein Punkrock-Label! Rookie Records feiert in der alten Heimat Köln feucht-fröhlichen Geburtstag und alle Anwesenden, sei es im Publikum oder auf der Bühne, zeigen: Egal ob graue Haare oder erstes Semester, Juttebeutel oder Plautze, Kinder zu Hause oder Zukunft noch vor sich – im Punk ist man nur so alt, wie man sich fühlt.

Gleich am Eingang zum Gebäude 9-Gelände wird er einem in die Hand gedrückt, der Flyer mit dem gesamten Backkatalog des Geburtstagskindes. Beim schnellen Blick über die abgebildeten Plattencover wird noch einmal klar, dass hier und heute eben nicht nur irgendwelche 20 Jahre gefeiert werden, sondern 20 Jahre im Dienste des Punkrock. Geschmacksicher und mit einem Riecher für gute Musik hat Labelmacher Jürgen Schattner in all der Zeit ordentlich was bewegt in der Szene und der Nische. Los ging es im heimischen Keller und dann über Freiburg und Köln bis nach Hamburg, wo man inzwischen öffentlich gefördert den Punk vertreibt und damit quasi im System angekommen ist (hier gibt die Geschichte des Labels in kurz und hier ein Interview mit Jürgen Schattner).

PascowDa kann man dann zum runden Geburtstag auch mal ordentlich einen los machen und zeigen, dass man noch lange nicht genug hat. Vor allem auch natürlich, weil der deutschsprachige Punk ja gerade so ein kleines Revival feiert. Dieses bringt nicht nur eine Menge neue Bands hervor, sondern beschert alten Recken auch einen zweiten Frühling beziehungsweise ein unverhofftes aber wohlverdientes Karrierehoch. All das sowie insgesamt über fünf Stunden Live-Musik und viele nette Leute gab es dann im lange vorher ausverkauften Gebäude 9 in Köln an diesem Abend zu hören, zu sehen und zu besprechen.

Den Anfang auf der Bühne machten dabei ILLEGALE FARBEN, die Neulinge im Rookie-Kosmos. Eben hat die junge Band, deren Mitglieder alte Hasen sind, ihr Debütalbum veröffentlicht (hier geht es zur Rezension). Nun stand der Live-Test an. Dabei verfestigte sich der zwiespältige Eindruck, den auch das Album hinterlässt: in Ansätzen gut, aber nicht wirklich mitreißend. Das lag natürlich auch am Kaltstart als erste Band des Abends, aber eben nicht nur.

Die Band macht soliden Postpunk mit Wave-Einschlag, bei dem man allerdings nie wirklich das Gefühl hat, hier passiert gerade etwas Großes – und wenn es nur im kleinen Rahmen eines Punkkonzertes ist. Woran das liegt, ist schwer zu sagen, vielleicht weil alles ein bisschen zu bemüht und überladen wirkt. Man wünscht sich das Ganze klarer, stattdessen vermatschen die guten Ansätze irgendwie. Weniger wäre hier vermutlich mehr.

SteakknifeWie es geht, können sich ILLEGALE FARBEN bei STEAKKNIFE und LOVE A abgucken. Beide Bands, so unterschiedlich sie auch sind, setzen voll auf ihre Stärken und wissen um ihre Alleinstellungsmerkmale. Diese packen sie ohne Glitzer ins Schaufenster und beides ist auf seine Art großartig. Wobei beide, STEAKNIFE noch ein bisschen mehr als LOVE A, natürlich auch von der Präsenz ihrer Frontmänner leben. Die werden zwar auch äter und waren auch schon mal wilder – für Lee Hollis war es der „fünfte Auftritt mit Brille“ (O-Ton), Jörkk Mechenbier trägt inzwischen Weste -, geben aber nach wie vor immer alles und überzeugen neben ihrer Stimme auch mit einer jeweils unverwechselbaren Körpersprache.

Love AWährend STEAKKNIFE dabei langsam Fahrt aufnahmen und gegen Ende immer besser wurden, waren LOVE A von Beginn an da, was natürlich auch am Publikum lag. Das singt jeden Song mit und erst wenn man das mal erlebt hat, wird einem so richtig klar, wie schnell und steil es mit LOVE A in den vergangenen Jahren aufwärts ging. Innerhalb weniger Jahre wurde die Band aber nicht nur größer, sie hat sich auch weiterentwickelt und geht dabei keine Kompromisse ein. Anders lässt es sich nicht erklären, dass Rufe nach den etwas rotzigeren und punkigeren Hits des ersten Albums – vor allem nach „Freibad“ – konsequent ignoriert werden und der Schwerpunkt der Setlist auf den neuen Songs liegt, die insgesamt etwas ruhiger und mehr „indie“ sind.

Das kann man je nach Gusto mutig, dickköpfig, konsequent, ärgerlich, gut oder publikumsverachtend finden – vor allem aber ist es irgendwie auch schade. Wie es anders geht, zeigen beispielsweise PASCOW, die jedes ihrer Konzerte zu einem Best-Of machen und neben den neuen Sachen auch immer ihre ältesten Gassenhauer spielen. Sie dienen quasi der Party und das macht ihre Konzerte zu Ereignissen, an denen es wirklich gar nichts auszusetzen gibt. Wer nur eine Live-Band auf die berühmte einsame Insel mitnehmen darf, der macht mit Gimbweilers Finest derzeit mal so gar nichts falsch.

PascowVom ersten bis zum letzten Song verausgabten sich PASCOW auf der Bühne und die Menschen im nun proppenvollen Gebäude 9 tat es ihnen gleich. Da passte kein Blatt zwischen Band und Publikum und Erstere legte bei Letzteren am Ende dieses langen Abends noch einmal ungeahnte Kräfte frei. Zu sagen, mit den grauen Haaren kam für PASCOW der große Erfolg, ist natürlich Blödsinn. Aber klar ist: Die Band erlebt derzeit die erfolgreichste Zeit ihrer langen Karriere.

Dass sie das auf einem kleinen Label wie Rookie Records tun, ist die andere schöne Geschichte und irgendwie ja auch ein Grund, mal so richtig gemeinsam im großen Rahmen zu feiern. Was hiermit dann auch geschehen wäre.

Leave your response!

Add your comment below, or trackback from your own site. You can also subscribe to these comments via RSS.

Be nice. Keep it clean. Stay on topic. No spam.

You can use these tags:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>

This is a Gravatar-enabled weblog. To get your own globally-recognized-avatar, please register at Gravatar.