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2ERSITZ – BEI ALLER LIEBE – TOUR 2019

1 März 2019 No Comment
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Bisher Geheimtipp, dieses Jahr geht es möglicherweise bereits steil aufwärts – Wer sind 2ERSITZ?

Wir wollten mehr wissen über diese Band und haben uns daher für ein Interview verabredet mit JOHANNES, DJANGO, JOKE, ANSELM, MICHA & TILL. Die „bunten Vögel“, wie sie sich selbst bezeichnen, mit dem unbedingten Willen ihre Träume zu leben, machen „Neo-Hippie-Pop“ und kommen aus Leipzig.

Zu ihrer Tour im Februar gibt es seit Tourstart am 08.02.2019 eine neue EP mit dem Namen „Bei aller Liebe“. Es gibt bisher bereits zwei Videos und darauf werden auch noch 2 weitere Videos folgen. Bereits veröffentlicht wurden die Songs „Teufelsküche“ in einer Wohnmobilsession, sowie die zweite Session zum Song „Not A Mans World“, der ein feministisches Statement der Leipziger Neo Hippies ist.

Aufgefallen sind sie im vergangenen Jahr bereits mit dem zeitgemäßen Song „Applaus“. Vor kurzem erst waren sie noch gemeinsam mit Mono & Nikitamann als Support auf Tour. Als ich die einzelnen Bandmitglieder (es sind übrigens alles Pädagogen) kurz vor ihrem Auftritt im Tube, in der Düsseldorfer Altstadt, bei unserem folgenden Interview kennen lernte, waren sie mir sofort sympathisch. Ich hatte bei der Begegnung ein ähnliches Gefühl, wie wenn ich mir ihre Musik anhöre, aber dazu später mehr.

Interview mit 2ERSITZ

Vielen Dank das ihr Euch die Zeit für dieses Interview nehmt.
Düsseldorf ist ja vorerst bereits der vorletzte Tourstop für Euch. Wie ist die Tour denn bis hier für Euch verlaufen?
Joke: Dafür das dies die erste Deutschlandtour ist, läuft es super. Der Vorverkauf in den Städten lief gut. Klar hat man auch mal kleinere Sachen dabei wo mal nicht so viele Leute kommen aber bisher können wir uns nicht beklagen. Und die Leute kennen die Texte. Das ist auch eine Neuigkeit jetzt für uns. Der Mitsingen-Charakter kommt jetzt langsam da rein.

Als ich mir Eure Songs angehört habe, habe ich überlegt wie die Musik auf mich wirkt und kam für mich zu dem Ergebnis das ihr nachdenkliche, anspruchsvolle, positive Musik, mit schöner Atmosphäre macht, die Gelassenheit transportiert. Ich finde in eurer Musik eine Botschaft der Ausgeglichenheit.

Johannes: Das hätten wir nicht schöner formulieren können.
Micha: Also es ist nicht immer alles Gelassen, wenn wir Unterwegs sind, oder das Album produzieren, oder unsere Tour vorbereiten, dann ist nicht immer alles Gelassen. – Aber die Musik am Ende ist es schon. Ich glaube dass das auch aus uns herauskommt. Also ich glaube wir sind alle schon tendenziell eher Gelassen.

Es gibt ja viele Menschen die versuchen sich mit Yoga oder ähnlichem in einen Zustand der Gelassenheit zu bringen. Es gibt sogar ein Gelassenheitsgebet, in dem man darum bittet auseinanderhalten zu können was änderbar ist und was nicht. Eure Musik vermittelt mir den Eindruck, ihr seid bereits dort.  – Ist das richtig? Und wenn ja, wie seid ihr dorthin gekommen?

Johannes: Durch Yoga und Meditation. Und durch Wandern. – Es entspringt aus einer Beschäftigung mit sich selbst. Da spreche ich glaube ich für alle die auch den Anspruch haben sich mit sich selbst zu beschäftigen und drüber nachzudenken was sie tun und sich damit auseinanderzusetzen. Daher auch das Entspannte, was man auch mit „Hippie-esque“ beschreiben könnte.

Joke: Was man ändern kann und was nicht: Dabei muss ich die ganze Zeit an Utopie danken.
Ich bin seit dieser Tour mit so nem Spruch unterwegs, dass die Musik der beste Ort für Utopien ist.
Das gehört dahin, das Träumen und Wünschen. Das kann gemacht werden. Unsere Vorstellung wie es besser läuft. Und das soll keine Aufforderung sein sondern so stellen wir uns das vor.

Django: Es passiert ja auch viel auf der Bühne. Wir sind schon eher eine Live Band, glaube ich.
Wer uns also mal live erlebt hat, wird immer noch überrascht, weil auf der Bühne immer noch viele Freiheiten sind, und einfach noch mal etwas neues entsteht. Also die Tracks von der Platte sind so da und die spielen wir, aber ändern sie trotzdem in so ein oder zwei Facetten noch um. Nehmen uns da noch mehr Freiheiten, lassen Neues entstehen und gehen da spontan drauf ein.

Mit „Alfred“ knüpft ihr ja thematisch an eure Single „Applaus“ an, wo es auch darum geht dass diese Generation gefühlt weniger scheffelt als früher, was ja sicher daran liegt wie der Reichtum verteilt ist. – Sind das Themen die wie ein roter Faden eure Musik bestimmt?

Joke (schreibt zu einem großen Teil die Texte): Vielleicht entsteht das auch daraus das sich vorige Generationen ein bisschen was erkämpft haben worauf wir uns nun ein bisschen ausruhen können.
So ist das zumindest bei mir. Ich komme aus einer Arbeiterfamilie (Meine Großeltern), die viel und hart arbeiten musste um ihre Kinder zu ernähren. Und jetzt bin ich in der glücklichen Situation das meine Eltern sich dann nicht mehr so krass den Arsch aufreissen mussten. Ansonsten ist das natürlich ein Thema was mich persönlich beschäftigt. Dieses Jahr mache och dieses Musikerleben mal. Teste das mal aus. Da hat man nicht viel Kohle und natürlich kommt das dann auch in den Songs vor. Aber ich will das nicht auf alle unterbrechen. Ich will damit nicht sagen das alle aufhören sollten Karriere zu machen oder so, wenn sie daran Bock haben. Es geht grundsätzlich eher um dieses Hippie-esque, weniger wert darauf zu legen.
Gestern war nämlich der Micha feiern mit jemandem der wahnsinnig viel Geld verdient und aber während er das ausgegeben hat die ganze Zeit meinte, das Geld das macht mich aber auch nicht glücklich!
(Alle Lachen) Also das findet sich schon wieder.

Micha: Also ich glaube auch das ist tatsächlich so dass es ein Stück weit unser Zeitgeist ist, also wie Joke das auch schon angedeutet hat. Zum einen leben wir in einer sehr komfortablen Welt in der wir uns nicht so viele Sorgen machen müssen, aber dadurch auch andere Dinge in den Fokus geraten. Früher vor ca. 50 Jahren musste man einfach 8-10 Stunden arbeiten um etwas zu essen zu haben. Das ist heute nicht mehr der Fall. Und heute gibt es andere Sachen die einen vielleicht glücklich machen und das ist nicht Geld.

Anselm: Anselm: Früher war man mehr an bestimmte Lebenswege gebunden. Wenn meinetwegen der Vater Metzger war, wurde man auch Metzger, weil das die einzige Chance war, seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Genauso gibt es in unserer Generation auch noch viele Leute, die bestimmte vorgegebene Lebenswege einschlagen, um etwa später eine Familie ernähren zu können. Und wir erforschen so diesen Spielraum, den man hat, vielleicht nicht diesen Lebensweg einzuschlagen, sondern, so wie Joke, eben zu kündigen und mit sehr wenig Geld auszukommen und dann zu schauen: Wie kommt man eigentlich damit klar, ist man trotzdem glücklich oder gerade deswegen glücklich und wie lange hält man das durch. Und dann freuen wir uns natürlich um so mehr über Jeden der kommt und uns dabei unterstützt, das auszuprobieren.

Habt ihr außer Joke ansonsten noch einen Job?
Joke: Wir sind alle so gerade abgeschlossene Ausbildung oder in den letzten Zügen des Studiums.
Also in einer Zeit wo viele Entscheidungen getroffen werden müssen ob es nun Richtung Sicherheit oder Freiheit geht.

Wie wichtig ist es Euch andere Bands zu unterstützen bzw. achtet ihr darauf ob die Acts auch musikalisch gut zu Euch passen?
Unterstützen, in diesem „sogenannten“ Geschäft geht es so wie ich das erlebe schon darum sich gegenseitig die Hand reichen und zu schauen wie man das zusammen schafft. Nicht als Band die sich irgendwie alleine durchboxt und keine Hilfe braucht vorzukämpfen sondern man ist immer… Wie viel Support haben wir jetzt schon gespielt. Wir waren mit „Mister Me“ und mit „Mono & Nikitaman“ unterwegs und seine sehr dankbar das wir diese Support Spots nun auch anbieten können. Es ist auf jeden Fall in dem Business so dass man sich gegenseitig die Hand reicht und das ist super schön das wir nun da anfangen das wir das auch machen können, weil bisher waren wir diejenigen die die Hand entgegen genommen haben.

Und inwiefern das jetzt thematisch zu uns passt: Ich glaube da sind wir relativ offen, weil diese halbe Stunde die der Support Act hat, da stehen ja dann nicht wir auf der Bühne, sondern das gehört der Band. Denen gehört in dem Moment die Bühne und da können die machen was die wollen. Dafür ist das ja auch da. – Das ist auch schön. Wir verschließen uns auch nicht Musikrichtungen. Natürlich, wenn nun eine Hardcore Heavy-Metal Band anfragt Support zu spielen, dann müsste man sich schon darüber unterhalten, aber im Endeffekt gehört die Zeit die der/die Künstler/In auf der Bühne hat ihr.

Simon Grohé, der ja auch heute eigentlich im Vorprogramm auftreten sollte (es hat leider an dem Abend nicht geklappt), sagte 2017 in einem Interview, dass sich der Support bei Mono & Nikitamann für ihn nicht anfühlt als wäre er Support. Sondern er hat da eher das Gefühl von Familie. Daher interessiert mich ob das bei Euch ähnlich gewesen ist.
Joke: Ja. Ich war oftmals in Berlin bei Jens, dem Labelchef. Die stehen ja privat auch in Kontakt und da hat man sich kennengelernt und dann hieß es so: Ach ihr könnt ja mal mitfahren. Ja, toppi, machen wir. (Alle lachen.)

Was ist euch musikalisch besonders wichtig?
In welche Richtung wollt ihr musikalisch noch weiter gehen?

Was uns gerade sehr auszeichnet im Vergleich zu vielen anderen, die Pop machen, ist das wir Charaktere sind die oftmals auch ganz schön mit einander kämpfen. Da hat der eine die Vorstellung und der andere hat die Vorstellung. Und gerade diese Reibung macht das ganze so ultra interessant. Natürlich nicht über alle Stränge. Da kann manchmal dann auch viel zu viel Zeit verstreichen, aber es gibt Leute in der Band die das immer wieder aufwühlen, also das nicht zum Normalfall werden lassen das ein Song geschrieben wird. Sondern es gibt immer wieder Reibung die dazu beiträgt, dass es die ganze Zeit spannend bleibt. So wie Django das schon gesagt hat es gibt immer noch sehr viel offenes, das nicht verloren gehen darf.

Wo wollen wir hin? – Wir wollen ein Album machen, wie alle. Und vor allem „Live“ spielen. Das ist dieses Jahr noch intensiver geworden das wir die Möglichkeit haben unser Live Business aufzuziehen und viele Konzerte zu spielen.

Micha:
Back to the roots wollen wir. Also Ich glaub unser Fokus war schon immer das wir eine „Live Band“ sind und das ist das wichtige an Ende. CDs Produktion und Songs schreiben ist supergut. Man freut sich wenn man eine Platte in der Hand hat aber am Ende geht’s darum wie wir die Songs live spielen. Ich denke da wollen wir uns auch weiterhin entwickeln.
Ich glaube wir haben auch bereits eine beachtliche Entwicklung gemacht über die letzten Jahre, vor allem Live. Das wird auch weiterhin der Fokus sein. Mal gucken was das auch für eine Auswirkung auf die Songs hat, aber das das quasi letztendlich der Mittelpunkt ist und wir gemeinsam auf der Bühne sind und wir Spaß daran haben. (Alle lachen.)
Naja, klingt vielleicht etwas banal aber das ist irgendwie auch was das man oft rückgemeldet bekommt, das man bei uns merkt das wir voll dabei sind und auf einer Wellenlänge. Ich glaube das ist auch nicht ganz selbstverständlich weil ich glaube das viele Bands das auch einfach so runterreissen. Da gibts einen Frontsänger, der schreibt die Songs und dann gibts noch ein paar Musiker dazu. Wir sind zum einen 6 Individualisten in der Band, die aber auch trotzdem etwas gemeinsames machen anstatt nur auszuführen.

Gibt es noch etwas das ihr den Lesern gerne erzählen möchtet?
Joke: Unser Tourmanager Felix hat eine Massageliege mit und der massiert uns auch ab und zu.
Das ist auch wichtig zu erwähnen, dass wir hier uns auch gegenseitig anfassen!  (Alle lachen)
Nee, das ist etwas was auf einer Tour entsteht, das einfach nur total witzig ist. Nach den ersten Dates sagt Felix: Ich kaufe eine Massageliege und dann massier ich euch. – Und dann passiert das!

Nach der Tour werden wir nicht die Füße still halten, denn es folgen noch viele weitere Live-Dates in ganz Deutschland.

Felix: Im richtigen Leben bin ich Physiotherapeut in Leipzig (Vollzeit). Ich war früher auch mal in der Band, hab das aber aus verschiedenen Gründen dann an Django abgegeben. – Das klingt nach außen immer etwas schlimmer als es für mich eigentlich ist. Es kamen schon viele auf mich zu und fragten: Mensch, bist du nun aus der Band rausgeschmissen worden? Was war los? Ich hab einfach andere Aufgaben übernommen und mache das Tourmanagement und massiere die Jungs nebenbei. Ich hab nun für die Tour meinen Jahresurlaub verpulvert, dass aber auch sehr gerne.

Werbung: Das Label Urban Tree Music wird übrigens unterstützt von „Deine Stadt klebt“,  (www.deinestadtklebt.de) durch Plakate und Aufkleber die sie für die Band herstellen. Auch das Backdrop für die Bühne kommt von dort.

Vielen Dank für das nette Interview.
Vielen Dank

Nach dem Interview ging es für die Band bereits bald los auf die Bühne. Das Publikum war begeistert und ich konnte mich davon überzeugen was Joke bereits sagte: Die Texte sind bereits – bei den echten Fans – bekannt. Es war ein sehr entspannter und angenehmer Abend. Während alle Welt heutzutage oft von Authentizität redet, habe ich diese bei 2ersitz tatsächlich erlebt.

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Urban Tree Music https://www.youtube.com/user/urbantreemusic

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