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A ROYAL NIGHT OUT – EIN KÖNIGLICHES VERGNÜGEN

30 September 2015 No Comment
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A Royal Night Out Plakat

© Concorde

8. Mai 1945: Ganz Europa feiert das Ende des 2. Weltkrieges. Ganz Europa? Vielleicht nicht, aber zumindest ganz London steht Kopf und das möchten sich die beiden Königstöchter Prinzessin Elizabeth (Sarah Gadon) und Margaret (Bel Powley) nicht entgehen lassen. Während ihre Eltern Königin Elizabeth (Emily Watson) und König George (Rupert Everett) die beiden mit einem militärischen Geleit bei einer angestaubten Party-Gesellschaft parken möchte, ist es vor allem Margaret, die sich mit dem wohl behüteten Vergnügen so gar nicht abfinden möchte.

Da ihre Bodyguards sich schnell selbst vom Party-Strom mitreißen lassen, fällt es Margaret nicht schwer, woanders ihre Gelüste auszuleben. Schnell macht sie sich auf dem Weg, das aufregendere, aber auch gefährlichere Vergnügen der Straßen Londons zu entdecken. Die vernünftigere und nüchternere Elizabeth muss sich zwangsweise selbst ins Getümmel stürzen, um ihre Schwester vor dem Schlimmsten und vor sich selbst zu bewahren.

Elizabeth und Margaret genießen ihren Abend

Elizabeth (Sarah Gadon) und Margaret (Bel Powley) freuen sich auf ihren ersten Abend außerhalb des könglichen Käfigs © Concorde

Zur Seite steht ihr dabei der Kampfpilot Jack (Jack Reynor), der aus einem armen Elternhaus stammt und mit patriotischen Eifer in den Krieg gezogen ist. Alles, was er jedoch mit nach Hause gebracht hat, ist ein fettes Kriegstrauma und ein gesunder Anti-Patriotismus, den auch Elizabeth schnell zu spüren bekommt. Dementsprechend zuwider ist es ihm, auf die englische Krone anzustoßen. Allerdings weiß er nicht, dass die hübsche Elizabeth auch noch die Königstochter ist.

Der britische Regisseur Julian Jarrold hat sich bisher auf Historienfilme eingeschossen, wie z.B. das Gedankenspiel über Jane Austen „Geliebte Jane“ und das Drama „Wiedersehen mit Brideshead“.  Auch „A Royal Night Out“ ist im besten und im schlechtesten Sinne ein durch und durch altmodisches Abenteuer. Zunächst einmal bietet dieses, von den Autoren Trevor De Silva und Kevin Hood entworfene Drehbuch, ein nettes „Der Prinz und der Bettelknabe“ – Szenario, in dem der Adel mit dem gemeinen Pöbel zusammenstößt.

Das Königspaar macht sich dagegen sehr große Sorgen

Das besorgte Königspaar (Emily Watson und Rupert Everett) bleiben zu Hause © Concorde

„A Royal Night Out“ macht daraus, bis auf die typischen, vermeintlich wahren Gefühle des Bürgertums, herzlich wenig. Diese sind entweder überbordend patriotisch oder, wie in Jacks Fall, absolut enttäuscht. Dies ist allerdings nichts, was eine durchzechte Nacht mit der britischen Krone nicht beheben könnte. Dementsprechend simpel  und naiv wird mit den Themen Nachkriegserfahrung und Kriegsleiden umgegangen. Und dementsprechend sentimental wird es, wenn sich Prinzessin Elizabeth inkognito unters Volk mischt und der patriotischen Siegesrede ihres Königsvaters lauscht.

So verschlägt es Elizabeth von einer Party zur nächsten, gelegentlich in ein Bordell, in eine Spielhölle und dann wieder auf eine Kasernenparty. Dabei folgen sie und Jack den Brotkrumen, die Margaret hinterlässt, die selbst kurz zuvor diese Stationen durchlaufen hat. Dabei  allerdings noch einen Vergewaltiger abwehren konnte und auf einen Bordell-Inhaber getroffen ist, der aber praktischerweise ein Herz aus Gold besitzt, ein Faible für die Adelsfamile hat und fortan als ihr Beschützer fungiert.

Trotz unterschiedlicher Ansichten kommen sich Jack und Elizabeth langsam näher

Trotz unterschiedlicher Ansichten kommen sich Pilot Jack (Jack Reynor) und Elizabeth näher © Concorde

So gesehen ist alles auf süffisante und amüsante Weise sehr niedlich, aber eben auch verniedlicht. Wer aber Spaß daran hat, dass altmodische Jazz-Musik ertönt, sobald zwei Männer sich zum Faustkampf in Pose schmeißen, wird hier fündig. Die Darsteller geben alle durch die Bank weg eine stattliche Figur ab. Rupert Everett und Emily Watson verleihen dem britischen Königspaar an den richtigen Stellen einen Hauch von Würde und an anderen die gewohnte Prise britische Selbstironie. Ganz gleich, was man von dem wahren britischen Adel halten mag, der fiktionale und filmische hat spätestens seit „The King’s Speech“ ein bisschen an Menschlichkeit hinzu gewonnen.

Gelegentlich kann man den Eindruck bekommen, dass Elizabeth Darstellerin Sarah Gadon mit nur einem entsetzten und furchtsamen Gesichtsausdruck durch die Straßen London läuft, allerdings kann auch sie ihrer eingezwängten Rolle etwas Nuancen verleihen. Letztendlich kommt es darauf an, wie sehr der Zuschauer bereit ist, dieser Dame die Angst vor dem goldenen Käfig und vor ihrer bevorstehenden Verantwortung abzukaufen. Aber dies gilt wahrscheinlich immer für die Dramatisierungen von Eskapaden der englischen Königsfamilie. Ein wahrer Fund ist jedoch die Margaret Darstellerin Bel Powley, die mit ihrem naiven, überdrehten Charme und ihren Sinn für Timing die Herzen der Kinozuschauer für sich gewinnen sollte.

„A Royal Night Out“ lässt das London von 1945 wieder auferstehen und es macht Spaß, sich in dieser altmodischen Partywelt mit ihren kunterbunten Kostümen und Oldtimern wiederzufinden.

A ROYAL NIGHT OUT – EIN KÖNIGLICHES VERGNÜGEN

Bewertung: 3 von 6
Starttermin: 01.10.2015
Darsteller:  Sarah Gadon, Bel Powley, Jack Reynor, Rupert Everett, Emily Watson, Jack Laskey, Jack Gordon, Geoffrey Streatfield, Roger Allam
Regie: Julian Jarrold
Kamera: Christophe Beaucarne
Drehbuch: Trevor de Silva, Kevin Hood
Musik: Paul Englishby
Produktion: Robert Bernstein, Douglas Rae
Ausführende Produktion: Hugo Hepell, Zygi Kamasa

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