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A WORLD BEYOND

21 Mai 2015 No Comment
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© Walt Disney

Kriege und Umweltkatastrophen, Habgier und Rücksichtslosigkeit, Egoismus und Trauer – das ist die Welt, die uns Fernsehen, Kino, Literatur, Nachrichten, Zeitungen etc. solange vorsetzen, bis wir nur noch apathisch vor diesen überwältigenden Berg aus Problemen stehen und uns ohnmächtig geschlagen geben. Ähnlich ergeht es Schülerin Casey Newton (Britt Robertson): Die Lehrer in der Schule bombardieren sie tagtäglich mit apokalyptischen Szenarien und daheim hat ihr Vater, der Raketenwissenschaftler Eddie Newton (Tim McGraw) nach dem Ende des Raumfahrtprogramms alle wissenschaftlichen Ambitionen an den Nagel gehangen.

Trotz allem Pessimismus, bewahrt sich Casey ihren eigenen Enthusiasmus und unternimmt alles, um die bevorstehende Abrüstung eines nahegelegenen NASA-Raketenstartplatzes zu verhindern. Auch wenn sie dabei sehr einfallsreich vorgeht, wird sie eines Tages von der Polizei geschnappt. Nachdem sie auf Bewährung freigelassen wird, findet sie unter ihren Sachen zur eigenen Überraschung eine mysteriöse Anstecknadel. Diese zeigt Casey bei jeder Berührung ein futuristisches Paralleluniversum und eine Stadt namens „Tomorrowland“ (So auch der Originaltitel), dessen Bevölkerung alle möglichen tollen Innovationen erfindet und nutzt, auf die wir schon sehnsüchtig seit unserer Kindheit warten: So z.B. Schwebebahnen, Jetpacks, mit denen Anwohner wagemutig durch die Straßenschluchten der Stadt fliegen und Roboter, die innerhalb von Sekunden Reparaturen durchführen können.

Casey (Britt Robertson)

Casey (Britt Robertson) und das verheißungsvolle Tomorrowland © Walt Disney

Besonders an dieser Stelle zeigt sich das kindliche wie inszenatorische Genie des ehemaligen Pixar-Regisseurs Brad Bird („Die Unglaublichen,“ „Mission Impossible – Phantom Protokoll“), der basierend auf der Disneyland-Attraktion „Tomorrowland“ eine nostalgische und gleichzeitig technologisch interessante Welt erschafft, die irgendwo zwischen den „Rocketeer“ – Filmen und Steampunk verankert ist. Seinem Talent, die inszenatorische Leichtfüßigkeit  eines Pixar-Filmes in ein halbwegs reales Setting zu übertragen, verdankt der Film letztendlich auch seinen Unterhaltungsfaktor und lässt das Publikum glauben, etwas vollkommen Neuartiges zu sehen.

Ein Grund, warum „A World Beyond“ allerdings scheitert, liegt auf der narrativen Ebene. Drehbuchautor Damon Lindelof entwickelte zusammen mit Regisseur Bird die Story und das Drehbuch des Films. Wie auch schon in der Serie „Lost“ (bei der sich Lindelof als Showrunner, Produzent und Drehbuchautor verantwortlich zeigte) und in seinen Drehbuch zu „Prometheus“, erliegt er auch in diesem kindlich angehauchten Abenteuer- und Science Fiction – Film wieder einmal der Versuchung, die ganz großen Fragen des Lebens zu stellen, ohne dass er sie nur ansatzweise befriedigend beantworten könnte.

Casey (Britt Robertson)

Im Tomorrowland können wir alle Probleme der Menschheit lösen… irgendwie @ Walt Disney

Dieses mal geht es um nichts Geringeres als die Menschheit vor all den oben genannten Problemen und dem daraus resultierenden Untergang zu retten: Die Lösung all dieser Katastrophen liegt im Disney…Nein… im Tomorrowland. Wie das allerdings genau geschehen soll, kann auch dort niemand wirklich beantworten.  Scheinbar hat es allerdings irgendetwas mit spaßigen Flugmaschinen und positivem Denken zu tun. Lindelof und Bird gelingt damit das Kunststück, dass ihre Produktion unglaublich vage und grenzenlos naiv zugleich wirkt, so dass selbst das Gesellschaftsbild und Lösungsansätze gesellschaftlicher Probleme der „Sesamstraße“ komplexer und praktikabler sind. Beim Zuschauer, der einen etwas zynischeren Blick auf die Welt hat, wird dieser Disney-Kool-Aid einen fiesen Nachgeschmack hinterlassen. Immerhin kann man sich damit trösten, dass sie oder er ihre Zeit abseits des gelobten Tomorrowland mit uns anderen Zynikern, Misanthropen, Meckerziegen und Miesepetern bei vielen gemeinsamen Lästerabenden verbringen kann. Denn neben grenzenloser Naivität, ist das Land von morgen erstaunlich elitär, schließlich darf nicht einfach jeder dahergelaufene Schmock die Welt retten.

Ein weiteres Problem liegt in der Hauptfigur Casey selbst: Auch wenn dem Zuschauer immer wieder versichert wird, wie genial Casey ist, sieht man sehr wenig von dieser Genialität im Film. Dankbarer Weise haben Lindelof und Bird jedoch auf einen romantischen Subplot verzichtet, die vielen jungen Frauen in solchen Abenteuergeschichten gern einmal aufgezwungen wird. Jedoch bleibt die Hauptfigur die meiste Zeit inaktiv und wird von einer kämpferisch und scheinbar auch intellektuell überlegenden jungen Athena (großartiges Talent: Raffey Cassidy) unter Schreierei und Gezeter durch die Handlung gezerrt.

Der junge Frank Walker (Thomas Robinson)

Immerhin gibt es Jetpacks © Walt Disney

Beide treffen sie auf den grummeligen Frank Walker (George Clooney), der schon als kleiner Junge im sturen Erfindungsreichtum einen Jetpack-Prototypen konstruierte und sich damit ein Ticket ins Tomorrowland erkaufte. Später wurde er aber wegen chronischer schlechter Laune wieder rausgeworfen und seitdem brütet er auf seinen eigenem abgeschotteten Landsitz Erfindungen aus. Widerwillig begibt er sich mit den beiden Mädchen auf die Reise, Tomorrowland wiederzufinden und gilt noch als zusätzlicher Antrieb der Geschichte.

Es ist einmal mehr Clooneys Charme und dem Talent der jungen Darsteller zu verdanken, dass die Beziehung zwischen Alt und Jung eine überzeugende und für das Publikum einnehmende Dynamik entwickelt und nicht an den erzählerischen Schwächen des Drehbuchs scheitert. Verfolgt wird das Dreiergespann von Robotern, die mit Laserkanonen und unheimlichen und unnatürlichen Grinsen bewaffnet sind. Auch diese Verfolgungsjagden scheinen keinen besonderen Grund zu haben, mal abgesehen davon, dass Brad Bird noch einmal tief in seine visuelle Trickkiste greifen darf und die Spannung und Dramatik der Handlung noch einmal künstlich erhöhen kann.

Von links nach rechts: Frank (George Clooney) und Athena (Raffey Cassidy)

Von links nach rechts: Frank (George Clooney) und Athena (Raffey Cassidy)

Noch ärgerlicher ist allerdings die Art und Weise, mit der Disney auf suggestiver und fast schon manipulativer Ebene Self-Promotion betreibt: Das in der ferne liegende, gelobte „Tomorrowland“ sieht dem Disneylogo zum verwechseln ähnlich. Wahrscheinlich ist die Disney Corporation wirklich davon überzeugt, dass bei ihnen Action, Abenteuer und irgendwo auch eine Formel zur Rettung der Welt vergraben liegt. Zuletzt war es der zweistündige Google-Werbespot „prakti.com,“ der mithilfe der beiden Hauptdarsteller Vince Vaughn und Owen Wilson auf noch offensichtlichere und aggressivere Weise das Publikum zu mehr „Googliness“ anspornte. Nebenbei betreibt „A World Beyond“ dann noch massig „Star Wars“-Merchandise Marketing, nur für den Fall, dass irgendjemand noch nicht mitbekommen hat, dass Disney Lucasfilm übernommen hat und dementsprechend die nächsten achtzig „Star Wars“-Filme produzieren wird.

An diesem Punkt kann man nur spekulieren, was man mit dieser Art von manipulativer Promotion erreichen will. Vielleicht arbeitet die Disney Corporation wirklich fleißig an der Übernahme der Weltherrschaft und versucht schon einmal mit dem Recruitmentfilm „A World Beyond“, die nächste Generation darauf vorzubereiten. Bei einem Film, der trotz seiner erzählerischen Schwächen und dank Brad Birds einfallsreicher Inszenierung ein großer Spaß hätte werden können, ist eine aggressive wie naive Werbe-Message allerdings nicht halsbrecherisch oder spannend, sondern leider genickbrechend.

A WORLD BEYOND

Starttermin: 21.05.2015
Darsteller: George Clooney, Hugh Laurie, Britt Robertson, Raffey Cassidy, Tim McGraw, Kathryn Hahn, Keegan-Michael Key, Chris Bauer, Thomas Robinson, Pierce Gagnon, Matthew McCauli, Judy Greer
Regie: Brad Bird
Kamera: Claudio Miranda
Drehbuch: Damon Lindelof, Brad Bird
Musik: Michael Giacchino
Produktion: Brad Bird, Jeffrey Chernov, Damon Lindelof
Ausführende Produktion: Bernard Bellew, Debbi Bossi, Birgham Taylor

aworldbeyond.de

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