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AGNES OBEL – 29.10.2016, New Fall Festival, Düsseldorf, Johanneskirche

31 Oktober 2016 No Comment
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Wer sich auch immer dafür verantwortlich zeichnet, dass AGNES OBEL und ihre drei Musikerinnen am Samstag in der Johanneskirche in Düsseldorf auftreten konnten, hat als location-scout alles richtig gemacht. Denn der geräumige und dennoch schlicht in Weiß gehaltene Innenraum der Kirche spiegelt nahezu perfekt die klare Stimme Obels, als auch die Songs ihren neuen Albums „Citizen of Glass“ wieder, welches am 21. Oktober erschienen ist.

Inhaltlich beschäftigt sich ihr neues Album mit eben jenem „gläsernen Bürger“ und der immer weiter fortschreitenden Ausleuchtung des Privatimen. Die Allgegenwärtlichkeit ihrer Stimme, verstärkt durch die glockenhelle Akustik der Architektur, bildet eine unfreiwillige und dennoch in sich stimmige Analogie zum Kontext der Lieder über die Omnipräsenz der „großen Brüder“.

AGNES OBEL beteuert mehrfach, sie sei aufgeregt ihr neues Album live vorzustellen. An diesem Nachmittag ist es erst das zweite Mal für sie. So klingt es allerdings mitnichten. Souverän und betörend zugleich, trägt sie ein zum anderen ihre Lieder vor. Im Vergleich zu ihren beiden vorherigen Alben, wirken ihre Stücke nun offener, getriebener und – beispielsweise bei „Familiar“, wo ihre Stimme deutlich heruntergepitcht wird – experimenteller. Der sonstigen Fusion aus klassischen und folkigen Elementen wird etwas hechelnd-paranoides beigemengt. So wirkt ihre vermeintlich klare und geradlinige Instrumentierung vielfältiger und poröser zugleich.

Es ist eine leicht zerbrechliche und zugleich feenhafte Schönheit, die AGNES OBEL während ihres Auftritts verbreitet, stimmig untermalt durch die Tatsache, dass sie sehr friert. Dort vorne, wo normalerweise ein Priester vorm Kreuz steht.

Nach den standing ovations des Publikums spielt sie eines ihrer älteren und somit bekannteren Stücke. „Riverside“, mit dicker Strickjacke und hochgezogenen Schultern am Klavier.

Fast möchte man ihr noch eine warme Decke umlegen, den während sie vorne alles gibt und zittert ist dem Publikum wohligwarm und wird bis zum Schluss grandios von ihr unterhalten. Die gebürtige Dänin und Wahlberlinerin möchte man nach ihrem Auftritt gerne und öfter live erleben dürfen.

Text: M. Ruhrberg

 

Weitere Termine:
14.11.2016 Berlin – Admiralspalast
15.11.2016 München – Theaterfabrik

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