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AN EARLY CASCADE – Alteration

10 April 2017 No Comment

Der Promomann meines Vertrauens überreichte mir vor wenigen Tagen die von mir heiß erwartete Bemusterung von AN EARLY CASCADEs zweiten Werk mit den Worten, die klängen „krass amerikanisch“. Und dies sollte ein wahres Kompliment sein. Was die Stuttgarter Combo da aufgenommen hat, erfüllt in vielerlei Hinsicht internationale Standards.

Soviel vorab: Meine zugegeben hohen Erwartungen wurden erfüllt. Auf „Alteration“ treffen ein stimmiges Songwriting, eine epische Produktion und viel Talent am instrument auf das nötige Fünkchen Emotionalität. Wobei man hier weniger von Funken als mehr Stichflammen schreiben sollte.

Die Band muss vollends verausgabt aus dem Studio gekrochen sein. Zwölf Songs haben die jungen Musiker ins Mikro geboxt. Dabei kluger Ansatz der fünf Männer: Sie machen da weiter, wo sie auf ihren ersten Veröffentlichungen positiv starteten. Zusätzlich haben sich AN EARLY CASCADE merklich von dem jugendlichen Emocore-Sound emanzipiert.

„Alteration“ legt den Eindruck nahe, dass Stuttgart eine Edelschmiede ist. Hört man das Album, ist die dicke Produktion das augenfälligste Qualitätsmerkmal. Jedes Samples und die Wall of Sound kommen tight daher. Die Platte ist geschmackvoll wuchtig, wie die neue THRICE.

Als zweites ist natürlich der Gesang von Maik Czymara zu betonen. Hoch und dynamisch wie nie, schreit-singt der Frontmann kurz vor unhörbar, hoch emotional und trifft damit genau den Ton. Solch ein Organ tut dieser Band gut. Gibt sie doch genügend Eigenständigkeit und Wiedererkennungswert in der Flut an wöchentlichen Veröffentlichungen. Ähnliches Stimmen- und Harmonie-Talent haben KARNIVOOL aus Australien.

AN EARLY CASCADE beherrschen die Nuancen und liefern den kleinen Stadionbombast. Mit „Reset“ als stimmigen Opener, startet die Platte episch voller Subbass und einem Zwischenteil, der mit einer melodischen Akustikgitarre und tollem Gesang nahe am Prog-Idyll tänzelt. Nur um dann wieder alles aufzufahren und der inneren Unruhe freien Lauf zu lassen. Stark!

Diese Band hat nicht nur große Pedalbretter, sondern nutzt sie auch vollends kreativ aus. „Narrow“ klingt wie eine Hardcore-Version von MINUS THE BEAR – inklusive Crew-Gesang. Die Band singt „stop swallowing the pills they gave!“ und übt emanzipatorische Systemkritik.
„Wrong Things“ ist nah an JOHNOSSI mit Sexappeal und Rockschmutz in den Riffs. „We are all choosing the wrong things“ philosophiert Sänger Maik. Die kritische Sinnsuche zieht sich durch das Album. In „Dependents“ schreit es einem im Refrain entgegen: „We are no longer living; We are consumption-driven!“ Identität, Autonomie, Emanzipation sind die großen Themen für die erwachsen werdende Band. Das wird dann auch sehr direkt artikuliert. Könnte platt wirken, ist aber auf den Punkt gebracht.

Assoziationen zu CIRCA SURVIVE anzumerken, nervt AN EARLY CASCADE sicher schon lange. Zu ähnlich ist das Stimmvermögen der beiden Bands. Aber an manchen Stellen auf „Alteration“ macht es einem die Band schwer, nicht an die Philadelphia-Emos zu denken. Doch gute Bands miteinander zu vergleichen ist nicht immer eine Beleidigung. Hier jedenfalls nicht.

Fazit: Reinhören, Vinyl bestellen, auf das nächste Konzert in der Umgebung gehen und Fan werden. Eine junge Band, die immer noch viel DIY pflegt, ackert und schwitzt sich nach oben, entwickelt sich stetig weiter und macht mal eben Alben wie „Alteration“, die Spaß und Ohrwürmer bereiten. Empfehlung!

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 5. Mai 2017
Label: Midsummer Records / Kick The Flame
Format: CD/ Vinyl/ Digital

Mehr Infos:
www.anearlycascade.com

Tracklist „Alteration“:
01. Reset
02. Living In Exile
03. Without You I Am Nothing
04. Desolate
05. Narrow
06. Wrong Things
07. Dependents
08. Blue-Eyed
09. Resolute
10. Everything Is Alright. Nothing Is Okay.
11. Asunder
12. All I Need

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