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ANT-MAN

21 Juli 2015 No Comment
Ant-Man Poster

© Walt Disney

MARVEL geht es nach dem exorbitanten (mehr in Größe als in Qualität) Avengers: Age of Ultron eine Nummer kleiner an (Wortspiel wahrscheinlich beabsichtigt) und schickt einen seiner unscheinbarsten Helden ins Rennen. Aber wie immer, wenn ein für das Kinopublikum neuer Held ins Filmgeschäft eingeführt wird, muss natürlich auch erklärt werden, woher er kommt:

Nach einem Verbrechen, das er definitiv begangen hat und einem längeren Gefängnisaufenthalt, muss sich der ehemalige Meister-Dieb der Gerechten Scott Lang (Paul Rudd) einen Job suchen, um seiner Familie Alimente zahlen zu können und vor allem den Respekt seiner kleinen, süßen Tochter zurück zu gewinnen. Aber da er als ehemaliger Sträfling nicht einmal den Job bei einer Fast Food-Kette halten kann, macht er das, was er am Besten kann: Stehlen.

Marvel's Ant-Man Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Dieb Scott Lang (Paul Rudd) mit unerwarteter Beute © Walt Disney

Ziel ist der Tresor des ehemaligen, aber immerhin reichen Wissenschaftlers Hank Pym (Michael Douglas). Nach seinem erfolgreichen Einbruch findet er dort jedoch keine Reichtümer, sondern einen merkwürdigen rötlichen Anzug samt noch merkwürdigeren Helm. Immerhin besser als nichts, denkt sich der verdutzte Katzeneinbrecher, stibitzt den Anzug und probiert ihn sogleich in der Badewanne aus. Von dort aus beginnt sein Abenteuer als Ameisen-Mann, denn der Anzug ermöglich seinen Träger, sich winzig klein zu schrumpfen (weil Wissenschaft!).

Wie sich herausstellt, hat Pym diesen Einbruch als eine Art Test für Scott inszeniert, um festzustellen, ob dieser für einen zukünftigen und viel gefährlicheren Einbruch die nötigen Fähigkeiten mit sich bringt: Scott soll Pyms ehemaligen Protegé und jetzigen CEO Darren Cross (Corey Stoll) bestehlen. Dieser ist nämlich gefährlich nahe dran, selbst einen ähnlichen Insekten-Anzug zu erfinden und diesen an den höchst möglichen Bieter zu verkaufen, auch wenn dieser moralisch fragwürdige Ziele verfolgt (übliche Sachen wie die Weltherrschaft an sich reißen eben).

Marvel's Ant-Man L to R: Hank Pym (Michael Douglas) and Darren Cross (Corey Stoll) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Früher Lehrer und Schüler, heute Rivalen: Hank Pym (Michael Douglas) und Darren Cross (Corey Stoll) © Walt Disney

Pym, der einst selbst als Ant-Man unterwegs war und den Feinden Amerikas mit dieser speziellen Superkraft einheizte, hat den Anzug mittlerweile an den Nagel gehängt. Ausgerechnet die sonst so nette Geheimorganisation S.H.I.E.L.D. wollte in den 80er Jahren die begehrte Technologie vervielfältigen, was Pym jedoch weitsichtig aus Angst vor Missbrauch nicht zulassen konnte. Zu alt, um selbst auf Raubzug zu gehen, bildet er mit Hilfe seiner Tochter Hope (Evangeline Lily) den permanent erstaunten Scott zum Superhelden aus.

Schon vor sechs Jahren wurde Regisseur Edgar Wright („Shaun of the Dead“, „Scott Pilgrim vs. the World“) dazu verpflichtet, einen der wahnwitzigsten Marvel-Helden auf die Leinwand zu bringen. Ein Superheld, der sich auf Ameisengröße schrumpfen kann und telepathisch mit den kleinen Insekten kommunizieren kann? Hört sich verrückt an und deswegen schien gerade Wright mit seinem eigenwilligen Humor und seiner speziellen Action-Ästhetik genau der Richtige für den Job zu sein.

Marvel's Ant-Man L to R: Hope Van Dyne (Evangeline Lilly), Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) and Hank Pym (Michael Douglas) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Hope Van Dyne (Evangeline Lilly), Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd) und Hank Pym (Michael Douglas) planen ihren gemeinsamen Raubzug © Walt Disney

Die Welt war damals noch eine andere und nur ab und zu spross die ein oder andere Comic-Verfilmung aus der Erde. Es gab noch keinen Robert Downey Jr. – „Iron Man“, der mit einem frechen Scotch-schlürfenden Grinsen im Gesicht seine Gage für jeden Marvel-Auftritt verdoppelte und es gab vor allem noch kein Marvel-Film-Universum (das von jedem anderen Studio in der Hoffnung damit zukünftig Geld drucken zu können mal mehr und meistens weniger erfolgreich kopiert wird).

Eine perfekte Umgebung also, damit Wright dem Insekten-Mann seinen ganz eigenen Schliff verpassen konnte. Fünf Jahre später: MARVEL hat mit seinen Iron Mans, Thors, Captain Americas, Hulks und letztendlich Avengers und vor allem mit deren gnadenlosen Vernetzung so viel Erfolg, dass nicht mehr Individualität, sondern Konformität gefragt war. Wright warf mit den bei PR-Leuten so beliebten Worten „Kreative Differenzen“, in die man von einigen, kleinen Unstimmigkeiten bis hin zu explodierenden Köpfen alles hinein interpretieren kann, kurz vor Drehbeginn das Handtuch.

Marvel's Ant-Man L to R: Director Peyton Reed and Paul Rudd (Scott Lang/Ant-Man) on set. Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Ersatz-Regisseur Peyton Reed und Paul Rudd (Scott Lang/Ant-Man) am Set © Walt Disney

Marvel- und Edgar Wright- Fans waren zutiefst enttäuscht oder bestenfalls skeptisch und fragten sich, wie es mit dem kleinen Krabbler weitergehen konnte. Auch Marvel-Studio-Boss Kevin Feige geriet ins Auge dieser kritischen Skepsis und es schien fast so, als könnte „Ant-Man“ der erste wirkliche Misserfolg der so erfolgreichen Comic-Film-Schmiede werden. Feige brauchte einen Ja – Sager auf dem Regiestuhl oder zumindest den Regisseur der Jim Carrey – Komödie „Der Ja-Sager“. Auftritt: Peyton Reed. Wer?

Peyton Reed, der Regisseur von leichten Komödien wie „Girls United“, „Trennung mit Hindernissen“ und „Down with Love – Zum Teufel mit der Liebe“ wirkte wie eine sichere Verlegenheitslösung und auch weiterhin kommt man nicht umher zu fragen, was aus diesem Projekt hätte werden können, auch wenn „Ant-Man“ unglaublich unterhaltsam bleibt.

Marvel's Ant-Man L to R: Dave (T.I.), Luis (Michael Peña) and Kurt (David Dastmalchian) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2015

Ant-Man benötigt keine Avengers, um zu unterhalten, sondern nur Dave (T.I.), Luis (Michael Peña) und Kurt (David Dastmalchian) © Walt Disney

Insbesondere nach dem überladenen „Avengers: Age of Ultron“, der jeden Quadratmilimeter der Leinwand mit einem neuen Superhelden füllte, ist der winzige „Ant-Man“ eine frische Brise im stickigen MARVEL-Kinderzimmer. Auch wenn eine relativ unnötige Szene den kleinen Helden ins große Super-Universum einflechten muss, was der eine Zuschauer und Fan mit Freude entgegennehmen und der andere als nervigen Fan-Service abtun wird, agiert „Ant-Man“ räumlich wie thematisch schön abseits von der „Avengers“ – Bande.

Hier muss nicht unbedingt die Welt gerettet werden, auch wenn der Verkauf der „Ant-Man“-Technologie weitreichende Folgen hätte, und der Schmerz des Universums lastet auch nicht auf den Schultern unseres Protagonisten. Nicht mehr und nicht weniger als eine knuffige Diebes-Geschichte darf der Zuschauer genießen.

Marvel's Ant-Man Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd)  Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Der Ant-Man Anzug hat auch seine Tücken © Walt Disney

Hauptdarsteller Paul Rudd hält sich zwar mit seinem sonstigen anarchischen Humor ziemlich zurück, aber ein Paul Rudd auf Sparflamme ist immer noch amüsant genug, um einen MARVEL- Film zu tragen. Wer aber an der Superhelden-Tafelrunde sitzen möchte, muss sich auch den Waschbrettbauch antrainieren. Immerhin ein Opfer, das Rudd auf beeindruckende Weise dargebracht hat. Das Comic-Studio hat allerdings vor allem Glück, dass Schauspieler wie Michael Douglas mittlerweile Schlange stehen (letztes Jahr konnte man für die „Captain America“ – Fortsetzung Robert Redford gewinnen).

Kaum einer könnte dem etwas aufgesetzt wirkenden Familiendrama zwischen Pym und seiner Tochter mehr Gravitas verleihen. Und die ganze Magie um den Ameisenanzug herum, die er als Wissenschaft verkaufen muss, wirkt gar nicht mehr so albern (aber immer noch ziemlich albern). Natürlich braucht auch ein Superhelden-Abenteuer emotionalen Kit (oder Kitsch) und so ist es nicht verwunderlich, dass sich Scott Langs familiäre Probleme in Pyms eigenem Familiendrama widerspiegelt. Judy Greer spielt Langs Ex-Frau und belebt ihre unvergessliche Rolle als „missbilligende Mutter“ aus einem anderen Blockbuster diesen Jahres wieder, so als wäre sie beim Abbau des „Jurassic World“ – Sets in irgendeinem stillen Eckchen eingeschlafen und man hätte das Set von „Ant-Man“ um sie herum aufgebaut bevor sie wieder aufwachte.

Marvel's Ant-Man L to R: Maggie (Judy Greer) and Cassie (Abby Ryder Fortson) Photo Credit: Zade Rosenthal © Marvel 2014

Judy Greer belebt ihre Rolle als „Mutter“ aus „Jurassic World“ wieder © Walt Disney

Auch wenn Evangeline Lilly mit ihren dauerverschränkten Armen eine ähnliche Rolle inne hat, darf sie immerhin ein wenig an dem ganzen Spaß teilhaben und Paul Rudd zwischendurch ein ums andere mal eine rein zimmern. Heimlicher Star des Filmes ist jedoch Michael Pena, der als Scott Langs etwas zu klischeehafter Latino-Partner in Crime die größten Lacher auf seiner Seite hat: Die Sequenzen, in denen er erklärt, wie er zu den einzelnen Diebstahl-Aufträgen gekommen ist und sich in absolut unwichtigen Details verliert, gehören zu den komödiantischen Highlights.

Auch optisch ist Ant-Man ein Leckerbissen: Durch die Kombination von Makroaufnahmen spezieller Kameras, Makrofotografie und Motion Capture Technologie, mit der die Bewegungen von Darstellern und Stuntleuten erfasst wurden, hat man ein überzeugendes übergroßes Setting für die Ameisenperspektive geschaffen, so dass eine Badewanne und der Boden eine Diskothek schon in der ersten Verwandlungsszene zum gefahrvollen Abenteuerspielplatz für Hauptprotagonist und Zuschauer werden. Die zur Abwechslung sinnvoll eingesetzten 3D-Effekte tun ihr Übriges, um diese Erfahrung zu intensivieren.

Marvel's Ant-Man Luis (Michael Peña) Photo Credit: Film Frame © Marvel 2014

Stiehlt nicht nur Wertgegenstände, sondern auch die Show: Luis (Michael Peña) © Walt Disney

Besonders viel Spaß hat der Film mit den verschiedenen Maßstäben: Filmeditoren Dan Lebental und Colby Parker schneiden geschickt zwischen der Ameisen- und der normalen menschliche Perspektive hin und her. So wird ein Kampf innerhalb eines Aktenkoffers und auf einer Modelleisenbahn zu einem ganz eigensinnigen Spaß und führt die sonst so hochgezüchteten massiven Explosions-Orgien auf charmante Art und Weise ad absurdum.

„Ant-Man“ verbindet die obligatorische Superhelden-Origin-Story (Gäääähn!) und ein dahin gekleckertes Alibi-Familiendrama (Schnaaaarch!) mit einem unglaublich unterhaltsamen Ganoven-Heist-Plot (Huuuiiiii!). Der Spaß hinter und vor der Kamera ist für das Publikum bis in die subatomare Ebene spürbar.

Marvel's Ant-Man Scott Lang/Ant-Man (Paul Rudd)  Photo Credit: Film Frame © Marvel 2015

Winziges, aber dafür umso unterhaltsameres Finale © Walt Disney

Damit setzt MARVEL seine links-rechts Kombination bestehend aus etwas ernsteren und einem schön bekloppten Output fort (im letzten Jahr war es „Return of the first Avenger“ und „Guardians of the Galaxy“), womit man zufrieden sein kann. „Antman“ rettet zwar nicht den Kinosommer vor diversen Schnarchnasen, aber bietet eine spaßige Abwechslung zum Kabumm-Action-Kino.

ANT-MAN

Starttermin: 23.07.2015
Darsteller: Paul Rudd, Michael Douglas, Evangeline Lilly, Corey Stoll, Bobby Cannavale, Judy Greer, Abby Ryder Fortsen, Michael Pena, David Dastmalchian, T.I., Hayley Atwell, John Slattery
Regie: Peyton Reed
Kamera: Russell Carpenter
Drehbuch: Edgar Wright, Joe Cornish, Adam McKay, Paul Rudd
Musik: Cristophe Beck
Produktion: Kevin Feige, Brad Winderbaum
Ausführende Produktion: Victoria Alonso, Louis D’ Esposito, Alan Fine, Michael Grillo, Stan Lee, Leo Thompson, Brad Winderbaum, Lars P. Winther, Edgar Wright

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