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ARBEITSGRUPPE ZUKUNFT „Das nächste große Ding“

6 Februar 2019 No Comment
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Die Arbeitsgruppe Zukunft besteht aus Marc-Uwe Kling (ja, der mit dem Känguru), Julius Fischer, sowie Michael Krebs und seiner Band „Pommesgabeln des Teufels“, die wiederum aus Boris The Beast und Onkel (Ohrbooten, Alligatoah) besteht. Sie haben 2015 mit „Viel Schönes Dabei“ ein live aufgenommenes Debütalbum veröffentlicht und bringen jetzt mit „Das nächste große Ding“ ihr erstes Studioalbum heraus, das im Vergleich zu dem Vorgänger eine deutliche Schippe drauf legt.

Das liegt auch daran, dass sie mit Kai Stuffel einen zusätzlichen Gitarristen für das Album verpflichtet haben, der die Musik noch einmal instrumental aufwertet. Aber vor allem haben sie neue Songs am Start, die ähnlich wie auch schon auf dem letzten Album von Krebs und den Pommesgabeln auch in der Wahrnehmung eines Musik-Acts funktionieren und das Comedy-Element als eine zusätzliche Qualität liefern. Der Opener „Freunde“ kommt sehr Ärzte-mäßig her daher, die ja auch gern mal alle drei Vokalisten in einem Song auftreten lassen. „Lügen“ hat dann erstmals diesen bereits beschriebenen Effekt, dass die Comedy auf einen an sich geilen Song noch mal eine zusätzliche Priese dazu gibt. Noch krasser wird es dann in der einer Minute und dreizehn Sekunden voller Flöte, Marschtrommel und Vortrag, die unter dem Titel „Hättler“ (geniale Wortschöpfung!) folgt. Kling bringt dann mit „Oh“ einen Klingsong der besseren Art.

Der Vorabtrack „Büro“, der mit einem großartigen Video (siehe unten) ins Rennen geschickt wurde, ist ein grandioses Stück Crossover-Punk, das den Büroalltag völlig überzeichnet, aber dabei noch souverän die Kurve kriegt. „Unbekannter Fehler“ ist dagegen eine Nummer, die wenig Substanz bietet, aber dafür mit Bigband-Arrangements sehr aufwendig produziert wurde. „Die Leute woll’n das so“ ist dann wieder klasse. „Pendelverkehr“ ist ein musikalisch und auch textlich überzeugender Song, der leider durch so überflüssige Ansagen wie „Jetzt wieder solo:“ in diesem Moment an Qualität verliert.

Im Verlaufe der zweiten Hälfte des Albums überzeugt leider zuerst wenig. „Nicht einfach zu finden“ ist ein Klingsong der schwächeren Art. Fischer versucht es mit der Hitakkordformel bei „Oben“, aber schafft damit lediglich eine Hit-Persiflage ohne Witz. Aber „Rate me“ funktioniert und klingt dann doch noch überzeugend und zum Abschluss gibt es mit „Jetzt ist Schluss“ doch noch einen gelungenen Schlusstrack.

Der Arbeitsgruppe Zukunft gelingt mit „Das nächste große Ding“ über weite Strecken der Spagat zwischen cooler Musik und Comedy. Einige Songs zünden eher weniger in einem der beiden Bereiche, bei manchen ist es ein Fall von weder-noch, aber unter’m Strich bietet die Platte wirklich gute Unterhaltung.

Wertung: 4 von 6

VÖ: 01.02.2019

https://www.arbeitsgruppe-zukunft.de/

Tracklisting:

  1. Freunde
  2. Kunst
  3. Lügen
  4. Hättler
  5. Oh
  6. Büro
  7. Unbekannter Fehler
  8. Die Leute woll’n das so
  9. Boris
  10. Pendelverkehr
  11. Smartphone
  12. Nicht einfach zu finden
  13. Obener
  14. Oben
  15. Rate me
  16. Jetzt ist Schluss

Jan Woelfer

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