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ARCTIC MONKEYS – AM

9 September 2013 No Comment
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ARCTIC MONKEYS - AM

Rückblickend betrachtet wird „AM“ ein Album sein, das die ARCTIC MONKEYS zu dem gemacht hat, was sie geworden sein werden. Männer und Künstler! Geboren als talentierte Indierocker, losgelöst von den britischen Alltags-Fesseln und hineingeworfen in den American Dream. Wenn sie 2009 mit „Humbug“ unter den Fittichen von Stonerrock-Legende Josh Homme zu Männern wurden, sind sie jetzt so etwas wie hungrige Ehebrecher geworden. Erstes Kapitel, dritter Act.

Wem wäre geholfen, hätten sich Alex Turner und Co. auf ihrem kongenialen Debütalbum ausgeruht. Auf das düstere und sandige „Humbug“ Album folgte das etwas poppigere „Suck It And See“. Und Album Nummer 5 geht nun noch einen Schritt weiter. Die ARCTIC MONKEYS hören nicht auf zu suchen und glücklicherweise auch zu finden. Neue Sounds, neue Frisuren und neue Einflüsse. G-Funk sollte es bei „AM“ sein.Vorab gab es mit „RU Mine“ und „Do I Wanna Know“ bereits zwei sehr starke Tracks, die den Urban-Westcoast-Style der Band nur andeuteten. Und auch mit dem kompletten Album im Player bleibt die prophezeite Experimentierfreudigkeit berechenbarer als befürchtet. „Mad Sounds“ kommt als Primal Scream Ballade mit uhlala-Backings daher, das orchestrale „Snap Out Of It“ könnte auch vom Turner-meets-Miles-Kane-Projekt Last Shadow Puppets sein.

Mit „Arabella“ ist ihnen ein wahres Highlight gelungen, das sich bis zur Mitte aber recht erfolgreich Radio- und Dancefloor-Einsätzen entzieht. Achtung: Bei der „No.1 Party Anthem“ handelt es sich um absolut keine Partyhymne. Und auch der zweiten Single „Why’d You Only Call Me When You’re High?“ hätte eine kleine Überraschung ganz gut gestanden.

Dennoch ein durchtrieben großartiges Album. Insgesamt gefällt die Gewichtung von Brechersongs am Anfang der Platte und Halbstarkem hintenraus eher weniger. Aber vielleicht liegt’s auch an der kurzen Aufmerksamkeitsspanne der Jugend von heute, die die Vinyl nur A-seitig hört. Ach ne, falsches Medium. Wer sich die Zeit nimmt das Kleingedruckte zu lesen, erfährt dazu noch: 12 Songs, aufgenommen bei Sage & Sound Recording in Los Angeles und Rancho De La Luna in Joshua Tree, Kalifornien, produziert von James Ford und Ross Orton, gemixt von Tchad Blake. Als Gäste: Pete Thomas (Elvis Costello), Bill Ryder Jones und Sugardaddy Josh Homme (QOTSA).

„AM“ erscheint beim ersten Hören vielleicht nur mittelmäßig, aber es wächst zur Einsicht, dass die ARCTIC MONKEYS immer nur groß sein werden. Die haarscharfen Turner-Texte über Sex, Frust und Drogen allein sind auch bei Album Nr. 5 Kaufgrund, ohne auch nur einen Ton dazu hören zu müssen: “I wanna be your vacuum cleaner/Breathing in your dust/I wanna be your Ford Cortina/I will never rust”. Man kann es sich vorstellen, wie sich „der neue“ Turner dabei durch die friserte Tolle fährt und siegessicher an einem Pint nippt…

Label: Domino Records
VÖ: 06.09.2013
Bewertung: 5/6

dominorecordco.de
arcticmonkeys.com

Trackliste:
01. Do I Wanna Know?
02. R U Mine?
03. One For The Road
04. Arabella
05. I Want It All
06. No. 1 Party Anthem
07. Mad Sounds
08. Fireside
09. Why’d You Only Call Me When You’re High?
10. Snap Out Of It
11. Knee Socks
12. I Wanna Be Yours

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