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ARETHA FRANKLIN – The Atlantic Singles Collection 1967-1970

12 Oktober 2018 No Comment
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„Hey Nineteen, that’s (A)’retha Franklin“ sang Donald Fagen auf dem Steely Dan-Album „Gaucho“ das 1980 erschien. Ende der Siebziger Jahre hatte Aretha Franklin einen deutlichen Karriereknick hinnehmen müssen und war der jungen Gespielin von Fagen vielleicht tatsächlich unbekannt. Mit ihren kraftvollen Auftritt in dem Film „Blues Brothers“ 1980 ging es dann für sie wieder nach oben. Dort sang sie eine Neueinspielung ihres Hits „Think“ aus dem Jahr 1968,  der auf dieser akutellen Compilation selbstverständlich auch enthalten ist.  „The Atlantic Singles Collection 1967-1970“ wurde nicht als Reaktion auf ihren Tod vom 16. August 2018 schnell zusammen gestellt, sondern ist ein Projekt, das bereits zu Beginn des Jahres und nicht als Postum-Veröffentlichung geplant wurde. Wie der Titel bereits klarstellt, werden hier ihre Single-Hits aus den Jahren 1967-1970, die auf Atlantic in den USA erschienen, mit allen A-Seiten und auch ausgewählten B-Seiten versammelt. Veröffentlichungen wie ihre Version von „(I can’t get no) Satisfaction“, die ein UK-Hit war, aber nicht in den USA herauskam, bleiben außen vor.

Es war ihre große Zeit, damals auf Atlantic. Seit 1960 nahm sie Platten auf und auch in der ersten Hälfte der Sechziger Jahre war sie eine große Sängerin. Aber das Paket, das Atlantic-Produzent Jerry Wexler für sie schnürte, war perfekt. Er brachte sie mit  der Muscle Shoals Rhythm Section zusammen, und ermutigte sie sich auch wieder stärker zu ihren Gospelwurzeln zu bekennen. In Verbindung mit einem feinen Händchen in der Songauswahl wurde Aretha Franklin in Kürze zum Superstar mit zahllosen Hits. In den Jahren 1968-1975 gewann sie 8 Mal in Folge den Grammy in der Kategorie Best Female R&B Vocal Performance, was bis heute unerreicht ist. Viele Nachrufe, die anlässlich ihres Todes erschienen, bezeichneten sie als die beste Soul- und Gospelsängerin, die je Platten aufgenommen hat. War Elvis Presley der männliche Sänger in der zweiten Hälfte des letzten Jahrhunderts, der den größten Eindruck und Einfluss hinterließ, so war Aretha sein weiblicher Pendant. Ihr Einfluss auf alle Soulsängerinnen, die nach Ihr kamen, ist ohne Beispiel. Ein interessanter Vergleich bzw. eine interessante Verbindung stellt übrigens der Song „Gentle On My Mind“ dar, der sowohl von Elvis als auch von Aretha im Jahr 1969 aufgenommen wurde und in ihrer Version auch hier enthalten ist. Während Elvis überaus cool die Melodie von Glen Campbells Originalversion beibehält, sie allerdings deutlich sexyer und funkiger singt, nimmt sich Aretha den Song und macht sich ihn total zueigen mit ihrem überschwenglichen Gospel-Feeling und dem Call and response im Verbund mit ihren Backgroundsängerinnen.

Songs wie Otis Reddings „Respect“, Carol Kings „A Natural Woman (You Make Me Feel Like)“ oder Dionne Warwicks „I Say A Little Prayer“ aus der Feder von Burt Bacharach wurden von Aretha Franklin in überragenden Interpretationen aufgenommen, die die Vorlagen klar übertreffen. Und die Songs, die sie als Erste aufnahm wie z.B. „Chain Of Fools“, das oben bereits erwähnte „Think“, „The House That Jack Built“ oder das auf einer frühen B-Seite veröffentlichte „Do Right Woman, Do Right Man“, wurden auch nie besser interpretiert. Auf der zweiten CD finden sich dann weitere Lieder, die sie covert ohne jedoch klar das Original zu übertreffen, was jedoch weniger an Arethas Version, sondern an der Klasse der Vorlage liegt. Dazu zählen neben dem bereits erwähnten „Gentle On My Mind“ noch „Eleanor Rigby“ und „Let It Be“ von den Beatles, „The Weight“ von The Band, „The Thrill Is Gone“ von B.B. King und auch „Son Of A Preacher Man“, das das gleiche Produzententeam ein gutes Jahr davor im gleichen Studio mit Dusty Springfield aufgenommen hatten.

„The Atlantic Singles Collection 1967-1970“ ist die beste Compilation, die man zu den Worten „Hey Nineteen, that’s Aretha Franklin“ auflegen könnte. Ob die Nineteens im Jahre 2018 darauf ähnlich abfahren wie vor 50 Jahren, ist sicher strittig, dass das verdammt großartige Musik ist, jedoch nicht!

Bewertung: 6 von 6

VÖ: 28.09.2018

Rhino / Atlantic

Offizielle Künstlerseite

Tracklist (2CD):

Disc One
01. I Never Loved A Man (The Way I Love You)
02. Do Right Woman, Do Right Man
03. Respect
04. Dr. Feelgood
05. Baby I Love You
06. Going Down Slow
07. A Natural Woman (You Make Me Feel Like)
08. Baby, Baby, Baby
09. Chain Of Fools
10. Prove It
11. (Sweet Sweet Baby) Since You’ve Been Gone
12. Ain’t No Way
13. Think
14. You Send Me
15. The House That Jack Built
16. I Say A Little Prayer
17. See Saw
18. My Song

Disc Two

01. The Weight
02. Tracks Of My Tears
03. I Can’t See Myself Leaving You
04. Gentle On My Mind
05. Share Your Love With Me
06. Pledging My Love / The Clock
07. Eleanor Rigby
08. It Ain’t Fair
09. Call Me
10. Son Of A Preacher Man
11. Spirit In The Dark – With The Dixie Flyers
12. The Thrill Is Gone – With The Dixie Flyers
13. Don’t Play That Song – With The Dixie Flyers
14. Let It Be – With The Dixie Flyers
15. Border Song (Holy Moses)
16. You And Me – With The Dixie Flyers

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