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BEADY EYE – Different Gear, Still Speeding

25 Februar 2011 No Comment
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BEADY EYE - Different Gear, Still SpeedingRückschlüsse aus Artwork und Titel von „Different Gear, Still Speeding“ auf den Inhalt des BEADY EYE Debüts sind hobbypsychologisch gesehen – und einleitend gesagt – weitesgehend irreführend. Was hat uns das Mädchen auf einem Krokodil reitend zu sagen? Andere Mannschaft, immer noch dasselbe? Da Mastermind Noel das Britpop-Mutterschiff verlassen hat, kann der kleine Bruder nun endlich seine Nonchalance in Sachen Lyrics ausleben („C’mon, C’mon“) und seiner BEATLES-Obsession blindlings frönen. Ähnlich desinteressiert scheinen BEADY EYE auf ihrem Post-OASIS-Erstling auch an jeglicher Songästhetik zu sein, die weniger als 40 Jahre auf dem Studio-Buckel hat. Im Grunde liebäugelte ja schon das letzte OASIS Album „Dig Out Your Soul“ mit genau diesem psychedelischen Sixties-Verve. Doch dann kam die Stunde Noel.Die 13 von Liam Gallagher, Andy Bell und Gem Archer geschriebenen Songs der Trümmer-Band wurden im Sommer 2010 in den Londoner RAK Studios mit Steve Lillywhite (U2, THE LA’S, ROLLING STONES) aufgenommen. Im Oktober lüfteten BEADY EYE mit der ersten Single „Bring The Light“ dann das Geheimnis um die neuen OASIS. Wem die Kategorie „klingt-nach“ und selbstverliebte Nöligkeit schon immer ein Dorn im Ohr war, sollte hier lieber die Finger von lassen. Man hat es dank Pre-Releases vorab als einfältig und unverschämt abkupfernd geschimpft, aber es ist immer noch präzise inszeniert und haut einen – wie mit dem psychedelischen Boogie-Rocker „Four Letter World“ bewiesen – auch gerne mal aus dem Leder-Ohrensessel. So ruft zumindest der kleine OASIS-Fan auf der Schulter der Riesen. Besonders „Wigwam“ versetzt den geneigten Hörer aber in eine schimmernde Trance, mit der BEADY EYE am ehesten ins Schwärmen kommen.

Mit „Millionaire“ ruft Liam auch mal THE BYRDS und mit „Standing On The Edge Of Noise“ recht eindeutig Maccas „Get Back“ auf den Plan. Doch selbst ein klimpernder Song, der „Beatles and Stones“ heißt, hält nicht, was er verspricht. Am unnötigsten fassen der Merseybeater „For Anyone“ und der Rausschmeißer „The Morning Son“ zusammen, dass BEADY EYE auf „Different Gear, Still Speeding“ mit einigen Glanzlichtern oberflächlich zwar brillieren, aber in ihrem Kokon gefangen immer nur das sagen können, was sie auch meinen und was bereits gesagt wurde. Ohne Hintertürchen, ohne Ironie, ohne penetranten Perfektionismus. Ohne Noel. Die Erwartungen waren hoch, das wussten sie und entschieden sich auch deshalb direkt nach dem absehbaren Gallagher-Split ins Studio zu gehen. Gespannt auf Noels sicherlich diskreditierende Kommentare zu „Different Gear, Still Speeding“, findet man im Soloalbum des Oberbruder Grimmigs hoffentlich erwas mehr Sinn für galantes Songwriting. „Nothing Lasts Forever“.

Label: Beady Eye Recordings / Indigo
VÖ: 25.02.2011
Bewertung: 4/6

Trackliste:
01. Four Letter Word
02. Millionaire
03. The Roller
04. Beatles and Stones
05. Wind Up Dream
06. Bring the Light
07. For Anyone
08. Kill for a Dream
09. Standing on the Edge of the Noise
10. Wigwam
11. Three Ring Circus
12. The Beat Goes On
13. The Morning Son

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