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BERLIN FESTIVAL 2011, Flughafen Tempelhof

12 September 2011 No Comment

BERLIN FESTIVAL 2011, Flughafen Tempelhof

Im Rahmen der Berlin Music Week gab es auch in 2011 wieder die Musikmesse Popkomm und das BERLIN FESTIVAL 2011 am Flughafen Tempelhof. Internationales Publikum strömte in die bundesdeutsche Hauptstadt, um einmal mehr den quintessentiellen Hotspot aktueller Musik zu feiern. Die Popkomm war in diesem Jahr nur dem Fachpublikum geöffnet und konnte neben den obligatorischen Ausstellern (GEMA go home, tape.tv for president) bei Diskussionsthemen zur Krise (Schuld an allem) oder HipHop-Booking in Indien leider nur sehr wenige Anhänger begeistern.

Auch das BERLIN FESTIVAL, das am Freitagmittag mit dem Post-Dubstep-Hero JAMES BLAKE eröffnete, hatte anfangs mit einem kleinen Besuchermangel zu kämpfen. Der Vorverkauf lief schon weit nicht so gut wie im Vorjahr. Gründe für das Wegbleiben waren der Ticketpreis von 80 € und bei vielen auch der letztjährige Abbruch des Festivals. Dabei bot die einmalige Location so ziemlich alles zwischen Indie, Dubstep, Folk, Electro und HipHop. Denen die dennoch gekommen waren, um zumindest ihre Jutebeutel spazieren zu führen, wurden am ersten Festivaltag Acts wie THE RAPTURE, THE DRUMS, BATTLES und später die absolute megalomanischen PRIMAL SCREAM und  auf der Hauptbühne um die Ohren gehauen.

BERLIN FESTIVAL 2011, Flughafen TempelhofWährend SUEDE bei den meisten vornehmlich mit ihren 90er-Hits punkteten, waren PRIMAL SCREAM gleich nur mit ihrem 1991er-Über-Album „Screamadelica“ angereist, dass Bobby Gillespie wie ein Schlangenmensch auf Pilzen vortanzte. Grandios! Dass die allermeisten der Besucher damals noch gar nicht geboren war, störte höchstens ein paar Medienheinis mit VIP-Pass vor’m Bauch, die schon in den 80ern zu Ravemusik synthetische Drogen nahmen. An dieser Stelle sei auch auf die „Silent Disco“ verwiesen, bei der teilweise mehr abging als vor der Mainstage. Unglaublich was ein Kopfhörer alles anrichten kann.

Auf den beiden kleinen Bühnen, die da Hangar 4 und 5 hießen, trumpften die Festivalmacher freitags mit CSS, WIRE, CLAP YOUR HANDS SAY YEAH, SANTIGOLD und allerhand mehr auf. Nach dem Festival ist vor dem Festival und so fuhren die meisten Großstadt-Hipster nach den letzten Acts gleich weiter in den „Club Xberg“ in der Arena. Bei DJ HELL, KRUDER UND DORFMEISTER oder BOY GEORGE gab es dann noch mehr Drogen und bald auch wieder Sonnenlicht. Den Schreiber dieser Zeilen zog es dagegen ins White Trash, wo LIBERTINE Carl Bârat an den Indie-Tellern drehte und zur feuchtfröhlichen Death Disco bat.

Dass am zweiten Festivaltag des BERLIN FESTIVAL 2011 alles andere als Massen zum frühen Auftritt von RETRO STEFSON erschienen, war bei so viel Nachtprogramm zu befürchten. Doch schon bei dem Soulbuddy ALOE BLACC (leider sehr langweilig, der braucht mehr als nur einen Dollar) und NAKED AND FAMOUS füllte sich das Flughafen-Gelände immer mehr. Die Veranstalter schickten dann auch gleich eine Pressemitteilung in den Äther, in der sie von 15.000 Besuchern sprachen, die gekommen waren und noch kommen sollten. Die Betonung liegt wohl eher auf dem letzten Satzteil. Aber als die Tempelhofer Sonne bei BEIRUT dann langsam unterging, dachte man erstmals daran, dass auf diesem theoretisch riesigen Gelände wahrscheinlich auch gut und gerne 500.000 Leute das geilste Flughafen-Festival aller Zeiten feiern könnten. Es füllte sich, aber da geht weit mehr! Das neue Konzept mit den drei eigenständigen Bühnen über Dach hat sich dennoch voll ausgezahlt, auch wenn der Sound unter den Beton- und Stahlkonstrukionen etwas in Mitleidenschaft gezogen wurde.

BERLIN FESTIVAL 2011, Flughafen TempelhofFreunde der heißen Gitarrenmusik hatten es am Samstag etwas schwierig in Fahrt zu kommen. Einzig THE BLACK ANGELS ließen die Saiten glühen. Später gab’s dann noch dEUS und MOGWAI. Deutschlands neuer Liebling CASPER heizte seinem Publikum „echt derbe“ ein, um mal ein Wort aus dem Schatz der Headliner zu benutzen. Die (ABSOLUTEN) BEGINNER enterten um halb Elf die Mainstage und ließen erstmals seit sehr vielen Jahren wieder ihre Rhymes auf die Leute los. Aber sei doch mal ehrlich: Das hat man sich etwas größer vorgestellt und mit seiner Disko No.1 hätte Jan Delay auch weit mehr Applaus bekommen. Aber den Althiphoppern hat’s gefallen und das ist ja die Hauptsache.

Wer dann schwer übermüdet seine letzten Krümel Partyspaß zusammenkratze und dem derangierten Körper zuführte, fand den Weg erneut in den Xberg, wo nach den unerwartet frischen PUBLIC ENEMY der wahnsinnig fantastische SKILLEX auflegte. MR. OIZO und FEADZ konnten anschließend nur noch die Krümel vom Arena-Boden fegen, während die Sonne schon wieder aufging. Berlin ist immer wieder echt anstregend aufregend und ja, sexy!

berlinfestival.de

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