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BERLIN FESTIVAL 2012, Flughafen Tempelhof

11 September 2012 No Comment

Stephan Flad / Berlin FestivalFoto: Stephan Flad / Berlin Festival

Nach dem bisher eher mäßigen Erfolg eines Urban Festivals in der Weltstadt des Bären entpuppte sich das dritte BERLIN FESTIVAL in diesem Jahr in voller Pracht. Mit über 20.000 Zuschauern, darunter rund dreißig Prozent „Ausländern“, strömten doppelt so viele auf das imposante Flughafengelände Tempelhof wie im Jahr zuvor. Trotz Soundproblemen sorgte ein stilsicheres Lineup – und nach dem Abbruch in 2010 auch ein reibungsloser Ablauf – für allseits zufriedene Glitzer-Gesichter und tanzwütige Körper.

Den ersten Festivaltag eröffnete das BRANDT BRAUER FRICK ENSEMBLE mit Orchester und Jamie Lidell als Gastsänger, was den noch wenigen Fans im Hangar die ersten Moves entlockte. Mit „Little Talks“, dem Radiohit der Isländer OF MONSTERS AND MAN startete dann auch auf der Hauptbühne das bunte Fest. Bis zu den Headlinern THE KILLERS sorgten noch Sixities-Shootingstar MICHAEL KIWANUKA, die ebenfalls hippen LITTLE DRAGON und DAUGHTER sowie die atemberaubenden SIGUR RÓS für ein internationales Topprogramm.

Großer Beliebtheit erfreuten sich natürlich auch TOCOTRONIC, die den Berlinern bei leichtem Nieselregen erstmals ihr neues Album präsentierten, das sie erst kürzlich nicht weit entfernt fertiggestellt haben. Gleichzeitig räkelte sich in Hangar 4 oder 5 Fräulein Wunder GRIMES an den Turntables, wo zuvor KATE NASH – jetzt auf Girlpunk getrimmt – kein Comeback feierte. Die quirligen MAJOR LAZOR – samt der exzellent tanzenden GRIMES auf der Bühne – ließen zum Tagesabschluss dann standesgemäß die Konfettikanonen knallen und schickten Diplo in einem Riesenball über’s Publikum.

Die wohl größte Überraschung auf dem Gelände des ehemaligen Zentralflughafens und Nazi-Megabaus war die Neugestaltung der Mainstage, die erstmals unter freiem Himmel stand und im Flugzeug-Weitwinkel-Look sehr schick aussah. Einziges Problem, das man gut und gerne auch zu einem Generalvorwurf aufblasen könnte, war der oftmals ziemlich bescheidene Sound, besonders in den beiden Hangars. Teilweise waren behördliche Auflagen für eine Begrenzung von höchstens 95db verantwortlich, doch die richtige Mischung aus Gesang und Soundbrei sollte auch dann noch zustande kommen.

Absolutes Pro für das BERLIN FESTIVAL war wieder das Art Village, das Street Art und aufwändige Installationen von spannenden Jungkünstlern zeigte und zum Mitmachen einlud. Neben dem Autoscooter war auch die Silent Disco wieder ein Highlight des volksfestlich blinkenden Areals. Dafür wurden 8.000 Kopfhörer von DJs beschallt, mit denen die Festivalbesucher gegen ein 20€-Pfand über das Gelände tanzen konnten. Unglaublich, wie gut das funktioniert! Das spannende am BERLIN FESTIVAL sind eben auch die kleinen Attraktionen auf dem weitläufigen Gelände. Wie dem „Bolzen Soccer Court“, einem Casino-Zelt oder der „Berlin Debate“ auf der neuen Berlin Music Week Stage, wo Künstler, Labelchefs und Rechtsanwälte über das Urheberrecht debattierten.

Im Club Xberg, der zur nächtlichen Aftershowparty samt eigenem Line-Up z.B. mit METRONOMY, HERCULES & LOVE AFFAIR SOUNDSYSTEM, CROOKERS und KID SIMIUS lud, feierten die tanzgeilen Kids dann bis zum Morgengrauen an der Spree. Wer es rechtzeitig ins Bett bzw. wieder raus schaffte, schaute sich am Samstagmittag den Shootingstar mit der Pandamaske an, die hotten Newcomer DJANGO DJANGO oder dann zu feiertauglicheren Uhrzeiten die Berliner Partypunker BONAPARTE an.

Im Anschluss partyrockten KRAFTKLUB auf dem gefühlten Zenit ihrer Songhaltbarkeitsdauer die große Bühne, dabei wollten sie ja nie nach Berlin. Wenn es diesen Sommer eine hippe Festivalband gab, dann doch die Karl-Marx-Bande. Ob sie nächstes Jahr immer noch mit den Uniformen auflaufen? Der Samstagabend gehörte dann zwei Headlinern, die auf dem Billing ganz oben standen und ähnlich wie einige andere Bands einen exklusiven Deutschlandauftritt bestritten. Zum einen die großartigen FRANZ FERDINAND mit ein paar gänzlich neuen Songs und einem Riesenscheißhaufen alter Hits. Und zum anderen PAUL KALKBRENNER, der mit wummernden Bässen Zwanzigtausend Leute zum willenlosen Tanzen animierte.

So wurde es uns zumindest erzählt, wir standen ungeachtet technoider Gesinnungen zeitgleich beim allerletzten Deutschlandauftritt der Schweden-Rocker THE SOUNDTRACK OF OUR LIVES, die sich zum Ende des Jahres auflösen. Als die Stimme von Ebbot Lundberg im Matschsound unterging und die Band heimlich Abschied nahm, kam doch ein bisschen Wehmut auf. Aber egal welche Bands in Zusammenarbeit mit dem Melt! Booking für 2013 bestätigt werden, wir kommen wieder!

berlinfestival.de
facebook.com/Berlinfestival

berlinfest2012poster

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