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BERND BEGEMANN & DIE BEFREIUNG – Eine kurze Liste mit Forderungen

14 Dezember 2015 No Comment
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BERND BEGEMANN & DIE BEFREIUNG - Eine kurze Liste mit Forderungen

4 Jahre ist es her seit seiner letzten Platte („Wilde Brombeeren“) und diesmal hat sich BERND BEGEMANN mit seiner Band DIE BEFREIUNG mal was anderes ausgedacht. „Eine kurze Liste mit Forderungen“ wurde weitestgehend live im Bremer Studio Nord aufgenommen, dabei unterstützt von einer großen Menge an Unterstützern, darunter so bekannte Größen wie Dirk Darmstädter oder Stoppok. An manchen Stellen kommt da glatt ein „All things must pass“-Feeling auf: Viele Stimmen, ein Livesound in einem großen Raum nur Phil Spector war leider verhindert.

Das Album eröffnet grandios mit „Die besoffene Fahrerin“, dessen ungemein eingängige Strophe von einem noch eingängigeren Chorus getoppt wird. Stoppok spielt Mundharmonika, Pauken ertönen und wahnsinnig viele Stimmen erklingen. Und dann wird es wütend und ruppig: „Ich habe meinen Frieden gemacht“ klingt so zornig wie man es sich als zorniger nicht-mehr-junger Mann noch erlauben kann ohne peinlich rüber zu kommen. Und es klingt verdammt nach Costello. Wie überhaupt die ganze Platte an vielen Stellen sehr Costello-like (oder sagt man costelloresk?) klingt. Von seiner Art zu singen, mit all den Manierismen im Vortrag war Begemann ja schon immer sehr nah an Elvis C. Aber jetzt gehen die Songs und Arrangements auch in diese Richtung und es steht ihm gut zu Gesicht.

Auch „Mein eigenes Leben entführte mich“, nur von Drums begleitet, schlägt in diese Kerbe und das folgende „St. Pauli hat uns ausgespuckt“, das auch als 12″-Single veröffentlicht wird, atmet diesen Geist. Stilistisch hat er auch eine große Bandbreite auf diesem Album. Neben dem bereits erwähnten wütenden Garagenbeat gibt es sehr ruhige Nummern wie „Brauch‘ Dich so“, lustige Pianosongs wie „Nazi Tattoo Papa“, die 50s-Schlager-Hommage „Rialto“ oder Bossa-Nova auf dem wunderbaren „Fällt mir schwer zu glauben, dass Du schüchtern bist“. Dialogische Stophenzeilen werden, wenn der Satz von einer Frau stammt, häufig mit weiblichen Sprechstimmen unterlegt.

Insgesamt sind es 28 Songs, die Begemann auf dem Album versammelt – natürlich sind es zu viele – „Am Ende des Tages“, „Unoptimiert“, oder „Die Glücklichen“ hätte es nicht gebraucht, und sicher findet jeder eine andere Auswahl von vielleicht 15 Songs, die dieses Album zu einem noch besseren gemacht hätten. Aber erstens sind auf „Eine kurze Liste mit Forderungen“ sehr viele sehr coole Songs zu hören und zweitens gebietet der Mut, eine solche Menge an neuen Songs zu veröffentlichen auch ohne Frage Respekt. Leider wird man aus Kostengründen nur live wohl nicht in den Genuss von Konzerten mit der vollen Band kommen. Bei Abgeh-Nummern wie dem bissigen „Sie hat Regeln“ wird das nicht stören, das kann man sich wunderbar mit Bernd solo vorstehen, aber sowas wie das oben bereits erwähnte „Fällt mir schwer zu glauben, dass Du schüchtern bist“ wird so einfach nicht funktionieren. Aber, wer weiß: Lassen wir uns überraschen. Die Platte ist jedenfalls seine beste seit langem.

Bewertung: 4 von 6
VÖ:
18.12.2015
Label:
popup Records
bernd-begemann.de

Tracklist:

  1. Die besoffene Fahrerin
  2. Ich habe meinen Frieden gemacht
  3. Bist du da in der Dunkelheit
  4. Das klappt grad nicht mit dem Fahrrad
  5. Die stählernen Stufen herab
  6. Mein eigenes Leben entführte mich
  7. Pauli hat uns ausgespuckt
  8. Nazi Tattoo Papa
  9. Liebling wir haben größere Probleme als uns
  10. Mein Powertier ist ein Gnu
  11. Sie war entschlossen
  12. Am Ende des Tages
  13. Neulich auf der Orgie
  14. Unoptimiert
  15. Sie hat Regeln
  16. Es ist kein Zufall (dass ich neben Dir liege)
  17. Deine schwulen Freunde
  18. Mehr als Erfolg (brauche ich das Gefühl, Euch weiter­hin alle Scheisse finden zu dürfen)
  19. Rialto
  20. Fällt schwer zu glauben, dass du schüchtern bist
  21. Brauch‘ dich so
  22. Sie fuhr einen lila Twingo
  23. Weil du suchst weil du kämpfst
  24. Die Glücklichen
  25. Jeden Abend sagst du sowas
  26. Die Reichen haben gewonnen
  27. Komm zurück, Olli Schulz
  28. Ich bleibe noch ein bisschen im Baum
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