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BIFFY CLYRO & FATHERSON – 29.04.2016, Münster, Halle Münsterland

2 Mai 2016 No Comment

Mon the Biffy! Schottlands beste Rockband ist zurück und wartet in diesem Jahr mit einem heiß ersehnten Nachfolger zu ihrem 2013er Hitalbum „Opposites“ auf. Vorab durfte die Öffentlichkeit einen brandneuen Track hören – „Wolves Of Winter“. In dem Vierminüter ballert das Trio heftigst durch die Schallmauer und macht klar, dass Album Nummer sieben keine Schmuseplatte sein wird. Technoid hochgezüchtet, hauen die sympathischen Tausendsassa ihre markanten Riffs und Hooklines durch die Streamingportale. Anschnallen, wenn „Ellipsis“ Anfang Juli erscheinen wird! Letztes Jahr hat sich die Band eine Öffentlichkeitsauszeit gegönnt. Ganze zwei Jahre ist es gar her, dass das Trio auf deutschem Boden gespielt hat. So war es kein Wunder, dass ihr erstes Konzert in der Bundesrepublik recht flott ausverkauft war. Die Eckdaten: 29. April 2016 – Halle Münsterland – Münster – 6.500 Personen Kapazität. Eine Band, fünf Musiker und Energie wie tausend Pferde.

Doch bevor BIFFY CLYRO auf die Bühne und ins Radio treten durften, eröffneten FATHERSON den Abend. Die Band stammt, wie der Hauptact, aus Schottland. Vor sechs Jahren gegründet, hat sich die noch recht junge Gruppe einige Stationen auf der Leiter nach oben gespielt. Mit ihrem Folk-Nerd-Rock konnten sich die Glasgower einige Fans und positive Kritiker auf der Insel erspielen. Bands wie FRIGHTENED RABBIT, PANIC! AT THE DISCO, FEEDER, TWIN ATLANTIC, ENTER SHIKARI und IDLEWILD haben sich FATHERSON bereits auf die Bühne geholt. Und nun haben sich die Überrocker BIFFY CLYRO das sympathische Trio eingeladen. Welch Ritterschlag! Doch Ross Leighton (Guitar/Vocals), Marc Strain (Bass) und Greg Walkinshaw (Drums) schienen davon ganz und gar nicht eingeschüchtert. Restriktiv begrenzt auf 30 Minuten Spielzeit, hauten die Schotten ein wirklich gutes Set raus.

FATHERSON eröffnen

Ihr zweites Studioalbum „Open Book“ steht in den Startlöchern und die Gruppe scheint einiges vor zu haben. Mit ihrem eingängigen Popsongs kam die Band an diesem Abend beim Publikum an. Natürlich ist es immer ein wenig undankbar, wenn man wenige Minuten vor den heißersehnten Hauptbands spielt, doch nach 2-3 Songs kam Bewegung in die ersten Zuschauerreihen und bei ihrem Hit „Hometown“ meinte man gar, ein paar Mitsinger zu hören. Zu „I Like Not Knowing“ nickten die Zuschauer ein wenig begeisterter. Die mehrstimmigen Passagen gen Ende waren wirklich schön und handwerklich solide!

FATHERSON reihen sich in eine gute Tradition junger britischer Bands ein. BIFFY CLYRO, REUBEN, FRIGHTENED RABBIT oder auch LONELY THE BRAVE kann man in Sound und Gestus von FATHERSON ausmachen. In 30 Minuten Auftritt verpackt, versprühte die Band einen folkigen Touch, sehnsuchtsvolle Melodien und eine gewisse urwüchsige Wärme. MUMFORD AND SONS treffen auf BASEMENT. FATHERSON boten den gediegenen Einstand für einen nachfolgend sehr lauten und kraftvollen Konzertabend.

Die schottischen Newcomer machen ihr Ding gut! Auch wenn ihre Musik, im Vergleich zu BIFFY CLYRO, keine wirklichen Ecken bietet. Von Beliebigkeit zu sprechen, wäre unfair. Doch machten die Jungs der Hauptband an diesem Abend in keinster Weise Konkurrenz. Die Menge war eingestimmt, aber nicht aufgewärmt. Eine halbe Stunde glockige Klänge, mid-tempo-Nummern, guten Männergesang und sympathischen Schotten-Akzent auf hohem Niveau wurde geliefert.

Der Umbau ging fix. Drumset und Amps wurden von den alles verdeckenden Planen befreit und das Intro von „Wolves Of Winter“ begann sich durch die PA-Anlage zu schälen. Und dann wurde geschrien.

BIFFY CLYRO sind zurück!

Gut sahen sie aus. Zottelig-langhaarig zeigte sich Frontmann Simon Neil. Aber ansonsten war alles beim Alten. Oben ohne wurde gespielt. Diese Band ist ehrlich. Simon Neil, James und Ben Johnston lieben das Musikmachen. Seit ihrer Jugend spielt das Trio zusammen. Hart erarbeitet haben sich die Talente ihre Bekanntheit. Über ihren Erfolg sind sie nicht zynisch oder arrogant geworden. Noch immer wird in jeder Sekunde gegrinst und gelacht. Die Spielfreude sieht man ihnen an. Und ist ansteckend.  

Die neuen Tracks klingen positiv hochgezüchtet. Der Irrsinn der ersten Veröffentlichungen als junge Band ist zurück, wo in den letzten Jahren ein wenig die Eingängigkeit Einzug hielt. Wobei BIFFY stets – als eine von wenigen Bands – Breitenerfolg und musikalische Integrität unter einen Hut bekommen haben. Die Amps klangen in Münster ekelhaft schön übersteuert. Dabei schnitt und wummerte sich der BIFFY-Sound wundervoll in den gesamten Körper. Heftig! Zu diesem Zeitpunkt war der hier schreibende Redakteur euphorisiert und erfüllt von dem schottischen Monster BIFFY CLYRO und auch einigen Kannen deutschen Bieres.

BIFFY CLYRO haben in ihren neueren Machwerken das Interesse an digitalen Klängen weiter ausgebaut. Das geht gut, ist aber auch an manchen Stellen gewöhnungsbedürftig. „Rearrange“ ist fast schon schmalzig wie COLDPLAY. Simpler Elektro-Beat und eine Kopfstimme von Simon Neil vermischen sich in einer zuckersüßen Midtempo-Nummer. „I never meant to break your heart“ und darunter ein leichter trap-beat. Wirr. Aber gut irgendwie. BIFFY ist das egal!

Ich erinnere mich gerne an einen Auftritt der Band im Jahr 2005. Zu dieser Zeit noch vollends zugewuchert, spielte das damals langhaarig-bärtige Trio auf einem Umsonst-und-Draussen-Festival in Essen. Zur Nachmittagszeit fand sich eine noch recht überschaubare Zahl vor der Bühne wieder und nun füllt die Band mal eben das Wembleystadium. Ein Nebeneffekt: Der „Zufallsfan“ hat Einzug gehalten. Der 1LIVE-Hörer, der abfeiert, was man ihm bietet zwischen Feierabend und Nachhauseweg, kauft Tickets und Merch, um sich mit Anspruchsdenken in die Meute zu drängen. Macht selfies und verlinkt alle seine Freunde, nur um dann bei den Balladen aus der Halle zu gehen und sich Bier zu holen.

Doch sucht man sich seine Fans nicht aus und BIFFY CLYRO haben, wie sie auch an diesem Abend bewiesen, allen Ruhm verdient! Hits aus der gesamten Bandgeschichte wurden abgeliefert: „Living Is a Problem Because Everything Dies“, „Semi-Mental“, „Bubbles“, „Glitter And Trauma“, „Biblical“, „Mountains“. Und diese Band hat von der ersten Stunde an nur gute Musik gemacht. Durchhänger gab es keine. Und so strömt der Schweiß – vor und auf der Bühne. Der Zuhörer am Radio dürfte nach dem Konzert das heimische Wohnzimmer verwüstet und die Nachbarn entnervt haben, denn BIFFY CLYRO regen zum Bewegen an. Mit „Stingin´Belle“ endete das Konzert, wie es begann – wild und laut. Die Band verließ die Bühne unter tosendem Applaus. Die Menge strömte nach draußen in die Kälte der Münsteraner Nacht. Und aus mancher Ecke vernahm man ein euphorisches „Mon the Biffy!“

FATHERSON (Fotos: Daniel Junker

 

 

BIFFY CLYRO (Fotos: Daniel Junker

 

 

Hendrik Rathmann
Hendrik Rathmann

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