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BILLY TALENT – 02.12.2016, Hannover, Swiss Life Hall

5 Dezember 2016 No Comment
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BILLY TALENT - 02.12.2016, Hannover, Swiss Life Hall Foto: Daniel Junker / www.junkerphoto.de

Wenn man so will ist Benjamin Kowalewicz an diesem Abend an den Heimatort seiner Ahnen zurückgekehrt. „Ich erzähle Euch heute ein Geheimnis, von dem noch nicht einmal meine Band etwas weiß“, richtet der Sänger kurz vor Schluss des Konzertes zum Hit „Try Honesty“geheimnisvolle Worte an die BILLY-TALENT-Fans in der ausverkauften Swiss Life Hall. „Mein Vater wurde in Hannover geboren“, haut er eine Aussage raus, die wohl alle in der Halle verwundert – Kowalewicz‘  Bandkollegen eingeschlossen. Gitarrist Ian D’Sa, Bassist Jonathan Gallant und Interimsdrummer Jordan Hastings schauen den Sänger überrascht an, während der Band 5000 Kehlen entgegenjubeln. Von einem gefühlsduseligen Kaffeetrinken im illustren Familienkreis kann an dem Abend allerdings keine Rede sein: Schon mit der Eröffnungsnummer „Devil in a Midnight Mass“ legen BILLY TALENT ein ordentliches Brett hin, und gleich zu den ersten Takten springen tausende von Menschen aus ganz gemischten Altersklassen – von sehr vielen jungen Fans bis hin zu Besuchern im 50er-Alter – gemeinsam und euphorisch in die Luft.

Mit „This Suffering“ legen die vier Kanadier gleich den nächsten Hit nach, und auch in den folgenden gut 90 Minuten bleibt die Qualität an melodiös-hymnischen Alternative-Rocknummern immens hoch, die die Fans mit energischem Ausrasten quittieren. Nicht umsonst füllen Billy Talent mit ihrem melodiösen, massenkompatiblen und dennoch druckvoll-eigenen Sound seit mehr als einer Dekade auch Flächen vor sehr großen Bühnen. Im Jahr 1993 unter dem Namen PEZZ gegründet ist die Band als BILLY TALENT seit Mitte der 2000er Jahre ein Dauergast auf hiesigen Festivals.

Dabei sind die Kanadier ihrem Stil seit dem ersten Album treu geblieben: Der Sound unterscheidet sich bis zum aktuellen Album „Afraid of Heights“ nur marginal, was freilich auch am markanten Gitarrenspiel von Ian D’Sa und der unverwechselbar hohen Stimme von Benjamin Kowalewicz liegt. Das wird auch beim Konzert deutlich: Wer die Platten nicht so genau kennt könnte nicht unbedingt einordnen, aus welcher Schaffensphase nun welcher Song stammen mag. Zwischen die gradlinigen und nach vorne preschenden Rocknummern mischen sich zwischendurch einige etwas ruhigere Nummern, insgesamt bleibt das Tempolevel aber auf einem hohem Niveau – was das Publikum quasi durchgehend zum fröhlich-ausgelassenen und friedlichen Tanzen animiert. Wer sich nicht in die Menge mischt genießt in den nicht ganz so vollen Bereichen der Halle ein paar gemütliche Biere mit Freunden oder wiegt sich zum Takt der Musik auf der Tribüne. Denn die Band schafft es locker, ihren Fans ein glückliches Lächeln aufs Gesicht zu zaubern.

Aufgrund der links und rechts der Bühne installierten Bildschirme, über die live gefilmte Bewegtbilder flimmern, haben auch die etwas weiter hinten stehenden Fans die Band gut im Blick. Ein Schmankerl haben sich die in schwarz und rot gekleideten Musiker auch beim Stage Design ausgedacht: Direkt hinter Hastings führt eine Treppe nach oben auf eine Empore, die nach links und rechts weiter ansteigt. Von dort aus genießen D’Sa und Gallant einen sicherlich fulminanten Blick von oben auf die tosenden Fans.

Zwischendurch erinnert Kowalewicz mahnend an den neuen US-Präsidenten Donald Trump – und macht deutlich, dass auch BILLY TALENT von dessen Wahlsieg nicht gerade begeistert sind. „Egal ob ihr hetero, schwul, bi, oder transsexuell seid, ihr seid bei uns immer willkommen“, sagt der Sänger – und erntet dafür euphorische Jubelstürme.

Bei den Songs steht sowohl vor als auch auf der Bühne kaum jemand still: Kowalewicz wirbelt immer wieder von einer Seite der Bühne zur anderen, Ian D’Sa und Jonathan Gallant toben auf den Seiten herum. Den ruhigen Pol bietet Schlagzeuger Jordan Hastings, der in diesem Jahr für BILLY-TALENT-Drummer Aaron Solowoniuk eingesprungen ist. Solowoniuk leidet seit mehr als 15 Jahren an Multipler Sklerose (MS). Seit Mitt 2015 hat sich die Krankheit wieder verschlimmert. Deshalb konnte er bei den Aufnahmen für das aktuelle Album „Afraid if Heights“ und auch bei dieser Tour nicht dabei sein. In Absprache mit seinen Bandkollegen hat der Alexisonfire-Drummer Jordan Hastings nun – zunächst vorübergehend – seinen Job übernommen.

Text und Fotos: Daniel Junker

 

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