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BLACKBERRIES – Greenwich Mean Time

31 Mai 2016 No Comment
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BLACKBERRIES aus Solingen legen dieser Tage ihr zweites Werk vor, ein Doppelalbum, deren erste LP/CD als „Greenwich Mean Time“ und derer zweiter Tonträger als „Greenwich Mean Time +1“ betitelt ist. Dahinter steckt natürlich eine Aussage, die sowohl die britischen als auch die deutschen Einflüsse heraus stellen soll. Mit ihrem noch klarer dem UK-Gitarrenpop huldigendem Debüt „Music For The Night“ von 2012 schafften sie es sogar in das Vorprogramm von Miles Kane. Der Nachfolger sollte jetzt der Entwicklung der Band Rechnung tragen und weitere Einflüsse, wie Psychedelic und Krautrock in die Songs einfließen lassen, die wieder zum größten Teil von Band-Mastermind Julian Müller geschrieben wurden, der auch für die überaus gelungene Produktion verantwortlich zeichnet.

Müller und seine Blackberries wissen, was sie wollen – und sie sind, was sie von vielen Bands unterscheidet, auch in der Lage diese Vorstellungen in ihren Songs, den Arrangements und der Produktion zu realisieren. Der Zufall will es, dass die Blackberries mit „Greenwich Mean Time“ nahezu zeitgleich mit zwei weiteren durchaus vergleichbaren deutschen Acts (die Rede ist von Okta Logue und von Oracles) ihr neues Werk präsentieren. Und beachtlich ist, dass sie klar als Punktsieger aus diesem Vergleich hervor gehen.

Die erste LP beginnt mit dem treibenden „Things Change“, das zunächst fast wie ein später Oasis-Track klingt und damit noch die Brücke zum Vorgänger schlägt, dann jedoch das Tempo verlangsamt und Harmonien ertönen lässt, die die Tür sehr viel weiter aufmachen. Das folgende „Kasbah“ erinnert an eine Mischung zwischen Kula Shaker und The Coral und schlägt sich gut in diesen Gefilden. Es wird aber noch besser. Das ausladende „Flowers Paint The Sky“ bringt eine faszinierende Verbindung aus groovendem, streckenweise an Krautrock erinnernden Beat, einem Beach Boys-Chorus und einer Kinks-Bridge. Eine gewagte Mischung und doch gelingt es formidabel. Mit „Mrs. Lavande“ gelingt ihnen dann ein Track, der genau so auch einem der beiden Alben der Last Shadow Puppets eine gute Figur abgeben würde.

Das abschließende „My Love Still Shines“ beginnt verhalten und steigert sich dann in einen inspirierten Jam, der ein wenig an die ausladenden Stücke erinnert, die Paul Weller gern live bringt. Auch hier gelingt es den Blackberries den Spannungsbogen und den Geschmacksfaden im grünen Bereich zu belassen und den Hörer auf eine stimmungsvolle Reise zu nehmen.

Ausladend geht es dann auch auf „Greenwich Mean Time +1“ mit „Tears“ weiter, das in ganz ähnliche Gefilde wie „My Love Still Shines“ eintaucht, im Verlaufe des Jams dann jedoch durchaus an  Momente erinnert, die Led Zeppelin live während „No Quarter“ gespielt haben. Hier hätte man allerdings ein wenig früher zu Potte kommen können – im Vergleich zu dem Abschlusstrack der ersten Platte fällt „Tears“ klar ab. Das folgende „The Road“ bleibt auch blass, dagegen kommt mit „The Ferris Wheel“ wieder Leben in die Bude – soundmäßig werden in dem Track schöne Referenzen an die Syd-Barret-Floyd gezogen. „The Copper Coast“ klingt dann mal wieder nach The Coral und gefällt ohne Abstriche. „Red Winged Blackbird“ hat dann mit seinem schnellen 6/8-Tackt und der Orgel was von den Doors, auch dies ein feiner, kurzer Song, der wunderbar auf den Punkt kommt. Überraschend folgt darauf mit „Look For Reasons“ ein im akustischen und trotzdem rhythmischen Gewand gehaltener Track, der auch überzeugen kann. Das finale „Rhabarbara“ ist dann sowohl vom Titel als auch vom Song her ein wenig albern und fügt der Platte nichts elementares hinzu, das sie zuvor noch nicht gehabt hat.

Blackberries gehen mit dem Release eines Doppelalbums als Zweitling natürlich ein Risiko ein und sicher hätte man durch das Weglassen des einen oder anderen Tracks noch eine höhere qualitative Dichte erreichen können. Nichtsdestotrotz hat diese Veröffentlichung auf zwei separaten Tonträgern natürlich ihren ganz eigenen Reiz und bietet dem Hörer durch die erzwungene Trennung auch ein anderes Hörerlebnis als wenn alles auf einer langen CD erschienen wäre. Für diesen Mut gebührt der Band Respekt, wie auch – unabhängig davon – für die tollen Songs und Sounds, die sie geschaffen haben.

Bewertung: 5 von 6
Band: blackberriesmusic.com
Label: unique-rec.com/

Tracklist (2 LP):

A1          Things Change
A2          Kasbah
A3          Flowers Paint The Sky
A4          Mrs. Lavande
A5          Slow Down

B1           Demons
B2           Sad Days
B3           My Love Still Shines

C1           Tears
C2           The Road
C3           Ferris Wheel

D1          The Copper Coast
D2          Red Winged Blackbird
D3          Look For Reasons
D4          Rhabarbara

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