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BOB DYLAN – Shadows in the night

19 Februar 2015 No Comment
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shadows

36 Studioalben sind eine unglaubliche Leistung, auch wenn nicht alle davon meisterhaft waren und auch wenn nicht alle auf Originalmaterial aufbauten. In den letzten 25 Jahren veröffentlichte er nun schon 4 Alben, die auf Songs basieren, die er nicht selbst verfasst hat. Während „Good as I been to you“ und „World gone wrong“ primär der Selbstfindung dienten und „Christmas from the heart“ vor allem ein großer Spaß war, ist „Shadows in the night“ nun ein durchaus ernstes Anliegen.

Eine Kollektion von Liedern, die vor allem verbindet, dass Frank Sinatra sie interpretiert hat. Und BOB DYLAN gibt sich dabei große Mühe den Liedern gerecht zu werden. So klar und bewusst hat man ihn lange nicht mehr singen hören – viele dachten gar, er könne nur noch knarzen und grummeln. Doch wer ihn die Jahre über live gesehen hat, wusste, dass es immer mal Momente gibt, wo er auf einmal Melodien ganz klar aussingt um im nächsten Moment wieder in den Vortragsstil zu verfallen, den man gern als Geknarze und Gegrummel bezeichnet. Ganz falsch liegt man mit dieser Einschätzung ja auch nicht, wobei aber auch angemerkt werden muss, dass es ihm dabei auch oft gelingt faszinierende Interpretationen seiner Stücke zu liefern.

Als Begleitband spielen größtenteils die Musiker seiner Tourband um Bläser ergänzt und des Schlagzeugs beraubt, nur vereinzelt, wie auf “ Why Try To Change Me Now“ oder “ Some Enchanted Evening “ findet ein dezenter Einsatz von perkussiven Elementen statt. Vor allem Donnie Herron setzt mit seiner Pedal-Steel-Gitarre die entscheidenden Akzente und bietet an vielen Stellen den musikalischen Gegenpart zu Dylans Stimme. Die Arrangements und das Spiel ist gediegen, die Produktion, die Dylan wieder unter seinem Moniker Jack Frost geführt hat, ist geschmackvoll.

Wie ist diese mit gut 35 Minuten doch recht kurze LP nun einzuschätzen? Die zentrale Frage, die sich stellt – mehr noch als bei den drei anderen oben genannten Alben, auf denen auch nur interpretiert – ist, ob man eine solche Sammlung von Songs von ihm wirklich braucht? Für sich genommen sind die Tracks stimmig interpretiert – auf einem Konzert kann man sich eine solche Sinatra-Nummer zwischen „Love sick“ und „Simple twist of fate“ als grandiose Abwechslung und echte Bereicherung vorstellen.

10 Songs dieser Art am Stück bilden zwar eine homogene Einheit, und dass Dylan schon immer großen Respekt vor Sinatra hatte (wie auch 1995 mit der starken Version von „Endless Farewell“ auf Sinatras 80sten Geburtstagsgala unter Beweis gestellt), war bekannt. Aber ob dieses Album nach dieser Phase, wo es neu herausgekommen ist, noch oft auf dem Plattenteller landen wird, ist eher fraglich. Da hat „Christmas from the heart“ es einfacher: Das muss einfach in der Weihnachtszeit abgespielt werden, allein schon für „Must be Santa“!

Trackliste:

01. I’m A Fool To Want You
02. The Night We Called It A Day
03. Stay With Me
04. Autumn Leaves
05. Why Try To Change Me Now
06. Some Enchanted Evening
07. Full Moon And Empty Arms
08. Where Are You
09. What’ll I Do
10. That Lucky Old Sun

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