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BOY – We Were Here

20 August 2015 No Comment
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we were here

BOY waren 2011 die große Pop-Überraschung, die mit ihrem Debüt-Album „Mutual Friends“ und der Single „Little Numbers“ nicht nur hierzulande in aller Munde waren, sondern auch in den USA Erfolge verzeichnen konnten. Sängerin VALESKA STEINER und die Multiinstrumentalistin SONJA GLASS trafen mit ihrem Projekt und ihren Songs einen Nerv, setzten sich wohltuend vom sonstigen Popbetrieb ab und schafften den Spagat zwischen Indie-Glaubwürdigkeit und Formatradio-Rotation.

Nun legen sie nach vier Jahren den Nachfolger „We were here“ vor und es zeigt sich, dass sie klug beraten waren, nicht sofort nach Ende der „Mutual friends“-Tour ins Studio zu gehen, um die Gunst des Moments zu nutzen. Auf „We were here“ zeigen sich BOY reifer und auch stärker als auf dem Debüt. Das schlägt sich insbesondere in der Produktion und den Arrangements nieder – der Sound ist dichter, aber nicht vollgepresst. Geschickt werden elektronische Sounds und perkussive Elemente so eingesetzt, dass sie dem Song dienen und ihn gleichzeitig noch zwingender klingen lassen.

Das Album beginnt mit dem Titeltrack, der bereits vorab als Appetithäppchen veröffentlicht wurde, gefolgt von dem starken „Fear“, das auch ein Kandidat für die Heavy-Rotation der Radiosender ist. „Hit my heart“ läßt noch am stärksten an das Debütalbum erinnern. Die Schweizerin VALESKA STEINER singt immer noch mit einem Dialekt, der ganz bestimmt nicht nach deutschem Sprachraum klingt, von dem man sich aber auch nicht so recht vorstellen kann, ob es im englischen Sprachraum tatsächlich einen Ort gibt, wo man so spricht. „Hotel“ resümiert über das Leben auf Tour und verdichtet akustische Gitarren und Synthiesounds auch wieder sehr geschmackvoll. Auf „New York“ gelingt ihnen das Kunststück einen Refrain, der ruhig wird, so geschickt einzufügen, dass man bei den Worten „and the truth is“ sofort aufhorcht. „Into the wild“ bildet dann von akustischen Gitarren getragen den stimmigen Abschluss – auch als letzten Song eines Livesets bietet sich die Nummer sehr an, ob sie das ähnlich sehen, werden wir auf der Tour im Herbst sehen.

Mit neun Songs und einer Spielzeit von knapp 35 Minuten ist das Album ungewohnt kurz, aber auch hier wurde eine richtige Entscheidung getroffen. Die enthaltenen neun Songs haben keinen einzigen Ausfall und der Wunsch, nach einem Durchlauf sofort wieder den nächsten zu starten, wird somit gefördert. BOY stellen mit „We were here“ unter Beweis, dass sie keine Eintagsfliege waren, sondern das Potential zu einer dauerhaften Bereicherung der intelligenten und trotzdem eingängigen Popmusik besitzen. Hoffen wir darauf, dass sie auch in der Zukunft so kluge Entscheidungen treffen und so feine Musik machen. Bis dahin haben wir erst einmal den perfekten Soundtrack für den Spätsommer!

Bewertung: 5 von 6
VÖ: 21.08.2015
Label: Groenland Records
Website: listentoboy.com

Tracklist:
01. We Were Here
02. Fear
03. Hit My Heart
04. Hotel
05. No Sleep For The Dreamer
06. Flames
07. New York
08. Rivers Or Oceans
09. Into The Wild

Jan Woelfer

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