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BRIAN JONESTOWN MASSACRE – 12.08.2018, Köln, Luxor

15 August 2018 No Comment
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Es scheint nicht leicht zu sein mit Anton Newcombe in einer Band zu spielen – Anton Newcombe zu sein, scheint allerdings auch kein ständiger Quell der Freude für den exzentrischen Frontmann und Alleinherrscher des BRIAN JONESTOWN MASSACREs dazustellen. Vor der aktuellen Europa Tournee ist jedenfalls fast die gesamte Band ausgetauscht worden oder hat sich aus dem Staub gemacht. Ein offizielles Statement gab es selbstverständlich nicht – immerhin durfte der anscheinend Krisenresistente Joel Gion weiterhin wacker Tamburin und Marracas von der für ihn reservierten Bühnenmitte aus schwingen, während Newcombe sich wie immer in seine Ecke verzog, um von da aus das Geschehen zu dominieren.

Im gut gefüllten Luxor war dann auch diese ganz eigene Spannung förmlich zu greifen, die herrscht, wenn man sich nicht sicher sein kann, ob man gleich ein grandioses Konzert erleben wird oder ob der Maestro einen Wutanfall nach dem nächsten bekommen wird. Oder beides. Natürlich hatte sich im Publikum auch der ein oder andere Provokateur versammelt, der durch beharrliche „Zugabe“-Rufe nach jedem Song sein bestes Gab, um Antons kurze Zündschnur in Brand zu setzen. Diese unbestellte Hilfe hätte es aber gar nicht nötig gehabt. Lord Anton schien das Publikum sowieso keinen Dreck zu interessieren. Statt auch nur der kleinsten Ansage hagelte es lieber Monitoranweisungen für den Mischer, Befehle an seine neuen Angestellten und saftige Schelte für die Gitarrentechniker, die ihm seine Zwölfsaiter nicht ausreichend gestimmt andrehen wollten.

Alles beim alten also? Nicht ganz – natürlich bleiben gewisse Ungenauigkeiten nicht aus, wenn mal eben fast das gesamte Personal wechselt, ohne dass ausreichend Zeit herrscht den Newbies auch zu erklären wie alles geht. So fehlten dann doch so einige Zwischentöne und musikalische Schmankerl, die für die sowieso schon eher subtile Musik wichtig sind. Anton hat sich ja noch nie wirklich um eingängiges und abwechslunsgreiches Songwriting geschert, sondern eher die kleinen Details für sich arbeiten lassen und von denen war in Köln leider nicht viel zu hören. Die Keyboards waren im Sound nicht existent und Subtilität war auch nicht gerade oben auf der Agenda. Dafür hatte die neue Truppe – insgesamt standen die meiste Zeit acht Leute auf der Bühne – eine feine Portion Energie mitgebracht, die den auf Platte oft etwas lethargischen Songs live eine hübsche Schippe Dringlichkeit verpassten.

Anton sang derweil routiniert, spielte ein paar hübsche Instrumentalpassagen und holte generell wie erwartet aus seiner Vox-Gitarre großartig-bissige Sounds raus, von denen viele Musiker, die ähnliche Gegenden beackern nur träumen können. Den ein oder anderen Song brach er dann auch standesgemäß ab, wenn ihm etwas nicht gefiel und sparte auch nicht mit Tadel etwa an dem für seinen Geschmack zu flott spielenden Schlagzeuger. Wie es die Keyboarderin und Teilzeitsängerin Moogy allerdings im Luxor geschafft hat seine Qualitätskontrolle unbeschadet zu überstehen, ist ein Rätsel. Mit wackligem Stimmchen und an dem meisten vorbei was schön ist, zitterte sich die Arme durch ihren ersten Song „Forgotten Graves“ und entführte das BRIAN JONESTOWN MASSACRE mal eben auf Schülerrock Niveau. Bei ihrem zweiten Song – Anemone – war es zugegebenermaßen nicht ganz so schlimm. Wenn man nach Antons wachsender Unzufriedenheit geht, schien auch fairerweise der Bühnensound alles andere als optimal, was die unterirdische „Gesangs“-Leistung zumindest zum Teil erklären könnte.

Die gut eineinhalb Stunden Konzert gingen jedenfalls vergleichsweise flott rum und Hits wie „Vad Hände Med Dem“ und „Pish“ sind auch live ein Vergnügen. Etwas mehr Variation und Subtilität hätten dem Set sicherlich gut getan, aber angesichts der mehr als ungünstigen Vorgeschichte, stellten Anton und Band doch eine credibile Show auf die Beine und solange Joel Gion das Tamburin so gekonnt bearbeitet wie nur er es kann, bleibt eben auch ein letzter Hauch von Band-Feeling bestehen. Zum Abschluss durften sich dann auch noch die beiden Roadies und der unsichtbare Keyboarder zusätzliche Gitarren umschnallen, sodass beim finalen Song ein Gewitter von sechs Gitarren auf die Zuhörer losbrach, bevor sich die Truppe wortlos von der Bühne schlich und sich natürlich nicht mehr für eine Zugabe begeistern ließen.

Foto: Suzan Köcher

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