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BULLET HEIGHT – No Atonement

29 April 2017 No Comment
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Zu neuen Ufern aufbrechen, ins Unbekannte streben und Wagnisse eingehen. Das hat Jon Courtney durch einen persönlichen Umzug von London nach Berlin getan. Mit dem geographischen Bruch läutete der junge Musiker auch einen künstlerischen Wandel ein. Seine Band PURE REASON REVOLUTION ist Geschichte. BULLET HEIGHT ein Neuanfang. Mit Sammi Doll im Duo, veröffentlicht die noch kleine Band jetzt ihr Debüt. Darauf zu hören: Weniger Neo-Prog, mehr Melodic-Industrial.

Doch so ganz konnte oder wollte sich Jon Courtney nicht ändern. Auch BULLET HEIGHT enthält noch sehr viel PURE REASON REVOLUTION. Dem eigenen Sound bleibt man am Ende treu. Weil es wirtschaftlicher ist und man so Stammfans begeistert oder weil man schlicht nicht anders kann. Letzteres dürfte auf Jon Courtney zutreffen, der als Frontmann von PRR der Band einst seinen Stempel aufdrückte.

Die fast schon elfenhaften Harmonien, Chöre und Duettgesänge des Vorgängerprojekts sind weiterhin omnipräsent. „Zart“ wäre zu abfällig, „Intellektuell“ zu herzlos. Magisch-schön und nach vier Songs leider auch unspektakulär, zaubert das Duo Courtney-Doll ein dichtes und vielschichtiges Klangbild aus ihren Stimmen. So zeigen die beiden, dass sie singen können. Variieren aber – wie auch schon bei PRR der Fall – nur kaum. So werden die Textzeilen zu neunzig Prozent gemeinsam gesungen. Gedoppelte Gesangsspuren noch und nöcher. Typisch für Progrockklassiker und in diesem Fall nahe am gemischtgeschlechtlichen Popidyll ABBA.

So gewinnen BULLET HEIGHT unter Industrial-Rockern wiederum ein Alleinstellungsmerkmal. Wo andere Genreverwandte eine Platte durchsägen und wüten würden, lieben die zwei Wahlberliner feine Melodien, deutliche Popstrukturen und den theatralischen Bombast a la QUEEN. So kann Industrial-Rock auch sein.
Die Kinder Trent Reznors stampfen halt nicht mehr heroingeschwängert auf die Keyboard-Knöpfe, sondern dichten sanfte Kompositionen auf harte Electronica. BULLET HEIGHT sind Sägezahn und Geballer. Aber eben in britischer Zurückhaltung.

Spaß macht die Platte dann, wenn sich die zehn Songs jeweils im letzten Viertel ihrer Spielzeit entfalten. Jeder Track scheint irgendwie seine Zeit zu brauchen. NINE INCH NAILS, LOSERS, DEPECHE MODE, PURE REASON REVOLUTION, MINISTRY werden zu Beginn zitiert und erst gegen Ende singen, pauken und schreien sich Courtney und Doll zum Höhepunkt ihrer individuellen Note. Dann freut man sich und mag noch einmal die kurzen Liedstellen erleben.

Fazit: BULLET HEIGHT haben sehr viel Potential und sind sympathisch in dem was sie tun. Originell kann man „No Atonement“ vielleicht nicht nennen. Zu sehr bewegt sich das Duo entlang bekannter Genregrößen und nicht zuletzt der eigenen Vergangenheit. Das kompakte Debüt macht trotzdem Spaß. Denn so eine junge Band muss sich immer erst finden. Hoffen wir, dass Jon Courtney und Sammi Doll „No Atonement“ als Beginn einer kreativen Reise verstehen und man in der Zukunft gemeinsam weitersucht. Neuanfänge sind immer auch ein Suchen.

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 19. Mai 2017
Label: Superball Music
Format: CD/ Vinyl/ Digital

Mehr Infos:
www.bulletheight.com

Tracklist „Alteration“:
01. Fight Song
02. Bastion
03. Hold Together
04. Wild Worlds
05. Intravenous
06. Cadence
07. No Atonement
08. Break Our Hearts Down
09. Fever
10. Up To The Neck

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