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COHEED AND CAMBRIA – 26.01.2016, Köln, Live Music Hall

29 Januar 2016 No Comment
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Coheed and Cambria, Köln, 2016

Musik von Nerds für Nerds, diese Gleichung ging nicht ganz auf beim Gastspiel von COHEED AND CAMBRIA in Köln, dazu war das Publikum dann doch zu gemischt. Wie auch die Eindrücke von COHEED AND CAMBRIA, die in Köln ihren alten Progrock gemeinsam mit ihrem neuen Poprock auf die Bühne brachten und es dabei irgendwie schafften, beide Welten miteinander zu vereinen.

Aus dem All auf die Erde, der Sturzflug den COHEED AND CAMBRIA mit ihrem aktuellen Album „The Color Before the Sun“ hingelegt haben, war gewaltig. Musikalisch ging es weit weg von Metal und Prog und auch inhaltlich tat sich einiges. Statt um Fantasiewelten und Comichelden ging es in den Songs auf einmal um ganz weltliche Dinge, wie beispielsweise eine Liebeserklärung von Sänger Claudio Sanchez an seine Frau. Dass die „From here to Mars“ heißt, geschenkt, mit der Platte „The Color Before the Sun“ sind die Progrock-Könige COHEED AND CAMBRIA auf der Erde angekommen und das sie auf dem Weg nicht verglüht sind, ist ihrer musikalischen Extraklasse geschuldet.

Selbst poppige Balladen wie die erwähnte Liebeserklärung oder radiotauglicher Alternativrock wie „Island“, mit dem sie ihren Auftritt in Köln eröffneten, klingen bei COHEED AND CAMBRIA irgendwie noch künstlerisch wertvoll und gekonnt – vor allem, wenn sie live vorgetragen werden. Das zeigte sich auch in der Live Music Hall, die gut gefüllt, aber bei weitem nicht ausverkauft war. Das ist schade für die Veranstalter, aber gut für die Gäste, denn wenn es zu voll wird dort, kippen Konzerte ja gerne mal in Richtung Ärgernis. So aber herrschten beste Voraussetzungen und man konnte sich ganz auf die Musik konzentrieren. Und die lohnte sich. Neben COHEED AND CAMBRIA gab es LANTLÔS, die von uns verpasst wurden, sowie AGENT FRESCO zu hören.

Letztere sind ein Support der Marke, nimmt man gerne mal mit, und es gab einige im Publikum, die vor allem wegen der Isländer gekommen waren. Sie wurden nicht enttäuscht. AGENT FRESCO  warfen den Klangteppich aus und gingen, immer wenn es zu esoterisch wurde, mit dem Knüppel auf die Leute los. Vor allem das Auftreten von Sänger Arnór Dan Arnarson und Bassist Vignir Rafn Hilmarsson war dabei auch optisch ein Spektakel, hinzu kommt der sympathische Eindruck, denn die Isländer hinterließen.

Die schienen ehrlich aufgeregt zu sein und bedankten sich überschwänglich beim Publikum sowie bei COHEED AND CAMBRIA, die wohl zu den Jugendhelden von Sänger Arnarson gehören, wie er betonte. Nun dürfe er mit ihnen nicht nur eine Bühne teilen, er habe sogar einen Schlagzeuger in der Band, der aussehe wie Claudio Sanchez, sagte er und sorgte für Heiterkeit. Großes Kino war das und selten waren der Waldorfschüler und der heimliche Metallfan in mir näher beieinander.

Zurück zu COHEED AND CAMBRIA: Die legten anschließend einen sauberen Auftritt hin und bewiesen ihre musikalische Klasse. Dabei überforderten sie ihr Publikum nicht mit allzu großen Veränderungen, sondern setzten vor allem auf ihre alten Stärken. So gab es von der neuen Platte nur vier Songs zu hören und ansonsten das bewährte Live-Set mit Songs wie „In Keeping Secrets of Silent Earth: 3“, „A Favor House Atlantic“, „No World for Tomorrow“ oder „Ten Speed (Of God’s Blood and Burial)“. Und enden konnte es dann natürlich nur auf eine Weise, mit „Welcome Home“. Kurzum: Es wird nicht mehr viele bessere Dienstagabende in diesem Jahr geben.

Mehr Infos:
www.coheedandcambria.com
www.agentfresco.is
www.facebook.com/lantlos

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