Home » Featured, Reviews, Tonträger

COURTNEY BARNETT & KURT VILE – Lotta Sea Lice

10 Dezember 2017 No Comment
Share

COURTNEY BARNETT & KURT VILE - Lotta Sea Lice

Der Slacker aus Pennsylvania und die neue australische Lo-Fi-Folk-Prinzessin Courtney Barnett geben sich auf dieser Platte ein Stelldichein und das Ganze klingt wie die logische Verbindung zwischen Neuzeit-Folk und Grunge.

Schon der erste Track und gleichzeitig die Vorabsingle „Over Everything“ lässt sich wie eine typische Kurt Vile Nummer an. Die Gitarren gängeln als hätte die E-Street Band ihr altes Feuer wieder und legen den Teppich für Viles scheinbar weltmüdes Organ, das „When I’m All Alone On My Own By My Lonesome“ mehr verschluckt als singt.

Charmant und versöhnlich setzt Courtney aufgeräumter und pointiert mit „When I’m By Myself And It’s Daytime Cuz Down-Under“ in der zweiten Strophe ihre Duftmarke. Ein gelungener Start in diese neun Tracks umfassende Indie-Kollaboration der Superlative, bei der sich als Backing Band die Creme de la Creme der neueren US-Alternativszene von Warpaint bis Sleater-Kinney im Studio die Klinke in die Hand gaben.

Mit „Let It Go“, „Outta The Woodwork“ und „On Script“ bewegen sich Courtney Barnetts Eigenkompositionen nicht allzu weit weg von Viles musikalischer DNA. Alle Stücke werden im Wechsel von den beiden Protagonisten gesungen und sind solider Roots Rock. „Fear Like A Forest“ von Jen Cloher geschrieben, stapft ungestüm und wütend wie Neil Young zu seinen besten „Crazy Horse“ Zeiten daher.

Mit „Continental Breakfast“ ist Vile wieder zu 100% bei sich. Das Stück klingt wie ein Hybrid aus allen bisherigen Vile-Solostücken seiner Schaffensphase. Zu entspanntem Fingerpicking besingen er und Courtney die Freuden „des kontinentalen Frühstücks mit interkontinentalen Freunden“. Sehr schön, besonders der Gesang von Courtney Barnett. Überlebende des Grunge-Booms der frühen Neunziger könnten sich sogar an das Indie-Traumpaar Evan Dando und Juliana Hatfield erinnert fühlen. „Blue Cheese“ ist ein schön verhallter Rock’n’Roll mit Folkanflügen, Mundharmonika sowie besten Grüßen an Lindsay Buckingham und Stevie Nicks.

Die Australierin interpretiert, im weiteren Verlauf der Platte, das wohl populärste Kurt Vile Stück „Peepin‘ Tom“ in einer hinreißend puristischen Art und Weise, nur mit der Gitarre im Anschlag ganz alleine. Ein Höhepunkt der Platte und Courtney Barnett zeigt, dass sie den Kollegen Kurt Vile bestens studiert hat. Sie nimmt dessen Manierismen fast spielerisch auf und verbindet sie mit ihrer eigenen Ausdruckskraft

Den Abschluss bildet ein Stück von Tanya Donelly (of Belly Fame). Schwermütig und im ruhigen Tempo begleitet uns „Untogether“ vorsichtig hinaus aus dieser sehr feinen Platte, die nach einigen Läufen einen ganz eigenen Charme und viel Wärme entwickelt. Keine schlechte Perspektive beim bevorstehenden Winter

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 13.10.2017
Label: Matador
Format: CD/LP/Download
www.courtneybarnettandkurtvile.com

Tracklist:
1. Over Everything
2. Let It Go
3. Fear Is Like a Forest
4. Outta the Woodwork
5. Continental Breakfast
6. On Script
7. Blue Cheese
8. Peepin’ Tom
9. Untogether

Share

Leave your response!

You must be logged in to post a comment.