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DAVID GILMOUR – Live At Pompeii

30 September 2017 No Comment
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Mit seinem aktuellen Album „Rattle That Lock“ im Gepäck ging David Gilmour 2015/16 auf eine Tour, die viele historisch bedeutsame Orte als Konzertlocation beinhaltete. Historisch bedeutsam ist das Amphitheater in Pompeii als weitgehend erhaltenes Bauwerk der Antike sowieso schon, eine spezielle Bedeutung hat dieser Ort in diesem Setting natürlich durch den legendären Auftritt von Pink Floyd im Jahre 1971, der durch den Konzertfilm von Adrian Maben für die Nachwelt festgehalten wurde und die Band am Ende ihrer experimentellen Phase zeigt. Mit dem „Meddle“- Opener „One Of These Days“ spielte Gilmour jetzt auch einen Song, der damals schon aufgeführt wurde. Eine weitere Nummer aus dieser Zeit findet sich ebenfalls im Set, die Rede ist von dem „Atom Heart Mother“-Track „Fat Old Sun“, alles andere stammt wie bei Gilmour gewöhnt aus den Jahren danach.

Vergleicht man die 45 Jahre auseinander liegenden Auftritte, so könnte der Kontrast kaum größer sein: Spielte die Band damals auf dem Boden der Arena ohne Publikum mit einem Equipment, das damals state-of-the-art war, aber heute nur noch musealen Wert hätte, fährt Gilmour jetzt das volle Programm auf, bezieht die Arena in die Lightshow mit ein und hat zudem ein Publikum – allerdings jeweils nur ca. 3.000 Personen, die das Glück hatten den beiden  Shows beizuwohnen. Immerhin waren seine Konzerte angeblich die ersten Veranstaltungen seit dem Vesuv-Ausbruch im Jahr 79, bei denen ein Publikum zugegen war.

Und weil es sich halt so anbot, beauftragte Gilmour Regisseur Gavin Elder damit das Event als Film zu dokumentieren und es ist wie erwartet ein tolles Dokument geworden, das sowohl in Bild als auch in Ton kaum Wünsche offen lässt. Das „Rattle That Lock“-Album wird mit sechs auf der „Live At Pompeii“ enthaltenen Tracks angemessen gewürdigt – warum er allerdings „The Girl In The Yellow Dress“, das auf beiden Konzerten in Pompeii gespielt wurde, nicht auf die Veröffentlichung genommen hat, bleibt ein Rätsel – vielleicht fand er die Version, die er mit Orchester in Warschau aufgenommen hat (und die auf der großen Box als Bonus enthalten ist) so viel besser.

Musikalisch gibt es wirklich wenig zu bemängeln. Natürlich macht es einen Unterschied, dass Chuck Leavell, sonst seit mehreren Dekaden als Einzähler und Keyboarder bei einer immer noch recht flotten Rhythm‘ & Blues-Kapelle namens The Rolling Stones tätig, die Tasten drückt und nicht Rick Wright wie auf der Tour zu Gilmours letztem Soloalbum „On An Island“. Aber die Qualität leidet darunter nicht, sie verschiebt sich lediglich. Interessanterweise klingt  ein Track wie „Sorrow“ von dem unausgegorenen ersten Pink Floyd-Album nach Waters Abgang hier stimmiger nach Floyd als damals, was aber auch an dem superben Gitarrensolo von Gilmour liegen mag.

Wenn man von Gitarrensoli des David G. spricht, denkt man natürlich an „Comfortably Numb“, das hier als letze Zugabe auch den Höhepunkt darstellt. Den Waters-Gesangspart übernimmt Leavell und das gar nicht mal schlecht. Diese Qualität durfte er bei den Stones bislang nicht zeigen. Wie auch immer: Das Schlusssolo ist hier lang, richtig lang, aber auch verdammt großartig. Und auch die anderen Soli sind alle fantastisch. Es ist schließlich immer noch Gilmour, der hier spielt und – auch das muss erwähnt werden – immer noch sehr gut bei Stimme ist.

Pink Floyd lebt (neben den unzähligen Tributeacts, die anscheinend immer noch hierzulande ihr Publikum finden) weiterhin auf Roger Waters‘ und Gilmours Soloshows verteilt weiter. Natürlich wäre es toll, wenn beide zusammen mit ihrem alten Drummer noch mal gemeinsame Sache machen würden, aber das ist ebenso wahrscheinlich wie eine Oasis-Reunion und so freuen wir uns an dem, was wir an beiden haben, an dem, was sie immer noch auf die Bühne bringen!

Bewertung:  6 von 6
VÖ: 29.09.2017
www.davidgilmour.com
Label: Columbia Records / Sony Music
Formate: 4xVinyl, 2xCD, 2xDVD, Blu-Ray, Blu-ray + CD Deluxe Edition Boxset (2 CDs und 2 Blu-rays) und Download.

DAVID GILMOUR „Live At Pompeii“ Tracklist:

  1. „5 A.M.“
  2. „Rattle That Lock“
  3. „Faces of Stone“
  4. „What Do You Want from Me
  5. „The Blue“
  6. „The Great Gig In the Sky“
  7. „A Boat Lies Waiting“
  8. „Wish You Were Here“
  9. „Money“
  10. „In Any Tongue“
  11. „High Hopes“
  12. „One of These Days“
  13. „Shine On You Crazy Diamond“
  14. „Fat Old Sun“
  15. „Coming Back to Life“
  16. „On an Island“
  17. „Today“
  18. „Sorrow“
  19. „Run Like Hell
  20. „Time“ / „Breathe (Reprise)“
  21. „Comfortably Numb“
  22. „Beauty“ (closing credits) (studio recording)
  • Pompeii Then and Now documentary.
Jan Woelfer
Jan Woelfer

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