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DER MARSIANER – RETTET MARC WATNEY

7 Oktober 2015 No Comment
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© 20th Century Fox

Kartoffeln anpflanzen, Auto reparieren, nach Hause telefonieren oder einfach genügend Luft zum Atmen haben – Dies wäre alles kein Problem für Mark Watney (Matt Damon), wenn er nicht zufällig ganz allein auf dem Mars festsitzen würde. Nach einem gefährlichen Sandsturm hält ihn sein Team bestehend aus Commander Melissa Lewis (Jessica Chastain), Rick Martinez (Michael Pena), Beth Johanssen (Kate Mara) und Chris Beck (Sebastian Stan) für tot und lässt ihn auf dem roten Planeten zurück.

Folglich muss sich Watney den oben genannten Herausforderungen stellen und dafür nicht etwa Superkräfte, sondern gute, alte menschliche Gehirnkapazität einsetzen. Denn er ist nicht nur Ingenieur, sondern praktischerweise auch Botaniker. Trotzdem hält die desolate Landschaft des fremden und einsamen Planeten noch einige böse Überraschungen für ihn bereit.

Intelligente Menschen, die intelligente Dinge tun – Dies sollte eigentlich kein neues Konzept für einen Hollywood- oder ganz allgemein für einen Kinofilm sein, wirkt aber nach einer augenscheinlich langwierigen Abwesenheit solcher Charaktere umso erfrischender (ironischerweise war es ausgerechnet „Prometheus“, einer von Scotts letzten Filmen, in dem verschiedenste Wissenschaftler absolut unwissenschaftliche und dumme Dinge anstellten). „Der Marsianer“ ist bevölkert von cleveren Figuren, die nicht arrogant, hinterhältig oder überheblich wirken, sondern so charmant, dass man sich als Schüler das nächste Chemie-, Biologie oder Physikbuch schnappen möchte oder als Erwachsener wünscht, man hätte als Schüler öfters seine Nase in eben diese Bücher gesteckt.

Matt Damon allein auf dem Mars

Allein gelassen und auf Überlebensmission: Mark Watney (Matt Damon) © 20th Century Fox

Basierend auf den gleichnamigen Roman vom ehemaligen Softwareentwickler Andy Weir, ist das Abenteuer ein ungewöhnliches Projekt für den Regie-Veteranen Ridley Scott. Seine Filme, insbesondere die im Science Fiction-Genre angesiedelten, sind nicht unbedingt dafür bekannt, dass sie gute Laune verbreiten oder dass man mit einer wohligen, positiven Attitüde aus dem Kinosaal geht. In seiner neuesten Arbeit wollen aber keine säurespuckende Aliens oder gemeingefährliche Replikanten bekämpft werden, vielmehr finden Menschen für ein höheres Ziel zusammen.

Primär geht es allerdings um das Überleben von Mark Watney.  Methodisch geht er vor, um ein Problem nach dem anderen zu lösen und so lange durchzuhalten, bis in ferner Zukunft die Rettung naht (und niemand kann das langsame Voranschreiten im Weltall so gut inszenieren wie Ridley Scott). Dies könnte zunächst als Plot etwas trocken klingen, aber spätestens seit Daniel Defoes „Robinson Crusoe“, und dessen Nachfolgerschaft in Form verschiedenster Robinsonaden, sollte eigentlich klar sein, dass das Abarbeiten von Problemen und Listen, wenn es ansprechend und mitreißend inszeniert wird, ebenso viel Spaß und Unterhaltung mit sich bringt wie große und laute Explosionen, wenn nicht sogar noch mehr.

Astronaut und Gärtner Matt Damon

Allein mithilfe von Physik, Chemie, Biologie, Mathe und Botanik überlebt Mark auf dem © 20th Century Fox

Im vorliegenden Fall ist das zum einem der formidablen Besetzung zu verdanken, die Scott zusammengetragen hat: Angefangen mit Matt Damon, der Charme und Sinn für Humor in sich vereint. Eigenschaften, die umso wichtiger sind, wenn man quasi eine One-Man-Show auf dem Mars abliefern muss, so dass selbst die ständigen Erklärungen seiner Handlungsschritte für sein Video-Tagebuch (aber wirklich für das Publikum) charismatisch wirken. „Smart“ kauft man Damon sofort ab. Zusätzlich verleiht er der Geschichte Emotionalität, welche die Romanvorlage leider völlig vermissen lässt. Wahre Verzweiflung in seiner einsamen und verfahrenen Situation lässt sich Watney allerdings auch in dieser Adaption nicht anmerken. Dies schadet dem Unterhaltungswert des Films keineswegs, dennoch würde es helfen, dem Charakter Mark Watney sowohl mehr Dimension als auch mehr Menschlichkeit zu verleihen und dementsprechend greifbarer zu machen.

Damon bleibt das Zentrum des Films, dennoch wird seinem gnadenlosen, immer nach vorne stürmenden Optimismus eine ebenso starke Nebenbesetzung zur Unterstützung zur Verfügung gestellt. Die Crew des Raumschiffes Hermes muss sich mit den eigenen Gewissenskonflikten rumschlagen, weil sie Watney auf dem Mars zurückgelassen haben, und die Entscheidung treffen, ob sie ihr eigenes Leben riskieren, um ihn zu retten. Auf der heimischen Erde koordinieren NASA-Direktor Teddy Sanders (Jeff Daniels), Direktor der Mars Missionen Dr. Vincent Kapoor (Chiwetel Ejiofor), Chef-Ingenieur Bruce Ng (Benedict Wong) und PR-Chefin Annie Montrose (Kirsten Wiig) die Rettungsaktion, schlagen sich gleichzeitig mit der Presse rum und müssen selbst entscheiden, wie weit sie wiederum bereit sind zu gehen, um das Leben eines einzelnen Mannes zu retten.

Vollständige Mars Crew

Die noch vollständige Hermes-Crew (v. l. n. r.: Matt Damon, Jessica Chastain, Sebastian Stan, Kate Mara, Aksel Hennie) © 20th Century Fox

Diese Konflikte sind weniger dramatisch, als sie sich anhören, was einerseits dem Film etwas an Spannung nimmt, andererseits kann man glücklich sein, dass Drehbuchautor Drew Goddard („Cloverfield“, „Cabin in the Woods“) diese Dramatik nicht künstlich hochkocht, sondern sich ganz auf den Ausgangsplots verlässt. In einer so facettenreichen und vielfältigen Besetzung, in der jedes Individuum seine Zeit auf der Leinwand beansprucht, bleibt ironischerweise Individualität etwas auf der Strecke. Es fällt schwer diese Figuren, neben ihrem eisernen Willen, Watney zu retten, genau zu definieren.

All das führt Ridley Scott auf übliche solide Art und Weise zusammen. Offensichtlich fühlt er sich im All mittlerweile so wohl, dass er sich ab und zu sogar einen lockeren Spaß während dieser Sternenreise gönnt. Drehbuchautor Goddard filtert die wichtigsten Handlungselemente aus dem Bestseller heraus und bastelt daraus ein schlankes und stringentes Drehbuch, das sogar aus dem gelegentlich etwas erzwungenen Sinn für Humor von Andy Weir die ein oder andere spaßige Monolog- und Dialogzeile zaubert.

Einsam und verlassen

Aufgeben oder weiter machen? Mark Watney (Matt Damon) denkt über seine missliche Lage nach © 20th Century Fox

Der mit 3D-Kameras gedrehte Science Fiction-Film könnte sogar Skeptikern die 3D-Technologie schmackhaft machen: Die Panorama-Bilder der Marsoberfläche, die Kameramann Dariusz Wolski einfängt, bestechen durch eine kristallklare Tiefe, Sandpartikel scheinen in den Kinosaal zu fliegen und insbesondere wenn Watney in seinem Raumanzug steckt und der Zuschauer seine Perspektive einnimmt, sind die Digitalanzeigen seines Helmes fast greifbar. Es handelt sich dabei zwar um augenscheinliche Kleinigkeiten, welche die Erfahrung zur Abwechslung jedoch erweitern.

„Der Marsianer“ plädiert für Wissenschaftsstreben, Fortschritt und Zusammenhalt, und zwar auf eine schlüssigere und unterhaltsamere Art und Weise, als es Filme wie „A World Beyond“ in diesem Jahr schon versucht haben. Sogar Szenen, in denen NASA die chinesische Raumfahrtbehörde in den Rettungsplan involviert, wirken organisch in den Plot eingeflochten und nicht wie ein erzwungener Marketing-Stunt für das chinesische Kinopublikum, wie es andere Hollywood-Produktionen mittlerweile zur Regel machen (zumal dieser Subplot auch auch in der Romanvorlage existiert).

Sehr schnell könnte sich bei dem ein oder anderen Zuschauer der zynische Instinkt und Abwehrmechanismus einstellen, dieses durchweg positive Zusammenkommen als sentimentales Rührstück abzutun, dennoch verdient sich der Film seinen Optimismus immer wieder.

DER MARSIANER – RETTET MARK WATNEY

Bewertung: 5 von 6
Starttermin: 08.10.2015
Darsteller: Matt Damon, Jessica Chastain, Kristen Wiig, Jeff Daniels, Michael Pena, Sean Bean, Kate Mara, Sebastian Stan, Aksel Hennie, Chiwetel Ejiofor, Mackenzie Davis, Donald Glover
Regie: Ridley Scott
Kamera: Dariusz Wolski
Drehbuch: Drew Goddard
basierend auf einem Roman von Andy Weir
Musik: Harry Gregson-Williams
Produktion: Mark Huffam, Simon Kinberg, Michael Schaefer, Ridley Scott, Aditya Sood

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