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DHANI HARRISON – „In/Parallel“

15 Oktober 2017 No Comment
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Es hat es selbst jüngst wieder aufgebracht: Er wird immer der Sohn von George bleiben und sich nie von seinem Vater frei machen können. Muss er auch gar nicht, es passt ja. Irgendwie scheint es doch nicht so abwegig, dass es der Sohn von George ist, der als einziger der Beatles Sänger und Songwriter-Kinder, bislang eine überzeugende musikalische Karriere hinlegte. Die andere Ausnahme ist Zak Starkey, aber der trommelt ja nur, wenn auch großartig. Ob mit Fistful Of Mercy, Thenewno2 oder selbst im Rahmen von Tribute-Veranstaltungen für seinen Vater – er ist der mit Abstand spannendste Spross aus der Fab-Four-Family.

Jetzt kommt er mit seinem ersten echten Soloalbum, für das er als Produzent und auch als fast alleiniger Instrumentalist und Sänger verantwortlich zeigt. Und es ist ein elektronisches Album, das von den Sounds und der Produktion her erst gar nicht versucht bei Beatles-Fans zu punkten. Okay, mancher mag hier anführen, dass George Anno ’69 auf seinem zweiten Soloalbum „Electronic Sound“ ja quasi auch zum Pionier der elektronischen Musik wurde, aber während George damals auf jede LP-Seite eine öde Aneinanderreihung von instrumentalen Gimmicks mit einem Moog packte, hat Dhani Songs am Start und er hat sich daran gemacht diese mit elektronischen Sounds, aber auch mit Gitarren und Streichern, die Davide Rossi arrangiert und beisteuert, umzusetzen.

Bereits der Opener „Never Know“ zeigt die Faszination dieser Platte: Über Sounds, die man sonst nie mit einem Beatle zusammen gebracht hätte, erklingt Dhanis Stimme und sie ähnelt seinem Vater so sehr in Klang und Intonation, auch die Melodie, die er singt, ist sowas von Harrison. Spätestens bei Song Nummer Drei „Úlfur Resurrection“ bricht jedoch die Assoziation an seinen Vater und es ist Dhani, den man hört und wahrnimmt. Und er überzeugt wieder einmal. „Summertime Police“ ist dann gar von schweren Gitarrenriffs getragen, aber trotzdem in ein elektronisches Klangkonzept eingebunden. „The Light Under The Door“ klingt dann wieder streckenweise nach seinem Vater, aber hat trotzdem eine überzeugende Eigenständigkeit. Der finale Song „Admiral Of The Upside Down“ bringt dann doch noch mal ein Soundgewand, das auch traditionelle Beatles-Fans ansprechen dürfte und auch (laut Linernotes von Dhani allein eingesungende) Chorpassagen enthält, die gar an „Sun King“ erinnern.

Dhani Harrison hätte auch eine von Jeff Lynne produzierte Platte, auf der die Heartbreakers spielen und bei einer Nummer Sean (oder gar Julian) Lennon, James McCartney und Zak Starkey mit von der Partie sind, machen können. Das hätte ihm wahrscheinlich einen Millionenseller mit maximalem Promotionpotential beschert. Vielleicht macht er just for fun diese Platte auch noch. Aber erstmal ist er einen anderen Weg gegangen und hat dabei ein sehr spannendes und gutes Album geschaffen, das seinen Status als begabtester Beatles-Spross untermauert.

Bewertung: 5 von 6

VÖ: 13.10.2017

http://dhaniharrison.com/

Tracklist:
1. Never Know
2. #WarOnFalse
3. Úlfur Resurrection
4. Dowtown Tigers
5. London Water (feat. Mereki)
6. Summertime Police
7. Poseidon (feat. Mereki)
8. The Light Under The Door
9. All About Waiting (feat. Camila Grey)
10. Admiral of Upside Down

 

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