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DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY: PART 2

16 November 2015 No Comment
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© Studiocanal

Es ist vollbracht: Der letzte Teil der ersten postapokalyptischen Teenie-Drama-Reihe, die quasi alles andere losgetreten hat (und der noch „Divergent“- und „Maze Runner“- Fortsetzungen folgen werden) findet ihr lang erwartetes Ende. Mit einem Gähnen schleppen sich Regisseur Francis Lawrence und seine mittlerweile zu Stars herangewachsenen jungen Hauptdarsteller in die Zielgerade. Wie sich schon in der letzten Episode, „Mockingjay: Teil 1“, andeutete, raubt die Streckung der letzten Romanvorlage auf zwei Filme der Young Adult-Reihe an Fahrt und Momentum.

Scheinbar reichte dies den Produzenten aber noch nicht aus, um den letzten Tropfen Milch aus dieser sowieso schon müden Kuh herauszupressen. Und so werden die letzten beiden Filme nochmal schnell und vollkommen unnötig ins 3D-Format konvertiert, um den schon in der Schlange stehendenden Fans noch ein bisschen tiefer in die Tasche zu greifen. Nun gut, die Aufregung wird nicht viel bringen. Die Fans werden es bezahlen. Denn jeder, ob Bücher gelesen oder nicht, wünscht sich einen zufriedenstellenden Abschluss der Geschichte. Diesen bietet allerdings auch „Mockingjay: Teil 2“ nicht.

Wenig überraschend setzt der Plot dort an, wo „Mockingjay: Teil 1“ aufgehört hat: Der einstige Mitstreiter und nun gehirngewaschene Bäckerjunge Peeta Mellark (Josh Hutcherson) versuchte gerade noch, Revolutions-Symbolfigur Katniss Everdeen (Jennifer Lawrence) zu erwürgen. Katniss konnte mit knapper Not gerettet werden, kurz bevor die Lichter ausgingen. Nun muss sie schon für die nächsten Propaganda-Videos ihre ramponierten Stimmbänder neu trainieren, welche die politischen Strippenzieher und medialen Propaganda-Genies Plutarch Heavensbee (Philip Seymour Hoffman) und President Alma Coin (Julianne Moore) für sie konzipiert haben.

Die sich in den Hungerspielen einstigen gegenüberstehenden Distrikte haben sich nun weitestgehend zusammengerauft. Bevor die Rebellen das Kapitol jedoch endgültig stürmen können, müssen sie zunächst noch Distrikt 2 dem Erdboden gleichmachen. Eine Art dramaturgischer Schluckauf vor der Hauptmahlzeit, vor dem noch in zähen Endlos-Dialogen Kriegstaktiken und die Funktionen futuristischer Gadgets diskutiert werden. Auch die Moral der Geschichte darf nicht außer Acht gelassen werden. Diese tragen Hauptcharaktere Katniss und Game Hawthorne (Liam Hemsworth) auf ihren Zungen.

Wie weit darf man in Kriegs- und Revolutionstagen gehen? Darf man Zivilisten, die den Feind unterstützen auf dem Siegesaltar opfern? Was unterscheidet die Revolutionäre, die immer mehr Macht an sich reißen letztendlich von den Tyrannen, die sie zu stürzen versuchen? Große Fragen, die auch für ein junges Publikum zeitlos und interessant sind. In „Mockingjay: Teil 2“ spulen die Hauptdarsteller diese Diskussionen in Dialogen herunter, die keinerlei Leben in sich tragen.

Nach weiteren, langen taktischen Besprechungen, mit noch mehr technischen Spielereien, die erklärt und Hologrammkarten, die gezeigt werden müssen, geht es dann endlich darum, die Hauptstadt zu erobern und President Snow (Donald Sutherland) unsanft aus seinem Amt zu entfernen. Mit von der Partie sind unter anderem Finnick Oldair (Sam Claflin), Boggs (Mahershala Ali), Cressida (Natalie Dormer), Pollux (Elden Henson) u.v.m. Namen, die für Buchleser von Bedeutung, für alle anderen jedoch austauschbare hübsche Gesichter sind.

Zusammen hüpfen und kämpfen sie sich mal mehr und mal weniger erfolgreich durch diverse Selbstschussanlagen und noch allerlei andere fiese Fallen und Mutanten, die President Snow (Donald Sutherland) und seine Spielmacher aus den Hungerspielen herübergerettet haben. Drehbuchautoren Peter Craig und Danny Strong unterbrechen diese immerhin unterhaltsam inszenierten Jump and Run – Actionsequenzen mit langatmigen Dialogszenen, in denen die Protagonisten alte Liebesreigen diskutieren, die Ereignisse der ersten drei Episoden in schläfrigen „Erinnerst du dich noch, als wir dies und jenes getan haben…?“ und „Weißt du noch, als du dies und das zu mir gesagt hast…?“ – Dialogen rekapitulieren und sogar ihre Lieblingsfarben austauschen (Kein Witz!).

Zwischendurch wirft man sich noch bedeutungsschwangere Blicke zu. Mal darf Jennifer Lawrence den konturlosen Waschbrettbauch-Traumtyp Nummer 1 (Liam Hemsworth) und dann wieder den konturlosen Milchbubbi-Traumtyp Nummer 2 (Josh Hutcherson) küssen. Währenddessen versucht sie selbst ihre Fassung zu bewahren. Unter der jungen Darsteller-Riege füllt sie ihre Figur mit wesentlich mehr Leben als ihre jungen Kollegen.

Die ältere Garde zieht sich immer mehr in den Hintergrund zurück: Es fällt langsam auf, dass Philip Seymour Hoffman nicht mehr zur Verfügung stand; Woody Harrelson ist auch mit seinen zwei bis drei Dialogzeilen noch eine angenehm-lakonische Präsenz; Stanley Tucci darf nur noch als Propaganda-Marionette für die ein oder andere Pressesendung des Kapitols herhalten und Julianne Moore bleibt nicht nur wegen ihrer bleichen Haut- und Haarfarbe blass.

Einzig und allein Donald Sutherland scheint weiterhin Spaß an seiner Rolle des despotischen Panem-Präsidenten zu haben. Insbesondere in Szenen, in denen er mit seinen Handlangern und Generälen an der bösen Tafelrunde sitzt und mit einem diabolischen Grinsen seine fiesen Pläne ausbreitet und enttäuschende Helfershelfer vergiftet, ist es schwer, nicht an Mr. Burns von den „Simpsons“ zu denken. Sutherland wirkt im besten Sinne wie ein Zeichentrick-Bösewicht, der sich in einen Film verirrt hat, der sich bitter ernst nimmt und so gerne ernst genommen werden möchte.

Angefangen beim Cast über die zähen Dialoge bis hin zur letzten Action-Sequenz wirkt in „Mocking Jay: Teil 2“ alles ermüdet. Gerade hier hätte Regisseur Francis Lawrence noch einmal punkten können, indem er dem in der Romanvorlage langen, mitreißenden und niederschmetternden Gang zu Snows Wohnsitz eine entsprechende Leinwandadaption gibt. Ausgerechnet diese wirkt jedoch nach dem langen Vorgeplänkel seltsam zusammengestaucht und uninspiriert inszeniert.

„Die Tribute von Panem: Mockingjay: Teil 2“ ist ein gähnender zweiter Teil eines aus Geldgier zu lang gestreckten Finales. Das Drehbuch von Danny Strong und Peter Craig verliert sich in Endloswiederholungen aus Actionsequenzen und redundanten Dialogszenen, in denen Charaktere ihr Innenleben nach außen kehren und die Themen und politischen Metaphern für den Zuschauer auf einem Silbertablett servieren, aus Angst, dass dieser es nicht von selbst aus dem Geschehen herausfiltern kann. Die Regie bleibt solide, aber phantasielos.

DIE TRIBUTE VON PANEM – MOCKINGJAY: PART 2

Bewertung: 3 von 6
Starttermin: 19.11.2015
Darsteller: Jennifer Lawrence, Josh Hutcherson, Liam Hemsworth, Woody Harrelson, Donald Sutherland, Philip Seymour Hoffman, Julianne Moore, Sam Clafflin, Mahershala Ali, Jena Malone Jeffrey Wright, Paula Malcomson, Stanley Tucci, Natalie Dormer
Regie: Francis Lawrence
Kamera: Jo Willems
Drehbuch: Danny Strong, Peter Craig
basierend auf einem Roman von: Suzanne Collins
Musik: James Newton Howard
Produktion: Nina Jacobson, Jon Kilik
Ausführende Produktion: Suzanne Collins, Jan Foster

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