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DILLON – 28.10.2016, Robert-Schumann-Saal, Düsseldorf

31 Oktober 2016 No Comment
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Meteorologisch kann kein stimmigeres Wetter für einen Konzertbesuch von DILLON herrschen. Am Freitagabend, um halb elf, ist es nebelig-feucht vor dem Robert-Schumann Saal in Düsseldorf und olfaktorische Vergänglichkeit liegt in der Luft. Müsste man der Sängerin eine Jahreszeit zuschreiben, so würde man sich bei DILLON, aka Dominique Dillon de Byington wahrscheinlich für den Herbst entscheiden. Bis auf wenige Ausnahmen verweigert sie sich auch diesen Abend wieder der Direkteinstrahlung des hellen Rampenlichts und verbleibt durch die Indirektheit der Installation silhouettenhaft, fast transparent, auf der Bühne.

Und wenn das Publikum die gebürtige Brasilianerin und Wahlberlinerin für wenige Momente im intermittierend gedimmten Schein honiggelben Lichts erblicken kann, mag man in ihrer Mimik und dem zurückhaltenden Gestus vermuten, dass die Scheu vor dem Offensichtlichen Authentizität birgt. Statt ihrer, wird dem Chor, den sie heute mit auf der Bühne präsentiert von der Lichttechnik mehr Aufmerksamkeit verliehen. Dieser fügt sich erstaunlich gut in die bekannten Arrangements ein und setzt entweder klare Gegensätze oder wirkt als Katalysator für die jeweils vorherrschende -in Dillons Fall zumeist melancholische – Stimmung.

Lediglich bei ihrem Song „Tip Tapping“ setzt sie sich leichtfüßig in Bewegung und ihrer Darbietung mutet plötzlich etwas kindlich-unbeschwertes an, während der Kammerchor, der ausschließlich weiblich besetzt ist, erstmalig auch Lyrics vorträgt und das Publikum in einen Kanon einbezogen wird. Sowohl in ihrer Stimme, als auch der Instrumentierung, bestimmen die Brüche und die Kontrapunkte das Gesamtbild. Die dadurch entstehende Inständigkeit wurde vom Publikum mehr als wohlwollend aufgenommen und uferte schließlich in absolut verdiente stehende Ovationen.

Bei ihrer Zugabe stellt sie einen noch namenlosen neuen Song vor und zum Schluss lässt es sich das Publikum abermals nicht nehmen, aufzustehen, ihr zuzujubeln und laut zu applaudieren. Der sprichwörtliche Vorhang fällt und die Jahreszeit fühlt sich um einen großen Teil genuiner und vollständiger an.

Fotos: Andreas Heller
Text: M. Ruhrberg

 

 

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