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Electri_city II – Elektronische Musik aus Düsseldorf

19 Mai 2016 No Comment
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»La Düsseldorf«, Eröffnungsstück des zweiten Electri_city-Samplers, beginnt mit einer Aufnahme jubelnder Fußballfans, vielleicht gar aus dem Fortuna-Stadion. Die gesampelten Jubelchöre wirken dabei wie der euphorische Nachhall jener Begeisterung, mit der Hörer wie Kritiker den ersten Electri_city-Sampler bis weit über die Grenzen der Republik hinaus aufnahmen. Gleichzeitig gibt er Vorschusslorbeeren – und das vollkommen zu Recht: Electri_city II ist ab dem ersten Moment eine intelligente und feinsinnige Achterbahnfahrt durch eines der essentiellen Kapitel der neueren deutschen Musikgeschichte. Dann taucht Klaus Dinger mit seiner programmatischen NEU!-Nachfolgeband La Düsseldorf auch schon in jenen Motorik-Beat ab, der zur Signatur eines vielschichtigen Genres werden sollte – und wir sind mittendrin in den musikalischen Innovationen jener Zeit.

Protegierte die erste Compilation Rudi Eschs parallel erschienene, gleichnamige oral history, die im Suhrkamp-Verlag schon kurz nach der Veröffentlichung vergriffen war und mittlerweile mehrere Neuauflagen erfahren hat, begleitet Electri_city II nun die englische Übersetzung des Buches. Auch diese Entwicklung zeigt: das Interesse, das dem Düsseldorfer Klang aus den 1970er- und 1980er Jahren entgegengebracht wird, ist groß – und das Werk der damaligen Pioniere so umfangreich, dass es immer wieder neue Entdeckungen zulässt. Oder um es mit La Düsseldorf zu sagen: »Guck mal / Guck doch mal!« Es lohnt sich.

Electri_city II ist dabei als Fortsetzung einer Reihe zu verstehen. Die gut einstündige Zusammenstellung von bekannten wie gänzlich vergessenen Stücken differenziert weiter aus, wie unterschiedlich der in Düsseldorf entstandene Sound sein konnte – und was ihn dabei einte: Die neuen Instrumente – Minimoog, Arp Odyssey, Roland System 100 und MC-4, der legendäre Korg MS-20 oder die Roland TR-808 – ließen die Musiker zwischen Punk und klassischer Ausbildung, die sich auch räumlich zwischen Kunstakademie, Ratinger Hof und dem Studio für elektronische Musik (Köln) bewegten, einen völlig neuen Hybriden entwickeln. In der synthetisch-organischen Musik der elektronischen Szene traf Virtuosentum auf Dilettantismus, in den Proberäumen der Rhein-Ruhr-Metropole hieß es: ausprobieren! Manchmal, so meint man beim Hören, probierten auch die Maschinen die Menschen aus, die hinter den Knöpfen, Tasten und Schaltern saßen.

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