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ERDMÖBEL – Geschenk

5 Dezember 2014 No Comment
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geschenk

Weihnachten als Phantasiereise

Neben all den guten Traditionen zur Adventszeit gibt es auch eine, die von den in Köln ansässigen Westphalen der Gruppe ERDMÖBEL gepflegt wird: Wenn die Tage kürzer, die Temperaturen einstellig und die Schaufenster von Rot, Gold und Grün dominiert werden, versüßen uns Markus Berges, Ekki Maas, Christian Wübben und Wolfgang Proppe die Zeit mit einem speziell für den Advent produzierten Lied. Mit „Weihnachten“, der deutschen Fassung von Whams „Last Christmas“ ging das vor vielen Jahren los und all die Perlen, die sie vor die sauglückliche Anhängerschar warfen, sind jetzt vereint auf einem Album, das „Geschenk“ heißt.

Drei neue Songs sind auch dabei, darunter die gefühlte Single „Goldener Stern“, die auch sein sehr schönes Video bekommen hat und in typischer ERDMÖBEL-Manier Wortspielereien, die weihnachtliche Phantasiereisen ermöglichen, mit den bewährten Arrangements aus dem Hause ekimas verbindet. Das Schöne an der Platte ist, dass das Thema Weihnachten hier positiv transportiert ist, es wird nicht die so naheliegende Konsumkritik oder gern angeführte Doppelgesichtigkeit der Gesellschaft thematisiert, wobei – und das ist ja die Kunst von Berges‘ Texten – manche genau dies aus den Zeilen herauslesen werden. Die Texte von ERDMÖBEL sind seit jeher ein Angebot zur Reflexion, zur Projektion und wenn man sich diese Mühe aber nicht machen will, kann man sich auch einfach an den Worten laben, die einen ganz eigenen Charme, einen stimmigen Kontext zur Musik, oft auch zum Rhythmus der Lieder haben, der keinen Sinn ergeben muss. „It ain’t why, it just is“ sang mal Van Morrison mantra-artig vor langer Zeit in „Summertime in England“ und genauso kann man sich den Texten dieser Band nähern und los lassen um den Assoziationen freien Lauf zu lassen.

Herrlich ist auch „Muss der heil’ge Nikolaus sein“ – die Verbeugung vor Bob Dylans Version von „Must be Santa“, das der Altmeister auf seinem Weihnachtsalbum „Christmas from the heart“ vor 5 Jahren veröffentlichte. Um das Album voll zu bekommen, hat man auch bereits veröffentlichte Albumtracks wie das grandiose „Ich wollte es ginge immer bergab“, das eine Schlittenfahrt beschreibt, auf das Album genommen. Auch „Erster Erster“ von dem Album „Krokus“, das den Jahreswechsel thematisiert, wurde großzügig mit eingemeindet und so wurden es doch 12 Songs, die erstaunlicherweise im Flow des Albums sehr homogen klingen, obwohl sie als Entstehungsspanne einen Zeitraum von 8 Jahren vereinen. Vielleicht zeigt sich darin auch, dass die Band in diesen letzten Jahren – anders als in den Jahren davor – nicht mehr so stark verändert hat, was die musikalische Identität betrifft. Aber vielleicht überraschen uns ERDMÖBEL mit dem nächsten Album ja mal wieder mit einem anderen Sound, die Vorfreude ist doch die schönste Freude.

5 von 6

http://erdmoebel.de

 

Tracklist:

01. Goldener Stern
02. Fräulein Frost
03. Weihnachten in Tamariu
04. Ding ding dong (Jesus weint schon)
05. Rakete zwischen den Jahren
06. Russisch Brot (Weihnachtsversion)
07. Lametta (mit Maren Eggert)
08. Ich wollte, die Welt ginge immer bergab (Weihnachtsversion)
09. Muss der heil’ge Nikolaus sein
10. Der letzte deutsche Schnee
11. Erster erster (Silvesterversion)
12. Weihnachten (Last Christmas)

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