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ERNST HOFACKER – Flint

24 Mai 2019 No Comment
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Ernst Hofacker ist ein angesehener Musikjournalist, der schon für viele Magazine geschrieben hat und in den vergangenen 10 Jahren auch viele Sachbücher aus dem Bereich der populären Musik veröffentlichte. Nun hat er sich mit „Flint oder der wundersame Gesang des Mellotron“ erstmals an einen Roman gewagt. Dieser handelt von Flint, einem Gitarristen aus Münster, der in den frühen 70er Jahren musikalisch sozialisiert wird und später als Musiker mal besser, mal schlechter seine Brötchen verdient.

Es gibt einige biographische Übereinstimmungen zwischen dem Autor und seinem Protagonisten. Auch Hofacker stammt aus Münster und ist Gitarrist. In seinen Jahren als aktiver Musiker hatte er den Spitznamen „Ernesto Telecastro“, aber anders als Flint wechselte er dann zur schreibenden Zunft, und die geliebte Telecaster wurde zur Wohnzimmergitarre. Trotzdem kann man davon ausgehen, dass viele in dem Buch beschriebenen Gelegenheiten sich so oder ähnlich tatsächlich zugetragen haben, zumal auch einige bekannte Figuren der Münsteraner Musikszene recht konkret skizziert in der Geschichte vorkommen.

Der Roman springt kapitelweise von der Gegenwart zur Vergangenheit und zurück. Man wird Zeuge von Flints aktueller Krise und erhält häppchenweise Einblick in seine Geschichte. Zudem gibt es noch eine andere Ebene, die beleuchtet wird, sich aber erst gegen Ende des Buches in das Gesamtbild einfügt. Hofacker hat sich Mühe gegeben nicht alle Beziehungen der beschriebenen Personen untereinander von Anfang an aufzudecken, so dass sich das Gesamtbild mosaikweise zusammensetzt. Auch wenn dadurch im weiteren Verlauf der Lektüre das Lesevergnügen zunimmt, entsteht jedoch auch der Nebeneffekt, dass auf den ersten 50 Seiten die Geschichte noch sehr flach daherkommt. Zwar werden die beschriebenen Situationen durchaus lebendig beschrieben, bieten aber auf den gesamten Plot bezogen zunächst wenig Tiefgang.

Die Beschreibung, sowohl der Jugend in den 70s, als auch der gegenwärtigen Musikszene, ist stimmig gehalten, jedoch wenig überraschend. Man erfährt wie es damals war und wie es jetzt ist. Es gelingt Hofacker, die Musik als Inspirationsquelle aus der man Kraft tanken kann so zu beschreiben, dass sich jeder ähnlich gepolte Musiker wiederfindet und alle anderen denken: „Wow – ja, das muss toll sein!“. Und ebenfalls bringt er die ganzen weniger wunderbaren Erfahrungen nachvollziehbar rüber, so dass die Insider gequält nicken und die Outsider sich eher in ein „Also, das wäre ja nichts für mich!“ begeben.

„Flint oder der wundersame Gesang des Mellotron“ ist ein Roman, der kurzweilig zu lesen ist und in seiner zweiten Hälfte auch so einige Überraschungen zu bieten hat.

ISBN 978-3-89688-622-4
304 Seiten
Agenda Verlag 2019

https://agenda.de/produkt/ernst-hofacker-flint-oder-der-wundersame-gesang-des-mellotron/

Jan Woelfer

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