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FACK JU GÖHTE 2

9 September 2015 No Comment
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© Constantin

Nach dem großen Kino-Erfolg im Jahr 2013 war eine Fortsetzung von „Fack ju Göhte“ so sicher wie das „Amen“ in der Kirche oder das „Alter!“ nach dem „Fick disch.“ Genauso klar war es, dass man sich nach dem letzten Stelldichein in der Schule auf Klassenfahrt begibt, denn das Schul-Setting ist statisch und gibt nicht viel her, zumindest nicht für zwei Filme in Folge.

So wird ein dem ersten Film ähnlich schlüssiger Handlungshergang konstruiert: Kaum hat Zeki Müller (Elyas M’Barek) seine Stelle als Aushilfslehrer aufgenommen, ist er auch schnell wieder davon genervt. Seine Schüler wollen immer noch nicht so recht lernen, das frühe Aufstehen macht auch keinen Spaß, außerdem versaut auch noch die angeblich hochbegabte Schülerin Chantal (Jella Haase) das Schülerpraktikum.

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Überforderter Lehrer Zeki Müller (Elyas M’Barek) sucht nach einem Ausweg aus der Schulhölle. © Constantin

Es dauert nicht mehr lange bis Zeki in alte Gewohnheiten zurückfällt: Sobald ihm ein Haufen Diamanten in die Hände fallen, mittels derer er sich den schnell ersehnten Ausweg aus der Hölle des Lehrerzimmers erhofft, lügt er seine Freundin, die überkorrekte Lehrerin Lisi Schnabelstedt (Karoline Herfurth) an und versteckt die Diamanten in einem Stofftier, das Lisi an verarmte Kinder in Thailand spendet.

Zeki organisiert eine Klassenfahrt nach Thailand und nimmt seine Angebetete und sieben seiner größten Albtraumschüler gleich mit. Frau Schnabelstedt muss wegen einer Verkettung noch unglücklicherer Umstände zu Hause bleiben. Folglich muss sich Zeki allein mit der vermeintlichen Höllenbrut, mit einem konkurrierenden Gymnasium, mit prolligen und mit von Asperger geplagten Schülern herumschlagen, um die Diamanten zu bergen.

Die ersten zehn Minuten setzen dort an, wo die erste Episode aufhörte und kann erfolgreich den Spießrutenlauf und das Chaos in der Schule auf überzogene Art und Weise aufs Korn nehmen. Dies liegt vor allem den Darstellern: Elyas M’Barek und Karoline Herfurth haben erfolgreich so etwas wie eine Chemie zwischen einander aufgebaut, auch wenn Herfurth entweder freiwillig oder unfreiwillig den größten Teil des Filmes auf der Ersatzbank sitzt. Auch die jungen Darsteller können in der Überzeichnung ihrer Charaktere überzeugen.

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Heimlicher Star der Schule und des Films: Direktorin Gudrun (Katja Riemann) © Constantin

Vor allem ist aber Katja Riemann immer wieder eine Überraschung in ihrer gleichzeitig sympathischen, opportunistischen, genervten und dennoch ehrgeizigen Darstellung der Rolle als Schuldirektorin Gudrun, die jede Chance nutzt, um ihr eigenes Image und das ihrer Schule zu profilieren. In diesen Meer aus Stereotypen bietet sie leider auch die einzige, in seiner Vielschichtigkeit wirklich witzigen Charakter. Der Rest und insbesondere die Reise nach Thailand gestaltet sich mehr als Aneinanderreihungen von Slapstick-Einlagen: seltene Feuer-Ameisen im Gesicht, Riesen-Quallen auf den Kopf, und Chili-Pulver in Kondom sind nur einige der Freuden für das Publikum, die allerdings auch manchmal aus einem der späteren „Police Academy“- Filmen geklaut wirken.

Regisseur und Autor Boras Dagtekin gestaltet diese Klassen-Odyssee unterhaltsam, oftmals frustrierend und gelegentlich nervtötend schrill, wie eine richtige Klassenfahrt eben. Hinzu kommt die etwas aufgesetzte Moral, ohne die Filme über das Schulwesen, auch komödiantisch und satirisch angehauchte, scheinbar nicht auskommen dürfen. Hier ist es ein ziemlich ungelenk hineingequetschter Subplot über thailändische Waisenkinder, die mehr an Peter Pan und seine verlorenen Jungs erinnern, Touristen ausrauben und denen letztendlich unbedingt geholfen werden soll.

Wie schon der erste Teil schafft es auch die Fortsetzung nicht über seine Stereotypen hinauszuschauen: Smarte und clevere Menschen können und dürfen in diesem Universum nicht cool sein, sondern sind entweder arrogant, hinterhältig, spießig oder verkopfte Nerds und Sozialversager. Der handelsübliche Prolo ist der coole Party-Macher. Spielraum dazwischen, welche die Komödie auslotet oder gar Nuancen und Originalität gibt es leider nicht, auch wenn das Talent vorhanden gewesen wäre.

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Mehr Party-Trip als Kultur-Trip: Zeki Müller und seine Schüler aus der Hölle © Constantin

Gelegentlich kann das zu mal mehr und mal weniger amüsanten Reibereien führen und manchmal wird ein von Asperger geplagter Schüler einfach über Bord eines Bootes geschmissen und das als veritable Therapieform verkauft (bitte, bitte, bitte nicht nachmachen!).

Regisseur Dagtekin tut mit seinen „Fack ju Göhte“ – Filmen niemanden weh, was er durchaus dürfte, um tatsächlich Kritik an einem maroden und überholten Schulsystem zu üben. Totschlagargumente wie „der Film will doch nur unterhalten“ oder „der Film ist nichts für Leute, die zum Lachen in den Keller gehen“ verhindern, dass die Komödie über sich hinauswachsen kann und selbst in einem komödiantischen Kontext etwas Wahrhaftiges sagen kann.

In seinem Hang zum Stereotypisierung erinnert das Schauspiel inklusive seiner Gags an amerikanische Komödien der 80er Jahre („Police Academy“, „Summer School“ und „Revenge of the Nerds“ sind nur einige wenige, die „Fack ju Göhte“ unterfüttern). Vielleicht braucht die deutsche Komödie generell noch 30 Jahre, um darüber hinaus zu wachsen. In seiner Inszenierungsweise ist die Klamotte jedenfalls durch und durch amerikanisiert und handwerklich souverän gemacht.

Diejenigen, die nicht mit vielen Komödien dieser Art in Berührung kommen, werden sicherlich ihren Spaß haben. Alle anderen sind vielleicht schon einen Schritt weiter gegangen, können aber trotzdem den Publikumsmengen, die ohne jeden Zweifel auch hier wieder in den Kinosaal strömen werden, ihren Spaß gönnen. Denn man kann diesen Humor mögen oder nicht, aber wirklich böse kann man „Fack ju Göhte 2“ nie sein.

Bewertung: 3 von 6
Starttermin: 10.09.2015
Darsteller: Elyas M’Barek, Jella Haase, Karoline Herfurth, Katja Riemann, Max von der Groeben, Volker Bruch, Alwara Höfels
Regie: Bora Dagtekin
Kamera: Andreas Berger
Drehbuch: Bora Dagtekin
Musik: Uli Kleppi
Produktion: Lena Schömann
Ausführende Produktion: Martin Moszkowicz

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