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FATHERSON – Open Book

4 Juni 2016 No Comment

Fatherson - Open Book - Artwork

FATHERSON machen alles richtig und zugleich auch eines falsch. Mit „Open Book“ veröffentlicht die junge Band ein sehr gut produziertes Album voller Pop-Songs, die in ihrer Formelhaftigkeit sofort auf WDR2 gespielt werden könnten. Einige Parts dürften perfekt als Jingle für eine Bier-Lifestyle-Werbung herhalten und die Melodien gaukeln vor starke Hooklines zu sein. Am Ende mäandert jeder Song so vor sich hin und wenig bis nichts bleibt hängen.

 

Dabei klingt jedes Lied sehr schön bis nett. Die Musik von FATHERSON versprüht folkige Heimeligkeit und tut zu keiner Zeit weh. Die Produktion ist sehr gut, alles klingt ausgewogen und durchdacht. Wahrscheinlich hatte Produzent Bruce Rintoul noch alle Einstellungen und Presets von den vorherigen Jung-Bands, die er im Studio hatte, abgespeichert. Jede Saison werden die talentierten Nachwuchs-Kapellen gepusht und durch die Arena der einschlägigen Musikmagazine, Morgenmagazine, Musikshows, Festivals und Supportslots geschleust. Nur um dann leider oder zu Recht bald vergessen und gekündigt zu werden.

Die Band stammt aus Schottland. Vor sechs Jahren gegründet, hat sich die noch recht junge Gruppe einige Stationen auf der Leiter nach oben gespielt. Mit ihrem Folk-Nerd-Rock konnten sich die Glasgower einige Fans und positive Kritiker auf der Insel erspielen. FATHERSON durften schon Bands wie BIFFY CLYRO, FRIGHTENED RABBIT, PANIC! AT THE DISCO, FEEDER, TWIN ATLANTIC, ENTER SHIKARI oder IDLEWILD supporten. Supportbands sollen gut sein, aber nie besser als die Hauptband.

Ross Leighton (Guitar/Vocals), Marc Strain (Bass) und Greg Walkinshaw (Drums) schlawinern auf „Open Book“ in den Kisten der Pop-Musik. „Younger Days“ liebäugelt in seiner Akkordfolge und dem Piano-Gesang-Intro mit JOE JACKSON. „Lost Little Boys“ und „Wondrous Heart“ vereinen COLDPLAY-Backgroundgesänge und stampfende Trommeln. Die Stimme von Sänger Ross Leighton säuselt mit süßem schottischen Akzent in einem recht begrenzten tonalen Spektrum über die geschrammelten Delay-Gitarren. „Forest“ ist ein Lichtblick. Spannung entsteht durch bratende Gitarrenwände und eine Piano-Tonfolge, die sich einbrennt. Der Abschlusstrack „Chasing Ghosts“ ist ein schönes midtempo-Stück und wartet gegen Ende mit ein paar Streichern auf. Das gefällt!

Fazit? Nirgendwo ist zu viel oder zu wenig arrangiert. Zu keiner Zeit bricht die junge Band wirklich aus. Nicht viel wird gewagt. Spannung könnte man durch Irritation hervorrufen. Aber die Band verharrt beliebig in Pop-Perfektion. Man hört zu und es funkt zwar, aber die Flamme erlischt schnell mit dem Verstummen der Töne. Die schottischen Newcomer machen ihr Ding gut! Doch am Ende bieten die Akkordfolgen keine wirklichen Ecken, die für ein nachhaltig spannendes Album wichtig wären.

Bewertung: 3 von 6
VÖ: 3. Juni 2016
Label: Easy Life / Sony RED
Format: LP / CD / Digital

Mehr Infos:
fathersonband.co.uk
easyliferecordings.com

 

Hendrik Rathmann
Hendrik Rathmann

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