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FINALLY GEORGE – Life Is A Killer

6 Mai 2018 No Comment
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FINALLY GEORGE. Muss man sich das als einen Kommentar von außen oder als Selbstgespräch vorstellen? Beides wäre stimmig. Georg Hahn, Poptown-Rock-Legende aus dem Norden Hamburgs, war einer der Köpfe der legendären Band CAKEWALK und stellte mit dieser in der zweiten Hälfte der 1980er unter Beweis, das großartige Musik in Hamburg nicht nur in St. Pauli oder Pöseldorf entstand, sondern auch aus Poppenbüttel kommen konnte. Nach dem Ende der Band 1990 wurde Hahn Produzent und ist als solcher seitdem erfolgreich tätig. Nun, nach 28 Jahren im Dienst von Auftraggebern, erfüllt er sich den langgehegten Wunsch eines persönlichen musikalischen Statements in Form eines Albums, das er „Life Is A Killer“ betitelt hat. Endlich, Georg!

Und zuerst war das Ganze nur als Kleinprojekt angedacht. Für das Familien- und Freunde-Umfeld als eine Art kreatives Lebenszeichen. Aber dann waren die Songideen und die Arrangements im Kopf von Hahn doch einfach zu groß um das nur klein aufzuziehen. Ein wesentlicher Moment für das Projekt FINALLY GEORGE war, als sich die Zusammenarbeit mit Styx-Drummer Todd Sucherman anbahnte. Denn Gitarre, Bass, Keyboards und natürlich Gesang konnte er selbst beisteuern, aber einen Profi von der Klasse Suchermans für die Aufnahmen zu gewinnen, brachte die Aussicht eine Produktion zu realisieren, die sich internationalen Qualitätsmaßstäben gegenüber nicht zu verstecken brauchte.

Und auch für die Sologitarren hatte Hahn das Glück überaus fähige Gäste für sein Projekt zu bekommen. Allen voran Ausnahmegitarrist Erlend Krauser, der früher bei LAKE und in den letzten Jahrzehnten im James Last Orchester spielte. Seine spezielle Technik und Virtuosität veredelt die beiden Songs „Walk With Me“ und „Way Home“, aber auch auf drei anderen Tracks ist er zu hören. Ansonsten stellt Hahn jedoch unter Beweis, dass er auch selbst an der Leadgitarre eine überzeugende Figur abgibt.

Nun ist aber klar, dass allein hochkarätige Gäste und viele Spuren im Tonstudio noch keine gute Platte ergeben. Dafür braucht es gute Songs und das Vermögen sie zu arrangieren, insbesondere wenn man sich Genremäßig in der Ecke bewegt, die gemeinhin als Progrock bezeichnet wird. Was die Songs betrifft, hatte Hahn viele Jahre Zeit Material zu sammeln und sich Gedanken um die Umsetzung zu machen. Das hört man. Im positiven Sinne. Hier macht alles Sinn, die Arrangements passen und was dazu kommt: Die Platte lebt davon, dass weder der Gesang noch einzelne Soloparts dominant gemischt wurden. Alle Songs haben reichhaltige Arrangements und alle Instrumente haben ihren Platz im Mix, der den anderen Klangschichten bzw. Melodien auch Raum zur Entfaltung lässt. So entsteht nicht der Eindruck, dass einzelne Parts andere verdrängen, die Songidee und ihr Klang werden von vielen verschiedenen Elementen gleichrangig getragen, was das Hörvermögen positiv beeinflusst.

Als Referenzen drängen sich natürlich der von Hahn hochverehrte Steven Wilson (Porcupine Tree) auf, aber auch Pink Floyd (eher die späten) oder Marillion klingen durch. Angenehmerweise wird hier auf Theatralik, in der Progszene ein gern verwendetes Stilelement, komplett verzichtet. Aber machen wir uns nichts vor, diese Platte ist Progrock, es wird dick aufgetragen und wer auf Songs steht, die in drei Minuten auf den Punkt kommen, wird hier nicht auf seine Kosten kommen. Sicher mag der eine oder andere den einen oder anderen Part als überflüssig oder zu viel erachten, aber allen kann man es sowieso nicht recht machen und wer so viele Klippen und Untiefen elegant umschifft wie Hahn, für Dynamik ohne Übertreibung sorgt, dem kann man nur Respekt aussprechen für dieses Kleinprojekt, das auf natürliche Weise zum Monster wurde. Stark.

Bewertung: 5 von 6

finallygeorge.com

Tracklist:

  1. Tears Of A Million Lies
  2. Walk With Me
  3. She
  4. Ghost
  5. Remember Me
  6. I’ll Be There
  7. Time Stands Still
  8. Way Home
  9. Human
  10. Life Is A Killer
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