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FJØRT – Kontakt

21 Januar 2016 No Comment

FJORT KONTAKT

Diese Band hat sich innerhalb kürzester Zeit eine beachtliche Schar an Fans und anerkennenden Kritikern erspielt. FJØRT sind sowas wie der gemeinsame Nenner der Szene. Im JUZ schreit man ihre deutschen Texte mit, wenn sich die tour-fleißige Band persönlich die Ehre gibt. Aber auch, wenn zumindest über ihre Platte, als Pausenmusik eines Underground-Konzerts, der FJØRT´sche Sound ertönt. Großes Lob und stolz getragene Shirts finden sich bei Indie-lastigeren Hörern, bis hin zu grimmigen Grind-Death-Core-Typen. Die Aachener haben mit ihrem Debüt “D’Accord” vor zwei Jahren aber auch wirklich viel richtig gemacht und einen eigenen Sound entwickelt, den sehr viele Hörer in kürzester Zeit in ihr Ohr und Herz geschlossen haben. Besagter Sound ist sowas von fett produziert und haut live mehrheitlich alle anderen Bands des Abends um. Hier muss auch der größte Kritiker einlenken und dem Trio ihre eigene Marke zugestehen, denn FJØRT klingen nach FJØRT. Auf ihrem nun erscheinenden zweiten Werk „Kontakt“ gehen FJØRT einen kleinen Schritt weiter und ergänzen ihre Musik mit feinen Sprenklern „Hooklines“.

Album Nummer Zwei klingt erwachsener, die Band scheint sich ihrer Wirkung bewusster zu sein und hat zu dem Geballer mehr Melodie hinzufügt. Wobei dies subtil abläuft. Definitiv bleibt das Trio der eingeschlagenen Linie treu. Überraschungen gibt es eher nicht. Der Gesang bewegt sich im gepressten Geschrei von aneinandergereihten klugen Sätzen, die sich rund um die Zweifel und Qualen des postmodernen Urbanisten drehen. Die Texte umschreiben Familiendramen, Vorwürfe, Ablehnung, Enttäuschungen, Ängste, Ratlosigkeit. Inhaltlich dreht sich alles noch immer um die ratlose, revoltierende, stets zweifelnde und enttäuschte Seele des erschöpften und sich permanent reflektierenden Ich´s. FJØRT sagen viel in ihrer Musik, aber ihre Texte erscheinen oftmals wie eine Phrasen-Aneinanderreihung, die man beim Hören ausblendet und nur hier und da einmal markige Sätze erkennt. Alles getragen von einer umwerfenden Produktion. Dies ist die Stärke dieser Band. Ihr Sound ist absolut amtlich und dicht. Der Bass von David Frings ist hier das alles umwälzende Zentrum. „Kontakt“ sollte man auf Vinyl über die laut aufgedrehte Anlage hören! Fuzz-Sounds, massig Effekte und eine schleppende Zähigkeit, die sich auch im Sludge findet, packen den geneigten Hörer sofort.

„Kontakt“ ist wie “D’Accord”, nur dass sich hier und da mehr Delays, ruhige Passagen und unterschwellige Flächen durch die Wand aus Verzerrung brechen. Die Riffs schlagen in immer eine Kerbe. Das Drumming basiert auf den gleichen Beats, wie sie schon auf “D’Accord” zu hören sind. Der Gesang variiert genauso wenig zwischen den Songs, wie er zwischen den zwei Alben eine neue Ausrichtung, den Mut zum Experiment oder unerwartete Fertigkeiten erahnen ließe. Das ist aber in Ordnung! Page Hamilton (HELMET) oder Jan Windmeier (TURBOSTAAT) sind beliebt und wirkungsvoll-stilprägend, obwohl ihr stimmliches Spektrum als eher beschränkt zu bezeichnen ist.

Aber all das ist egal! FJØRT knüpfen bei ihrem Debüt an, veredeln bestehendes Material und hauen ihr ganz eigenes Ding raus. So gesehen ein kluger Schachzug. Und die ersten Reaktionen in den sozialen Medien sind euphorisch. Ja, wir reden hier von Nischenmusik. Aber so langsam kennt man FJØRT (das „Ø“ wird übrigens nicht „ö“ gesprochen, obwohl dies korrekt wäre. Ist wohl so ein optisches Ding) in der Republik.

FJØRT zielen mit jedem Song auf das Maximum an Pathos und brachialer Emotionalität. Verzweiflung und wohliges Wälzen im Weltschmerz. Dies kommt an! Und ihre Produktion, die auch so bei dem Mainstream-Metal-Label ROADRUNNNER RECORDS erscheinen könnte. Doch das Aachener Post-Hardcore-Trio veröffentlicht ihr neuestes Werk bei dem Hamburger Indielabel Grand Hotel van Cleef. Ob Thees Uhlmann gerne in den Pit geht?  Wir dürfen auf Album Nummer Drei gespannt sein. Vielleicht haben FJØRT mit „Kontakt“ sehr viel positives gesagt und damit aber auch alles.

Bewertung: 4/6
Label:
Grand Hotel van Cleef
VÖ: 22.01.2016
facebook.com/fjort

Trackliste:

01. In Balance
02. Anthrazit
03. Prestige
04. Kontakt
05. Lichterloh
06. Paroli
07. Abgesang
08. Revue
09. Belvedere
10. Mantra
11. Lebewohl

 

 

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