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FRIEDRICH SUNLIGHT – Sag es erst morgen

1 Juli 2019 No Comment
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Pünktlich zu Beginn des Hochsommers schicken die Jungs aus Augsburg ihren Zweitling ins Rennen. „Sag es erst morgen“ ist noch melodie- und detailverliebter als ihr Debüt. Es ist süffiger Sunshine Pop, berauschend eingespielt, voller raffinierter Arrangements und einer angenehm hohen Frequenz an euphorischen „Ba-ba-ba“ Chören.

Vom Titelstück, das die perfekte Symbiose aus kalifornischer 60s Entspanntheit und 80s UK-Pop der Marke Style Council transportiert über den Vaudeville-Schunkler „Ein kleines Haus“ bis hin zu „Wenn du mich suchst“, bei dem man nicht weiß ob es Swing out Sister nähersteht oder doch Burt Bacharach sein will: Die Platte ist ein einziger Hörgenuss.

Der Band gelingt es immer, trotz latent vorhandener Zitatendichte, einen extrem geschmackvollen und harmonisch-individuellen Kontext herzustellen. „Fernweh“ ist nochmal Kalifornien in den frühen 70s (America) und „Neujahr“ die intensive Ballade, wie sie die britischen Vorbilder, wie etwa Elvis Costello, einst in den frühen 80s entwarfen.

„Mit dir“, mit seinen zuckersüßen Backing-Harmonien und der feinen Klaviermelodie, ist verführerisch und „Radikal und Chic“ schlichtweg atemberaubend. Die 60s Orgel und abermals die Backing Vocals werden hier kongenial eingesetzt. Zombies und Beach Boys reichen sich gönnerhaft die Hand. „Supermarkt“ bringt dann noch eine Prise Cool Jazz im Sinne der späten Steely Dan. Jeder Ton sitzt; Harmonie in Perfektion.

Die beiden starken Vorboten der letztjährigen 7″ („Kommen und Gehen / „Nachtbus nach Wien“) werden nochmals zweitverwertet und „Wenn du mich suchst…“ ist wieder dieser streichgetränkte, bittersüße Pop, den die fünf in den letzten Jahren mit ihrer Formel perfektioniert haben.

Natürlich bleibt der Einfluss des schillernden Sängers Kenji ein besonderer Akzent in der Musik von Friedrich Sunlight. Der in Kalifornien groß gewordene Sohn japanischer Eltern, den das Leben in die Fuggerstadt verschlagen hat, setzt sein samtweiches Timbre und die Art die deutschen Wörter an die fließende Musik anzupassen auch hier wieder unnachahmlich ein.

Er scheut auch kein Falsett bei den durchweg hörenswerten Texten, die sich immer mit einem leichten Augenzwinkern um die kleinen und etwas größeren Alltagsdinge drehen. Das Covermotiv von „Sag es erst morgen spricht“ Bände. Kenjis Silhouette zeichnet sich vor dem bunten Potpourri einer klassischen Pop-Plattensammlung ab, die von Macca bis Supremes alles abbildet, was sich auch im Schmelztiegel des Friedrich Sunlight Kosmos wiederfindet.

Durch das Dickicht der Online-Welt kriecht allerdings auch der Wehmutstropfen, dass Sänger Kenji der Liebe wegen nach Schottland gezogen sei und die weitere Zukunft des Projekts „Friedrich Sunlight“ nicht wirklich sicher sein könnte. Eine Tour zur Platte gibt es im Moment leider auch noch nicht. Egal wie es weitergeht, „Sag es erst morgen“ setzt nochmal ein Ausrufzeichen unter die Karriere dieser außergewöhnlich talentierten Band.

Bewertung: 5,5 von 6
: 28.06.2019
LabelTapete
Format: Vinyl / Download / CD

Tracklist:
1. Sag es erst morgen
2. Was will man noch mehr?
3. Kleines Haus
4. Fernweh
5. Neujahr
6. Nachtbus nach Wien
7. Mit dir
8. Kommen und Gehen
9. Wirf dein Geld aus dem Fenster
10. Radikal und chic
11. Supermarkt
12. Wenn du mich suchst…

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