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GHOST – THE POPESTAR TOUR – 5.4.2017, Köln, E-Werk,

8 April 2017 No Comment
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Photo-Credit: Loma-Vista Spinefarm

Maskeraden und geschlossene Gesellschaften fördern per se ein gewisses Interesse der „Außenstehenden“ und dienen nicht selten (beabsichtigt) der Mythen- und Legendenbildung. So verwundert es nicht, dass sich auch um GHOST, die hier besprochene Heavy Metal Band aus Schweden, bereits Gerüchte und Gestrüpp aus vielen Fragezeichen ranken.

Alle Eventualitäten und Hörensagen-Fakten zusammenzutragen würde den Rahmen eines einzigen Artikels deutlich sprengen, insofern sei hier nur kurz erwähnt, dass alle Mietglieder der Band stets maskiert und verkleidet auf der Bühne erscheinen. So auch am 05. April im E-Werk in Köln.

Die Band ist en Detail bemüht, ihren Konzerten – um nicht zu sagen schwarzen Messen – einen satanischen Anstrich zu verleihen. Der Sänger Papa Emeritus III. hinter dessen Schminke sich – zumindest in der Vergangenheit – mutmaßlich Tobias Forge verbarg oder verbirgt (auch hierzu gibt es widersprüchliche Angaben) wird von seinen Nameless Ghouls instrumental begleitet (die, ebenfalls mutmaßlich, bereits alle schon mindestens einmal umbesetzt wurden).

So weit, so unklar. Trotz einfallsreicher Kostümierung mit allerhand Beiwerk aus der satanistischen Mottenkiste (Talare, Mitra, Totenkopfmasken, Weihrauchgefäße und so weiter), ist das Konzept des verkleideten Künstlers an sich so neu nicht. Ob GWAR, mit ihren infernalischen Splatterorgien oder ein Rapper mit niedlicher Pandamaske, der Privatssphäre schützende und doch reizvoll geheimnisheischende Effekt entfaltet auch bei GHOST seine volle Wirkung.

Nicht zuletzt weil auch der Zuschauer selbst sich für eine kurze Weile als Teil einer eingeschworenen Gemeinde fühlen darf. In diesem Fall eine Gemeinde, welche wohl nicht ernsthaft dem Lichtbringer selbst fröhnen will und vorsätzlich Hühner oder gar Jungfrauen opfern möchte, sondern die Genuß in der Schwellenwirkung zwischen Düsternis und dem Absurden empfindet.

In Köln tritt man bekanntlich offene Türen ein, wenn man dem Karneval (auch bekannt als „Fleischfest“) frönen will und dementsprechend war das Publikum spürbar guter Laune. Vielleicht gerade deshalb betonte Papa Emeritus III., daß einer der Songs von Fleischessen handele („and i don’t mean fu***ing Schnitzel“).

Beginnend mit dem Single-Hit „Square Hammer“ geriet das Publikum instant in schwarz-feierliche Stimmung. Weitere Songs wie „Year Zero“, Zombiequeen und der Grammy Award Gewinner „Cirice“ führten die Zuhörer immer tiefer in die Welt des höllisch-theatralischen Werks der Band ein und rundeten diese Erfahrung schließlich mit dem letzten Song „Monstrance Clock“ ab.

Traditionell endeten die Auftritte bislang mit „If you have Ghost“, doch nach all der fröhlichen Anstrengung, welche von Papa Emeritus III. mit dem schweißtreibenden Koitus verglichen wurde, hätte sich das Publikum schließlich einen Orgasmus verdient und daher der akustisch-orgiastische Titelwechsel.

Nach entsprechenden Körperreaktionen hat der Rezensent nicht Ausschau gehalten und können daher nicht bestätigt werden.

Insgesamt hätte sicher auch Beelzebub selbst seine helle Freude an diesem abendlichen (Schweiß-)Treiben gefunden und der – mitunter erzkatholischen- Stadt wurde eine Messe beschert, die es wohl so nie im Dom zu sehen geben wird. Was angesichts der Begeisterung des Publikums und der zum Ausdruck gebrachten Dankbarkeit des Sängers eigentlich bedauerlich ist.

Schließlich dürfen auch andere Karnevalsvereine Einzug in den gotischen Prachtbau halten.
Selbstverständlich müssen die letzten Worte hier lauten: „Satan!“ und „Amen!“

GHOST auf Deutschlandtour
Docks Hamburg – Sa., 08. April
Kulturzentrum Schalchthof Wiesbaden e.V. – So., 9. April
Kesselhaus, München – So., 23. April
Huxley’s Neue Welt, Berlin – Di., 25. April

 

Text: M. Ruhrberg
Foto-Credits: Loma-Vista Spinefarm

Photo-Credit: Loma-Vista Spinefarm

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