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GREGOR MCEWAN – Houses And Homes

1 November 2010 No Comment
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GREGOR MCEWAN - Houses And Homes

Zur Jahreszeit passend liefert der musikalische Geschichtenerzähler GREGOR MCEWAN mit seinem Album „Houses And Homes” den perfekten Soundtrack windig-verregneter Melancholie. Zwar keine vollrausch-kompatible Kneipenmusik, aber der selbst ernannte „King of Folk“ streckt seine Faust zwinkernd der Sonne entgegen. Wanderlust trifft auf weltschmerz-überflutete Suizid-Sehnsüchte.

Seine kantig-warmelige Stimme verhilft ihm charmant über das Heer folkiger Singer/Songwriter herauszuragen, wenngleich nicht mit massenkompatiblem Hitpotenzial. Aber das ist auch gut so. Man mag es kaum ausschreiben, aber das Britpop-Ennui seiner Jugendtage haftet ihm in der Liebe zur einfachen Melodie immer noch an. Einzig die dem Folk entliehene und KRISTOFER ÅSTROM oder DAMIEN RICE zu verdankende Lässigkeit im Umgang mit Songstrukturen und kurzzeitig aufbauschenden Arrangements markieren hier kein temporäres Indie-Folk-Projekt, sondern ein über die Jahre gewachsenes Liedgut, das Süßholzgeraspel und jede überflüssige Gitarrennote im Vorzimmer abgestellt hat.

Bei GREGOR MCEWAN Akustikkonzerten kämen die kleinen dicken Indiemädchen wahrscheinlich gar nie auf die Idee haufenweise verpixelt-übersteuerte Handyvideos zu machen und diese dann auch noch bei YouTube hochzuladen. Nicht weil der bärtige Karo-Hemdträger es optisch oder musikalisch nicht verdient hätte, ganz im Gegenteil, vielmehr lädt sein träumerischer Flair ein zu lauschen und zu genießen, ohne dabei je anbiedernd eingängig zu wirken. Auch dank seiner beflissenen Mitmusiker Tess Wiley, Ruby Hartbrich, Markus Surmann, Cyprian Piskurek, Jonas Künne und Patrick Scheipers, mit dem er zuvor schon in der Band HELTER SKELTER spielte.

Nach mehrmaligem Durchhören der über Tom Liwas Label „Ludwig“ erscheinenden Platte schimmert die detailverliebte Finesse des in schottischer Eiche gereiften Debüts durch die dicht bestückte gute halbe Stunde. Der gallagherische Onkel aus Manchester würde bei einem Gig in Hagens (sein richtiger Name) Heimat Haltern am See niemand geringeres als GREGOR MCEWAN ins Vorgramm holen, vielleicht sogar auf die Bühne. Aber der würde stattdessen bestimmt lieber drei Tage lang bei den BEATLES Tamburin spielen.

Von Anfang bis Ende wird das verletzliche Auenland, das der an der Schnittstelle von Ruhrgebiet und Münsterland geborene Musiker hier aufzeichnet, von erschütternder Sehnsucht und Liebesduselei getrieben. Die Aufnahmen für „Houses And Homes” fanden so dann auch in den pulsierenden Metropolen Hamburg und Berlin statt. Das glatte Gegenteil also von BON IVERS Aufnahmesessions im einsamen Wald. GREGOR MCEWAN hat sich hier selbst ein kleines Denkmal gesetzt, der namensgebende Schauspieler wäre stolz auf ihn.

Bewertung: 5/6
Label: Ludwig / Indigo
Vö: 12.11.2010

Trackliste:
01. Houses And Homes
02. The Banks
03. Together Alone
04. Vs.
05. From Brunswick To Munich
06. Many Moons Ago
07. Change Is Happening When I’m Almost Gone
08. A Part Of You
09. Drinking Burgundy
10. 10 Seconds
11. The Pigeon Breeders Club
12. Canola Fields

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