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HALDERN POP FESTIVAL – 08.-10.08.2013, Rees-Haldern, Reitplatz

16 August 2013 One Comment
HALDERN POP FESTIVAL - 08.-10.08.2013, Rees-Haldern, Reitplatz

Ich erinnere mich noch allzu gut an das 20. Jubililäum des stilisicheren Indie-Open-Airs am Niederrhein, eines meiner ersten Festivals überhaupt. Letzte Woche hieß es dann schon 30 Jahre HALDERN POP FESTIVAL! Neben der Musik ist das Wetter ja meist ebenso wichtig und das war in 2013 ähnlich gut wie vor 10 Jahren. Dass das Festival nicht mehr mit allzu großen Bands um sich schmeißt, ist seit seinen Midtwenties allseits bekannt. Doch auch zum dritten runden Jubiläum waren die Auftritte von KETTCAR oder JAMES bereits die größten Highlights, die man nach dem Lineup fragenden Freunden nennen konnte.Der Teufel steckt beim HALDERN allerdings im liebevollen Detail, in der ahnungsvollen Überraschung, in der Atmosphäre und im Mittelfeld des Programms. Acts wie BON IVER oder MUMFORD & SONS spielten hier noch als Nonames, bevor sie durch die Decke gingen. Das Lineup ist in HALDERN also erstmal zweitrangig. Man könnte sich natürlich die Mühe machen und das Programm vorab studieren und eine der 27 von Redaktionspraktikanten erstellten Spotify-Playlists durchhören. Aber das wäre ja langweilig. Wir sind da – gemäß der Gemütlichkeit eines 30-Jährigen – entspannter an die Sache rangegangen. Einzig ALABAMA SHAKES, die blutjungen Stones-Aficionados STRYPES, LEE FIELDS und die VILLAGERS standen fest im Terminkalender. Alles andere sollte fließen, einfach geschehen und sich auf die verlässliche Mundpropaganda on ground stützen. Man will ja auch mal sein Würstchen grillen oder im See baden, ohne gleich 3 spannende Acts zu verpassen.

 

Und so begann das Festival abseits des Reitplatzes bereits am Donnerstagmittag in der Dorfkirche, der Haldern Pop Bar und im örtlichen Tonstudio. Noch vor dem Hauptgelände und neben dem magic Spiegelzelt, lockten am ersten Haldern-Tag WE WERE PROMISED JETPACKS und später SUUNS vor die Biergartenbühne, wo ab Freitag dann leider nur noch 2 Bierbänke standen. Der erste Abend ist bei Festivals ja meist der effektivste was den Alkoholkonsum angeht und so floss es  – wie gewünscht – ganz gut. Zum Abschluss des Donnerstags sorgten GOLD PANDA für unerwartet elektronische Klänge. Chillwave nennt man das dann und irgendwie passte das auch ganz gut zum Flair von #HPF30.

Der Freitag begann mit dem vollbärtigen BEN CAPLAN in der Haldern Pop Bar, aus der gypsyfolkiger Shantyblues tönte, bevor PASCAL FINKENAUER um 15 Uhr die Hauptbühne eröffnete. Wer anfangs noch dachte, hier und da ein paar nette Bands entdecken zu können, wurde bei näherer Betrachtung eines besseren belehrt. Das Tages- und Nachtprogramm entwickelte sich vom Nice-to-have zum Must-Have Angebot. DIE GOLDENEN ZITRONEN unter der Postpunk-Leitung von Schorsch Kamerun skandierten passend zur Freizeit-Gesinnung der Indiemeute u.a. mit Songs von neuen Album „Who’s Bad“. Für wen CHARLES BRADLEY eines der Highlights beim letzten HALDERN POP FESTIVAL war, der stand rechtzeitig bei LEE FIELDS & THE EXPRESSIONS vor der Hauptbühne. Soul und Sonne. Eine unschlagbare Mischung. Liebe lag in der Luft und die Hüften kreisten zu leichten Mary-Jane-Düften.

 

Bei TOM ODELL dachte man noch, TV-One-Hit-Wonder brauch ich nicht. Doch der blonde Brite spielte sich dermaßen in Singer-Songwriter-Poprock-Rage, dass er am Ende seines Sets glatt vom Piano-Hocker stürtzte. Großartig! Großbritannien war musikalisch ja nie weit weg vom HALDERN POP FESTIVAL und so sollten JAMES – hatte wirklich jemand geglaubt BLUR würden auftreten?! – den Abend mit einer auch optischen Retrospektive an das glorreiche Madchester und den Britpop der frühen 90er beenden: „Oh sit down, oh sit down, oh sit down, sit down next to me!“  Sänger Tim Booth steckt einen Mick Jagger oder Bobby Gillespie in Sachen Schlangentanz locker in die Tasche und nahm gleich zu Beginn des Auftritts erstmal ein Bad in der Menge.

Wo es samstags andernorts erst richtig losgeht, ist in HALDERN schon Abschiedsstimmung zu spüren. Letzter Tag. Wieder Sonnenschein und noch genügend Dosenbier in der Kühlbox. Ersten morgentlichen Stimmen zufolge, sollte man keinesfalls „Puke & Gay“ verpassen. Nun gut, weil der Kater am dritten Festivaltag  bekanntlich ja guten Gewissens zu vernachlässigen ist, auf zum Spiegelzelt. Dort wartete allerdings keine schwule Kotzband, sondern das US-Duo BUKE & GASE, das mit selbstgebauten Hybrid-Instrumenten auch den letzten Kopfschmerz ins Nirvana preschte. Den guten EBBOT LUNDBERG, ehemals Sänger von THE SOUNDTRACK OF OUR LIVES, wollte man auch auf gar keinen Fall verpassen und das war auch gut so. Nur mit verbrüderten Drums und schlagfertiger Hammond-Orgel bewaffnet, coverte der dicke Schwede „Golden Brown“ von den Stranglers oder „Tomorrow Never Knows“ von den Beatles. Zwischendrin Songs seiner alten und allerersten Band und ebenso seinem neuen Soloprojekt.

 

Dass sie aus Hamburg kommen, sollte wirklich niemand nicht wissen. Doch besser man erwähnt es nochmal kurz direkt am Anfang des Abschiedsauftritts. KETTCAR – aus Hamburg und auf Hamburgerisch. Für viele Indiefans ein Nonplusultra, für manche aber auch einfach nur ausgenudelt. Schnell noch „Landungsbrücken“ mitsingen und die Band wohlverdient in die kreative Pause entlassen. Weiter im Dreiviertel-Takt ging es mit den LOCAL NATIVES, auf denen große Hoffungen lagen, die sie aber nur schwer erfüllten. Dafür glitten reichlich Seifenblasen durch das insgesamt wieder sehr gemischte Publikum. Bei REGINA SPEKTOR wurden die Erwartungen für einen abendlichen Festivalslot dann lieber etwas runtergeschraubt, was sich auch als opportun erwies. Die Dänen von EFTERKLANG mussten zum feierlichen Abschluss dann leider mitansehen, wie der Platz vor der Hauptbühne leerer und leerer wurden. Den allerletzten Act BRANDT BRAUER FLICK im Spiegelzelt bekam man zur Abwechslung auch ohne langes Schlangestehen zu Gesicht und die letzten Poptaler wurden an der Theke zu Flüssiggold getauscht. Neben OBS und Immergut immer wieder das schönste kleinste Indie-Festival mit Mut und Geschmack. Alles Gute, HALDERN!

 

Infos/Fotos:
haldern-pop.de
facebook.com/haldernpop

One Comment »

  • Tomek said:

    Czekam na kontynuacje

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