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HAMBURG BLUES BAND, KRISSY MATHEWS, MAGGIE BELL – 05.11.2016, Wuppertal, LCB

10 November 2016 No Comment

HAMBURG BLUES BAND - 05.11.2016, Wuppertal, LCB

Stell dir vor, es ist Blues und keiner geht hin. Wer an diesem verregneten Novembertag Lust auf Blues in einem kleinen, heimeligen Kellerclub hat, reibt sich schon leicht verwundert die Augen. Optimistisch geschätzt stehen vielleicht 100 Zuschauer im Keller des Wuppertaler LCBs, der locker das Doppelte fasst. Ein Ambiente, das die HAMBURG BLUES BAND sicher nicht verdient hat. Zumal man die Band in der Vergangenheit genau hier schon mit wesentlich mehr Zuschauern erleben durfte. Ein offensichtlicher Grund für das heutige verhaltene Interesse lässt sich nicht finden. Echte Profis lassen sich ihre eventuelle Enttäuschung sowieso nicht anmerken. Also ertönt erst mal „Auf der Reeperbahn nachts um halb eins“, bevor die HAMBURG BLUES BAND den Abend mit „Rockin‘ Chair“ eröffnet.

In einem etwas leereren Club fällt natürlich sofort auf, dass sich die Band mit einem neuen Gitarristen deutlich verjüngt hat. Frontmann Gert Lange lässt sich auch nicht lange bitten, diesen als „The Next Guitar Superhero“ vorzustellen; Krissy Mathews, 24 Jahre, mit zwölf Jahren schon bei John Mayall vorgespielt, bereits fünf Alben veröffentlicht. Und was man an diesem Abend bemerkt: mit einem Gitarrenspiel gesegnet, das in Sachen Technik und Geschwindigkeit nur schwer nachvollziehbar ist. Da wundert es auch nicht, dass der britisch-norwegische Neuzugang mit „It Ain’t Worth It“ und „Language By Injection“ gleich mal zwei seiner eigenen Songs einstreuen darf. Dabei hält sich die Rhythmusfraktion Hans Wallbaum an den Drums und Michael Becker am Bass fast schon zu bescheiden im Hintergrund. Und auch Gert Lange selbst bleibt unter seiner (fest angewachsenen?) schwarzen Mütze nur wiederholtes anerkennendes Nicken.

Dabei wirkt es fast so, als würde Krissy Mathews mit seiner Gitarre kommunizieren; er lässt sie verzerrt kreischend auf seinen akzentuierten Sprechgesang antworten, springt wild in absurden Akkordfolgen über die Seiten, und verzieht in einem verstörenden Mienenspiel fast schmerzverzerrt das Gesicht, wenn seine Gitarre Klänge verursacht, die auch ihn zu überraschen scheinen. Ein älterer Herr im Publikum kommentiert das zwischen zwei Songs so: „Also man hat den Eindruck, dieser Gitarrist leidet unter dem eigenen Sound.“ Leiden ist das sicher nicht. Das ist der Blues. Oder eine ganz besondere Form davon.

Natürlich lässt sich die HAMBURG BLUES BAND die Show nicht komplett nehmen, so dass auch Mathews mal dazu verdonnert wird, einfach stur ein paar Akkordfolgen runterzuspielen, damit Lange sein nöliges Röhren entfalten kann. In den Ansagen zwischen den Songs lässt sich der Gründer der Band auch im 35. Bandjahr nicht die Butter vom Brot nehmen. Auf den Hinweis aus dem Publikum, dass der HSV doch gerade eine desaströse Niederlage gegen den BVB einstecken musste, antwortet er nur entspannt: „Weiß deine Mutter, dass du hier bist?“ Bei dieser ausgezeichneten Dynamik der Bandkonstellation ist dann auch die erste Hälfte der Show, die mit Fleetwood Macs „Rattlesnake Shake“ beschlossen wird, viel zu schnell erreicht.

Die Konstellation auf der Bühne wird allerdings nach der Pause mit dem Auftritt der „Queen of Rock from Scotland“ Maggie Bell sichtlich durcheinandergewirbelt. Und spätestens durch die Präsenz der 71-jährigen Blues-Legende wirkt der 24 Jahre junge Krissy Mathews, zumindest äußerlich, als hätte er sich auf eine Bühne verirrt, auf der er nichts zu suchen hat. Damit spielt auch Maggie Bell, die ihn in „As the Years Go Passing By“ erst zum Solo auffordert, um dann das Gegniedel süffisant zu kommentieren: „That ain’t the blues.“ Dass das anschließende „I Don’t Need No Doctor“ hier im LCB schon des öfteren von Chris Farlowe gesungen wurde, weiß auch Maggie Bell, als sie selbstironisch seine Lautmalerei nachempfindet und dann bemerkt: „I know, I’m not Chris Farlowe.“

So verlegt sich der Fokus des Abends neben dem Musikalischen in dieser zweiten Hälfte auch zunehmend ins Komödiantische. Bei der HAMBURG BLUES BAND Version des Thungerbirds-Klassikers „I Believe I’m In Love“ lässt Bell es sich nicht nehmen, den blutjungen Gitarristen neben ihr auch noch anzuflirten: „Do you like older women?“ Dass das mit musikalischer Virtuosität einhergehen kann, zeigt spätestens die Zugabe. Da wird aus „Respect Yourself“ übergangslos „Papa Was A Rollin‘ Stone“ und wenig später auch noch Kylie Minogues „Can’t Get You Out Of My Head“. Da darf dann auch das Publikum einen kleinen aber feinen Chor bilden. Der sollte beim nächsten Auftritt der HAMBURG BLUES BAND dann aber gerne wieder etwas größer ausfallen.

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