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HURRICANE FESTIVAL 2010, Scheeßel, Eichenring

21 Juni 2010 No Comment
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HURRICANE FESTIVAL 2010

Die meisten Festivalberichte beginnen meist mit so einfallsreichen Trilogien wie „Matsch, Musik und Minderjährige“ oder „Randale, Rum und Rock“. Das norddeutsche HURRICANE Festival ist seit 13 Jahren dank seines Ackers zumindest für seinen Matsch und Staub bekannt. Als zweitgrößtes deutsches Festival natürlich auch für die Musik: Mit THE STROKES, BEATSTEAKS und PRODIGY lockten allein die drei Headliner alles an, was irgendwie Indierock gut findet und im besten Fall nicht älter als 25 Jahre alt ist. Und das waren mal wieder gut 70.000!

Das Festivalprogramm startete dann auch ganz unmusikalisch mit dem Deutschland-Serbien-Spiel beim Public Viewing auf dem Camping Platz. Ein langweiliges und noch dazu verlorenes Fußballspiel, das alle Dosenbier-Freunde dennoch zur lauthalsen Einstimmung auf ein wildes Wochenende nutzten. Auf dem eigentlichen Festivalgelände ließ das erste Highlight BAND OF SKULLS auf der Red Stage die Vuvuzelas zum Glück wieder verstummen. Schwitzender Indie-Bluesrock, der schon anmuten ließ, dass der Sound im Zelt wieder wesentlich besser sein werde, als auf freiem Felde vor den großen Bühnen.

Davon zeugten um halb 2 Uhr nachts auch THE SPECIALS mit ihrem fast schon historischen UK-Ska. Wer im 6-Master-Zelt noch Platz fand, wurde auch stets mit delikaten Bands und intimer Clubathmosphäre belohnt. Die beiden Headliner des Freitagabends BEATSTEAKS und nebenan die selbstgefälligen und soliden MANDO DIAO, lockten da weitaus mehr Publikum. Dass die BEATSTEAKS zu Recht als eine der besten Livebands des Landes gelten, konnten sie dank ihrer obligatorischen Publikumsnähe mal wieder untermauern. Das HURRICANE war aus dem Häuschen!

HURRICANE FESTIVAL 2010
Mit der WHITE STAGE haben sich die Festivalveranstalter In diesem Jahr was ganz MELT!-iges ausgedacht: Ein zweites Zelt mit hippen Electro-Acts. Wo MR. OIZO rund tausend Glücklichen seine Flat Beats um die Ohren haute, standen noch mal fünf tausend vor dem weißen Rund und hofften auf Einlass. Natürlich vergeblich. Am Samstag musste die Electro-Stage bei FRITTENBUDE sodann auch komplett von der Polizei gesperrt werden. Zu großer Andrang und überforderte Security war die Begründung. „Und BOYS NOIZE?“. Pustebume. Das neue Elektro-Konzept ging damit voll auf und sollte im nächsten Jahr unbedingt ausgebaut werden. Die Düsseldorfer Mitveranstalter SSC Group wird es freuen! Neben der musikalischen Öffnung beim HURRICANE zeugten auch die T-Shirt Varianten, wahlweise im Alternative, Indie, Electro oder Britpop Style.

Am Samstag gab’s die quietschfidelen TIMID TIGER und WE ARE SCIENTIST zum Frühstück, und um halb sechs zum Tee dann ELEMENT OF CRIME. Für Fans von süßem Schweden-Indie luden die SHOUT OUD LOUDS zum Tanz, bevor das Gitatrrengewitter von ENTER SHIKARI und später DANKO JONES einsetzte. So lautete der erste Tagesplan. Änderungen durchaus vorbehalten. Dort wo später am Tag TWO DOOR CINEMA CLUB für das Näschen der Booker sprachen, war BONAPARTE trotz und wegen ihres enormen Zuspruchs eher fehl am Platz. Aufgrund des großen Andrangs wurde die berüchtigte „Anti!Anti!-Zrkusshow mehrmals unterbrochen, weil die Leute vor dem Zelt zu heftig feierten und ihre „Mitmenschen in Bedrängnis“ brachten, wie es ein Ordner vor seinen Verbalentgleisungen noch freundlich ins Megaphon brüllte. Da hätte man lieber die Bühne mit den zeitgleich schleichenden THE XX tauschen sollen. Diese drei schummrigen UK-Zeitgenossen durften vor MASSIVE ATTACK die durchzechten Zuschauer in den Schlaf grooven.

Wer die zweite bzw. dritte Nacht nicht wieder bis in die Morgenstunden im Motor Booty Partyzelt (ehemals Titti Twister) feierte, hätte am Sonntagmorgen eigentlich um 12 Uhr bei den GOOD SHOES vor der Bühne stehen müssen. „Noch zehn Stunden bis zu den STROKES“ war dagegen die genervte Antwort derer, die das mit „Änderungen vorbehalten“ allzu locker angingen und so einige gute Bands verpassten. Oder aber eben Besseres zu Tun hatten als die zwanzigste Band in zwei Tagen zu gucken: Grillen, Trinken, im Camping Stuhl sitzen und Unsinn reden. Festivals sind ja immer auch ein Freizeitsport.

HURRICANE FESTIVAL 2010
Bei dem Mittagsprogramm mit PHOENIX und den heiß gefeierten und erfrischend inspirierten VAMPIRE WEEKEND waren sich aber alle wieder einig: „muss man gesehen haben“. Dank teils heftigen Regens war das Festivalgelände auch endlich eingeweiht. Das, worauf alle Turnschuhträger die ganze Zeit gewartet haben: Matsch-Party! Von nun an hieß es Kopf nach unten und um die Matschlöcher mäandern. Doch das gestaltete sich beim großen Massenwandern zu DEICHKIND etwas schwierig. Hier war allen klar, das ist die ultimative Festivalband. Der Funke sprang jedoch nur auf die erste Hälfte des Publikums über, was vielleicht an der fehlenden Lautstärke gelegen haben könnte. Zeitgleich hauten im Zelt die nordirischen Britrocker ASH ihre Hits raus, dass sich das auserwählte Publikum just in die 90er zurück versetzt fühlte.

Die sonntagabendliche Entscheidung THE STROKES oder PRODIGY war schon vor der Abfahrt längst geklärt. Statt ollen Electro-Punk Songs lieber die nur minder ollen Indiehits der New Yorker Rock’n’Roll-Retter. Ohne neue Songs und ohne großartige Performance lallte Julian Casablancas anscheinend im Vollrausch nur Müll zusammen, hetzte seine geölten Stimmbänder aber so tight zu den scheppernden Gitarren, dass alles andere zumindest für diesen Abend egal schien. Als abschließende Belohnung für so ein kräftezerrendes, dreckiges und eindrucksvolles Wochenende konnten die STROKES allemal herhalten. Rock’n’Roll heißt eben Staub fressen. Same precedure as every year.

www.hurricane.de

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