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BÄNGKS – Mutiger als Mötley Crüe

8 Februar 2017 No Comment

BÄNGKS aus Solingen haben mich mit ihrer neuesten EP „Mirror“ begeistert. Zugegebenermaßen kannte ich die kleine (großartig klingende Band) aus Solingen noch nicht und habe mich umso mehr über den Geheimtipp gefreut. Die Band spielt Indie-Songs mit angenehmen Dreck zwischen den knackigen Riffs. Die Musik von BÄNGKS ist tanzbar, klug, emotional und handwerklich astrein. Die Formation gibt es bereits seit sechs Jahren und doch muss ich ganz vorne anfangen. 

triggerfish.de: Glückwunsch zur neuen Platte! „Mirror“ ist bundesweit am 13. Januar über lala Schallplatten erschienen. Wie waren bisher die Reaktionen zum neuen Werk?

Marius: Danke. Das Feedback zu unseren neuen Songs ist bislang durchweg recht positiv. Viele sind überrascht, dass wir auf der neuen EP unerwartet abwechslungsreich, eingängig und wuchtig klingen. Der Grundstein der Songs liegt bei uns fast immer im Proberaum, wo wir alle gemeinsam das Lied entwerfen. Da bringt jeder sein Instrument intensiv ein, im Studio ist die Dichte dann meist nicht mehr aufzuweichen. Die unterschiedliche Klangfarbe der Titel war aber zu keiner Zeit geplant, sie entstand ganz von selbst. Wir sind sehr gespannt, welche Reaktionen uns zu den Songs noch erwarten.

Sascha: Ja, das stimmt, die bisherigen Resonanzen waren bislang durchweg positiv. Und was wir immer mehr mitbekommen: digital scheint die EP sogar weltweit hörbar zu sein, einige Plattformen kannte ich gar nicht….

„Rolling Stones“, „Die Toten Hosen“, „SmashingPumpkins“, „Blut Hirn Schranke“, „Dying Fetus“ – Die Liste an bekloppten aber erfolgreichen Bandnamen ist lang. Ihr nennt euch BÄNGKS. Woher stammt denn dieser Name? Ist dies reine Onomatopoesie oder gibt es eine tiefergehende Bedeutung?

Marius: Eine Band braucht fast immer einen Namen. So ist es nunmal. Bängks hat sich letztlich als unsere Bezeichnung durchgesetzt, da es phonetisch einprägsam ist und auch bei Suchmaschinen noch gut funktioniert. Und obwohl die Schreibweise ungewöhnlich anmutet, gibt es ein schlagendes Argument: Wir haben Rockdots wie Motörhead! Und die sind sogar auf dem Mirror Cover deutlich größer als unser Bandname zu sehen. Das hat sich noch nicht einmal Mötley Crüe getraut.

Ihr gebt Solingen als eure Heimatstadt an. Wie lebt es sich als Kulturschaffende in dieser Stadt, die in manchen Kreisen den Beinamen „Rock City No. 1“ trägt? Hat man als Band hier besonders gute Startbedingungen?

Marius: Schwer zu sagen, ob es in Solingen ausgeprägt gute Bedingungen für Bands gibt. Wir haben unsere Bands fast immer von hier aus gestartet und das Solinger Publikum ist nicht einfach aus der Reserve zu locken. Im Gegenteil ist es sogar sehr reserviert und anfangs meist schüchtern. Viele Clubs gibt es hier jedenfalls nicht. Da sind Köln oder Wuppertal schon besser gestellt. Die Banddichte in Solingen ist aber schon groß. Das hört man zum Beispiel auf dem Hype City No.2 Vinyl Sampler des Solinger Cow Clubs, wo neben 28 Bands auch unser „Hands Down“ zu hören ist. Solingen hat eine lebendige Bandszene, dennoch geht auch da noch deutlich mehr.

Sascha: Es ist zumindest relativ einfach, so wie bei uns vor geschätzten 20 Jahren, an die erste Show zu kommen, weil eigentlich immer irgendjemand irgendetwas veranstaltet. Ansonsten ist die Nähe zu Köln und dem Ruhrgebiet mit Sicherheit nicht von Nachteil. 

Es gab eine Zeit vor BÄNGKS, in der ihr alle in anderen Bands gespielt habt. Von NIXION GOLDEN, LOCKJAW und TUPAMAROS zu BÄNGKS. Wie habt ihr einander gefunden?

Marius: Die genannten Bands waren alle sehr eng miteinander verknüpft. Sei es durch gemeinsame Proberäume oder enge Freundschaften, die auch bis heute noch Bestand haben. Vor kurzem haben Marcel und ich erneut festgestellt, dass wir schon seit 1999 gemeinsam musizieren. Damals noch bei Tupamaros, doch noch heute mit der gleichen dilettantischen Attitüde. Denn notieren was wir da spielen, werden wir auch bis 2033 nicht gelernt haben. So visionär bin selbst ich.

Jede Band sucht ihren Sound und wenn man schon seit Jahrzehnten Musik macht, hat man meistens eine genauere Vorstellung, wie der eigene kreative Output klingen soll. Und auch, wie die eigene Band eben nicht klingen soll. Was soll BÄNGKS niemals sein?

Sascha: Ein austauschbares Soundkonstrukt! Mir ist klar, dass man zur Beschreibung ohne Hörbeispiele fast immer Vergleiche heranzieht, am Ende sollte unser Klang aber immer für sich stehen, und keine Assoziationen wie „klingt genau wie“ und dergleichen hervorrufen. Momentan gelingt dies ganz gut, wenn wir EP- oder Konzert-Kritiken heranziehen.

Das Cover eurer aktuellen Platte ziert ein Wildtier. Um welche Art handelt es sich hier, wie kam das Gazellen-Vieh in den Wald und was verrät uns das Tier über „Mirror“?

Marius: Das Tier ist eine Antilope, genauer gesagt eine Elenantilope. Der Düsseldorfer Fotograf Norbert Hüttermann, nebenbei ein guter Freund der Band, verbindet in seiner wunderbare Animale Serie ein simples Konzept. Er fotografiert wilde Tiere in Zoos und Gehegen und setzt sie an uns bekannte Plätze und Gegenden. Ihm gelingen dabei bemerkenswerte Aufnahmen, die erst im zweiten Moment als Montage auffallen. So hat es in unserem Fall nie eine Antilope im Grafenberger Wald gegeben. Sein Motiv hat aber in seiner Wirkung, die Stimmung unserer Musik sehr gut getroffen. Darüber hinaus schaut das Tier so selbstbewusst in die Kamera, als würde es sich selbst im Spiegel betrachten.

Wo ich sonst eher skeptisch bin, fand ich die drei Remixe auf der Platte mehr als gelungen. Interessant, wie durch die Neuinterpretationen neue Perspektiven auf vorher gehörte Stücke geschaffen werden. Wer sind die Personen hinter den Remix-Versionen und wie findet ihr diese Versionen selbst?

Marius: Hinter Loopcut verbirgt sich mein ehemaliger Bandkollege Frederik von Lockjaw, der auch bei Leary, und Madeleine aktiv war. Er hat schon damals unsere Lockjaw Alben produziert und gemischt und hatte großen Spaß daran unser Passing Lines etwas zackiger klingen lassen. Er hat dem Titel dadurch eine völlig andere Wirkung verliehen. Ich glaube, ich mag den Remix gerade deswegen so gern, weil er meine Drums komplett rausgeworfen und neue Rhythmen arrangiert hat. Das macht das Genre der Remixe so spannend.

Sascha: Nicolas Stefan kommt ursprünglich ebenfalls aus Solingen und wir kennen und schon viele Jahre. Er ist aktiver Electro/Minimal DJ mit Releases auf K2 oder auch Kompakt Records und organisiert mit seiner Underground Movement-Crew diverse Events. Als sich unsere Idee, der EP einige Remixe hinzuzufügen, konkretisiert hatte, mussten wir ihnen fragen, da er auch ein großer Freund von tanzbarem Indie ist und wir das Ganze sehr spannend fanden. Am Ende ist seine Interpretation von Passing Lines ein richtig fetter Beat geworden, der aber ebenfalls wie das Original, immer wieder eine kleine feine Nuance hinzupackt, das gefällt mir gut.

Das Jahr ist jung und eure Platte erst vor wenigen Tagen erschienen. Was können wir 2017 von BÄNGKS erwarten ?

Sascha: Momentan sind einige Shows und auch eine kleine Tour in der Planung, eventuell auch hier und da ein Festival und ganz vielleicht machen wir ein Video…

Hendrik Rathmann
Hendrik Rathmann

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