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ISOLATION BERLIN – 15.04.2016, Düsseldorf, zakk

18 April 2016 No Comment

Isolation Berlin
Man tut Tobias Bamborschke, Max Bauer, Simeon Cöster und David Specht keinen Gefallen, sie mit Rio Reiser, Joy Division u.a. zu vergleichen. Sieht und hört man der Band ein, zwei Songs zu – dieses Mal im zakk, Düsseldorf – erkennt man, dass eben jene Vergleiche bloß oberflächlichen und höchstens assoziativen Ursprungs sind. Das Quartett öffnet mit einem, im verborgenen liegenden Versprechen, namens „Produkt“. Das erste Lied des Abends. Eine kokettierende Kritik am Kunstmarkt und dem Künstler an sich. Fast wirkt sie wie eine Entschuldigung.

Es folgen Lieder über Selbsthass, Liebeskummer, Vereinsamung und Suizidgedanken. Starker Stoff, der stimmig über Tempo und Instrumentierung transportiert wird. Wäre da nicht der Sänger selbst, der durch seine Theatralik, seinem darstellerisches Gebaren, dem Ernst seiner Inhalte selbst im Wege steht. Ich möchte Bamborschke die Dringlichkeit seiner Texte schon glauben und gelegentlich findet er tatsächlich universell wirksame Bilder für die Irrungen und Wirrungen eines twenty-something. Doch leider nicht selten gleitet sein beschriebenes, manchmal gekreischtes Chaos in Pathos und Kitsch ab. Und dann ist es da wieder, das Versprechen eines Produktes. Eine Patina aus Imagewillen und Theatralik. Eine Keynote zum Kummer der Adoleszenz. Herzen aus Stein, zerplatzende Tränen – oder waren es Regentropfen? – Weltschmerz vom Prenzelberg.

Spätestens jetzt dürften sie mich erwischt haben! Ja, ich bin auf die Vergleiche reingefallen, auf das Image in den körnigen DIY-Videos und auf den Rummel, der bereits um diese Band gemacht wurde.
Lässt man die Vier bei dem was sie tun und wie sie es in Szene setzen allein, unberührt von getragenen Hoffnungen und knackigen Musikpressesätzen, schaffen sie es tatsächlich etwas Einzigartiges zu sein. Einzigartig in der heutigen deutschen Musiklandschaft. Neu in ihrer Art einer rekursiven, nostalgisch motivierten Melancholie, eine trotzdem treibende und obendrein schwer tanzbare Performance zu bieten.

Denn eines ist sicher, nahezu niemand an diesem Abend war gelangweilt oder hielt die Füße vollkommen still. Höchstens ein bis zwei thirty-/forty-somethings, die all zu gerne nochmal Ian Curtis und Rio Reiser live gesehen hätten. Schweißnass, ausdauernd und nach vorne gingen die Vier. Spielten zwei Zugaben und wirkten vor allem selbstbewußt und hungrig. ISOLATION BERLIN haben einen starken und mitziehenden Auftritt hingelegt und werden ganz bestimmt nicht so schnell wieder aus unserer Wahrnehmung verschwinden.
Sehr zur Freude ihrer immer größer werdenden Anhängerschaft.

Hier unsere Bildergalerie von ISOLATION BERLIN und Support LOCAS IN LOVE

Text: M. Ruhrberg
Fotos: A. Heller

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