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J MASCIS – Elastic Days

28 Januar 2019 No Comment
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Etwas spät in der Besprechung, weil bereits Ende 2018 erschienen, aber wegen seiner sagenhaften Eingängigkeit unbedingt ans Herz zu legen: Die dritte Soloplatte des Dinosaur Jr. Masterminds in 7 Jahren.

Zu den Recording Facts der Plattenfirma: „Wie alle seine Vorgänger-Solo-Alben wurde auch „Elastic Days“ in J MASCIS‘ eigenem Bisquiteen Studio aufgenommen. MASCIS macht fast alles alleine, obwohl Ken Miauri – der auch auf „Tied To A Star“ (2014) auftrat – Keyboards spielt und es einige Gaststimmen gibt. Dazu gehören unter anderem die alten Freunde Pall Jenkins (Black Heart Procession) und Mark Mulcahy (Miracle Legion, etc.) sowie die neu hinzugefügte Stimme von Zoë Randell (Luluc). Aber das Album bleibt Js eigene Show.“

So ist es. Bereits mit den ersten Anschlägen zu „See You At The Movies“ macht sich der warme, fließende Sound bemerkbar, den sich J. Mascis zum Ausgleich zu den Noise-Attacken seiner Hauptband auf den Solopfaden leistet. Im Vergleich zu den beiden respektablen Vorgängern „Several Shades Of Why“ (2011) und „Tied To Stars“ (2011) ist auf „Elastic Days“ im wahrsten Sinne des Wortes alles noch elastischer und melodischer. Bereits hier schimmert viel Neil Young zu dessen besten 70s-Zeiten durch.

Nie zuvor klang seine Stimme, auch dank einiger Gesangsstunden, so auf den Punkt, verband er seinen nöligen Gesang mit der nötigen songdienlichen Tiefe. Wo er bei den Dinosaur Jr. Produktionen, im Noise-Gewitter, gesanglich oft weidwund agierte, herrscht nun mehr Vielfalt und Lust an der Phrasierung und Dopplung. Noch dazu glänzt der Mann aus Massachusetts bei allen Songs auch am Schlagzeug, seiner ersten Leidenschaft noch bevor er in den 90s der Gitarrengott einer ganzen Grunge-Generation wurde.

Und es gelingen ihm große, klassische Songs, die er musikalisch fast im Alleingang ausgestaltet. Egal ob die emotionale, folkige Dichte bei „Web So Dense“, die Traurigkeit auf „I Went Dust“ oder die gebirgsbachklare 70s Atmosphäre auf dem Herzöffner „Sky Is All We Had“: J. Mascis läuft auf „Elastic Days“ zur absoluten Höchstform auf. „Picking Out The Seeds“ mischt die Country-Stones von Exile mit den ruhigeren Momenten des Grunge und J Mascis hat, nicht nur hier, ein Ass im Ärmel, das immer sticht.

Fast wirkt es wie das Hinauszögern eines akustischen Orgasmus, bis der Meister entweder etwas früher oder aber auch erst nach der dritten Strophe des jeweiligen Songs, seine unnachahmliche elektrische Sologitarre zum Einsatz bringt. Eine Befreiung, wenn er in die Saiten greift, den Track nochmals in andere Sphären hebt und dabei im besten Gitarristen-Sinne klassisch agiert!

„Give It Off“ atmet Westcoast-Leichtigkeit und der Titelsong ist entwaffnend einfach, wie er den Hörer abholt und in die Hosentasche steckt. J Mascis baut eine unwiderstehliche akustische Gitarrenfigur nach der anderen bis „Everything She Said“ nach etwas mehr als 40 Minuten einem hinausbegleitet aus diesem Album, das man immer und immer wieder hören will und das auch wie ein kleiner Vorbote des noch fernen Frühlings wirkt.

Eine Platte so tröstlich und altbekannt, wie verblichene Polaroids von einem lächelnden mittelalten Grunge-Überlebenden, mit weißem langem Haar, Geek-Brille und Schlabber T-Shirt.

Bewertung: 6 von 6
VÖ: 09.11.2018
Label: Sub Pop
Web: www.jmascis.com
Format: Vinyl / CD / Download

Tracklist:
See You At The Movies
Web So Dense
I Went Dust
Sky Is All We Had
Picking Out The Seeds
Give It Off
Drop Me
Cut Stranger
Elastic Days
Sometimes
Wanted You Around
Everything She Said

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