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JAMES MCCARTNEY – The Blackberry Train

9 Mai 2016 No Comment
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james-mccartney

JAMES MCCARTNEY, Sohn von Beatle Paul, ist mit 38 Jahren kein Newcomer mehr und doch wird er oft noch als ein solcher wahrgenommen. Nachdem er in den 90er Jahren auf ein paar Platten seines Vaters mitgewirkt hat, dauerte es jedoch bis 2010 dass er sein echtes Debüt als Solokünstler heraus brachte – und dies auch noch in Form einer vorsichtigen EP. 2013 folgte dann mit „Me“ der erste Longplayer und jetzt erscheint mit „The Blackberry Train“ sein zweites Album, für das er als Produzenten keinen geringeren als Steve Albini gewinnen konnte.

Die Platte beginnt sehr überzeugend mit „Too Hard“, an dem auch der Sohn von Beatle George, Dhani Harrison, beteiligt ist. Irgendwann gab es dieses Gerücht dass James, Dhani und der Sohn von Beatle John, Sean Lennon, gemeinsam ein Projekt auf die Beine stellen wollten. Was daraus geworden ist, wissen wir indes nicht – vielleicht bekamen sie den Sohn von Beatle Ringo, Zak Starkey, nicht zwischen seinen Engagements für The Who und Oasis, vielleicht kam ihnen aber auch in den Sinn, dass das einfach keine gute Idee war. Genug zum Thema Beatles-Söhne.

Nach „Too Hard“ folgt „Unicorn“, das sehr Albini-getreu an dessen 90s-Produktionen erinnert – ein feines Stück kraftvollen Indierocks, das sich anschließende tolle „Waterfall“ lässt ahnen, wie es geklungen hätte, wenn damals Albini und nicht Butch Vic die Smashing Pumpkins produziert hätte. Aber natürlich ist ein Produzent immer nur so gut wie sein Act und man kann McCartney für diesen Auftakt in das Album nur Respekt zollen. Das klingt gut und vor allem nicht nach seinem Vater – zumindest nicht augenscheinlich. Eine gewisse Verwandtschaft in den Stimmen mag man heraus hören, aber es gibt keinen Moment, wo man das Gefühl bekommt, hier versucht einer im Fahrwasser des Übervaters zu punkten.

Auch die anschließenden „Paralysics“ (das heimliche Titelstück) und „Ballerina“ überzeugen, aber irgendwann wünscht sich der Hörer ein wenig Abwechslung, denn es klingt alles so ziemlich gleich und der Eindruck eines 90s-Indierock-Revivals macht sich breit. Und die Abwechslung kommt in Form des Songs “ Ring a Ring O‘ Roses“ und es ist jetzt ausgerechnet der erste Moment, wo man wirklich an den Vater denkt und es ist genau die Zutat, die der Platte gefehlt hat. Das folgende „Prayer“ weckt die gleichen Assoziationen, nur überzeugt es nicht so recht. Schwache Songs hat Ex-Beatle Paul in den letzten Jahrzehnten auch immer verzapft und hier hat es den Eindruck als macht es der Sohn auch nicht besser. Zum Glück gelingt ihm mit „Peace And Stillness“ noch ein versöhnlicher Abschluss, auch diese Nummer klingt Macca-mäßiger als die ersten zwei Drittel des Albums. Vielleicht hätte ein anderes Sequencing, eine andere Reihenfolge diesem ganz und gar nicht üblem Album noch einen guten Dienst erwiesen.

Bewertung: 4 von 6
VÖ: 06.05.2016
Künstler:
jamesmccartney.com
Label: roughtrade.de

Tracklist:

1. Too hard
2. Unicorn
3. Waterfall
4. Paralysis
5. Ballerina
6. Peyote coyote
7. Fantasy
8. Alice
9. Ring a ring o‘ roses
10. Prayer
11. Peace and stillness

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