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JUDAS PRIEST – Firepower

15 März 2018 No Comment
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Die NWOBHM-Institution aus Birmingham zeigt mit ihrer achtzehnten Platte nach weit über 40 Jahren im Metal-Zirkus allen Zweiflern wer das Schwermetall schmiedet. Die Priester haben alles (und noch mehr) durchlebt, was das Musikbusiness zu bieten hat: Götterstatus in den frühen 80s, verhängnisvoller Flirt mit Elektronik bei „Turbo Lover“, Gerichtsverfahren wegen angeblicher Anstiftung zum Selbstmord, das ultimative 90s-Metal-Statement „Painkiller“ sowie Abgang und Rückkehr ihres charismatischen Shouters.

Waren die drei Platten nach dem Comeback von Sänger Rob Halford im Jahr 2004 eher durchwachsende Angelegenheiten, die nur hier und da, die alte Klasse aufblitzen ließen, so machen Judas Priest mit „Firepower“ dieses Mal keine Gefangenen. Endlich ist der Punch und das punktgenaue Songwriting zurück und man orientiert sich wieder am messerscharfen Groove, der besonders die Platten Ende der 70s und zu Beginn der 80s zu Meilenstein werden ließ. Der Titelsong und „Lightning Strike“ sind als „genickbrechende“ Opener die Referenzstücke dieser hammerharten Platte.

Das Kollektiv Rob Halford, Glenn Tipton und Richie Faulkner, der hier endgültig und vollumfänglich den 2011 ausgestiegenen Gitarristen K.K. Downing ersetzt, komponierte alle Stücke gemeinsam und man besinnt sich zu 100% auf traditionelle Stärken. Frei nach der alten Metal-Regel „No Fillers, Just Killers“ feuert das mit Bassurgestein Ian Hill und Ausnahmeschlagzeuger Scott Travis komplettierte Quintett vierzehn Mal aus allen Rohren.

Es ist fast nicht möglich, die Höhepunkte einzeln zu benennen, denn es sind Gleiche unter Gleichen. Eine Kunst und Gabe, die im gut abgehangenen Metal-Zirkus, auf Albumlänge, nur noch selten zu finden ist.

„Rising For Ruins“ und „Flame Thrower“ mit seiner Vintage-Bridge, wären in den frühen 80s in den Singles-Chats gelandet. „Children Of The Sun“ huldigt Black Sabbath, bei denen Halford in den 90s für einen Moment auch schon am Mikrofon stand. „Never The Heroes“ und „No Surrender“ sind im besten Sinne tight und haben den hymnischen Chorus, den man von Judas Priest hören möchte. „Lone Wolf“ erweist als schwerer Blues den Priest-Anfängen Referenz und „Sea Of Red“ ist die große Abschlussballade, der Tränenzieher, den man Judas Priest in dieser Größe fast nicht mehr zugetraut hätte.

Nirgendwo existieren unnötige Instrumentalpassagen, wie z.B. noch beim Konzeptalbum „Nostradamus“. Alles ist dynamisch und songdienlich von Tom Allom (Altes Testament) und Andy Sneap (Neues Testament) zu einem hochexplosiven Gemisch verbunden. Rob Halford singt diese Stücke mit größter Dominanz, ohne irgendwelche Anzeichen von Altersschwäche. Die Stimm-Doppelung bei einigen Stücken bringt noch mehr Wucht und selbst die höheren Passagen sind absolut passend und akzentuiert gestreut.

Von den Livequalitäten des neuen „Klassikers“ kann man sich im Frühsommer auch in Deutschland überzeugen. Leider wurde nun bekannt, dass Gitarrist Glen Tipton wegen Parkinsonerkrankung nicht weiter live auftreten kann. Umso größer ist der Stellenwert dieses letzten Metal-Manifests, bei dem er mitgewirkt hat. Die großartigste Metalplatte 2018 und mit ihrer Wucht, ihren Hooks und der brillant eingesetzten Härte, die authentischste Priest-Platte seit mindestens „Painkiller“. File Under: Metal Gods still alive!

Bewertung: 6 von 6
VÖ: 09.03.2018
www.judaspriest.com
Label: Sony Music
Format: CD/LP/Download

Tracklist:
01. Firepower
02. Lightning Strike
03. Evil Never Dies
04. Never The Heroes
05. Necromancer
06. Children of the Sun
07. Guardians
08. Rising From Ruins
09. Flame Thrower
10. Spectre
11. Traitors Gate
12. No Surrender
13. Lone Wolf
14. Sea Of Red

Sascha Kilian
Sascha Kilian

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