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JURASSIC WORLD

11 Juni 2015 No Comment
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JurassicWorld_Hauptplakat

© Universal Pictures

Dinosaurier können heutzutage kein Kind mehr hinterm Ofen hervorlocken. Ein Statement, das mit der nun dritten Fortsetzung knapp zwanzig Jahre nach dem großartigen Original wahrhaftiger erscheint als jemals zuvor, auch wenn man das Wort „Park“ gegen das Wort „World“ ausgetauscht hat.

Steven Spielberg, der Regisseur von „Jurassic Park“ hat sich mittlerweile ganz aus Dinosaurier – Geschäft zurückgezogen. Schon der dritten Episode widmete er seinen Namen nur noch als Produzent. Vielleicht hatte er andere Pläne, vielleicht war ihm, genauso wie Michael Crichton  (Autor der damaligen Romanvorlage) auch klar, dass das Konzept einfach nicht mehr als einen Film hergibt.

Jurassic Kugel

Nicht nur Dinosaurier, sondern auch Kinder büchsen in Jurassic World schonmal aus @ Universal Pictures

Schon im zweiten Teil ist den Produzenten nicht viel mehr eingefallen, als einen T-Rex auf der Suche nach einem verletzten Baby-Dino durch San Diego poltern zu lassen (was T-Rex-Motivation angeht, hat sich das Drehbuch immerhin noch mehr Mühe gegeben als das von „Jurassic World“).

Dieser Problematik schienen sich auch die sage und schreibe vier Drehbuchautoren Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly und der Regisseur Colin Treverrow bewusst zu sein. So legen sie ihren Figuren dementsprechend viele selbstkritischen Monologe und Dialoge in den Mund (Hallo Metakommentare!), in der Hoffnung, sich mit dieser erzwungenen Cleverness aus der Kreativitätsfalle befreien zu können: Vielleicht sind Dinosaurier heutzutage nichts Neues mehr, aber dafür haben wir jetzt einen genetisch modifizierten Superdinosaurier! Hirn bitte vorher in den Müll schmeißen!

BryceDallasHowardChristPratt JurassicWorld

Parkdirektorin ohne Plan mit Dinoheld: Bryce Dallas Howard und Chris Pratt © Universal Pictures

Und letztendlich ist das auch der Ausgangspunkt des Plots: In der Hoffnung den Besuchern des mittlerweile vollends etablierten und beliebten Dinosaurierparks „Jurassic World,“ endlich einen neuen Nervenkitzel verschaffen zu können, hat man frei nach Nietzsche einen Über-Saurier erschaffen. Dieser kann Parkranger austricksen, die, sofern es das Drehbuch erfordert, mal mehr oder mal weniger dumm sind. Er kann sich unsichtbar machen bzw. tarnen und tötet rein aus Spaß andere, viel süßere Dinos. Unterm Strich ist er also der Superbösewicht unter den Sauriern oder je nachdem, welchen seiner Dino-Kollegen man befragt, einfach ein A-Loch. Oh, die menschliche Hybris!

Parkleiterin Claire (Bryce Dallas Howard) ist so begeistert von diesem Biest, dass sie Investoren und Aktionäre bei einer Führung davon vorschwärmt und alle Warnungen des feschen Ex-Soldaten und Raptoren-Trainers Owen (Chris Pratt) in den Wind schlägt. Was soll sie auch sonst machen? Denn als Leiterin des Parks, hat sie scheinbar nicht viel mehr zu tun, als in Fahrstühlen rauf und runter zu fahren, mit suchendem Blick vor Dinosauriergehegen zu stehen und generell keine Ahnung von Dinosauriern zu haben.

Jurassic Trainer

Wahre Helden können Raptoren trainieren: Chris Pratt © Universal Pictures

Außerdem scheint sie als karrieregeile Klischeefrau, keine Zeit für ihre beiden zuckersüßen Neffen Zach (Nick Robinson) und Gray (Ty Simpkins) zu haben, die mal eben schnell von ihren Eltern in den potentiell lebensgefährlichen Park verschifft wurden, damit diese sich in Ruhe scheiden lassen können. Karrierefrau Claire kann sich jedoch nicht einmal daran erinnern, wie alt die beiden sind. Böse, böse! Die biologische Uhr tickt auch noch und ihre Schwester schluchzt ins Telefon „Aber Irgendwann wirst du das auch verstehen, wenn du selbst Kinder hast!“ Sie spricht von der Sorge um die eigenen Kinder, die sich allein auf den Weg durch den Park gemacht haben.

Gott sei Dank ist Chris Pratt immer zur Stelle, um ihr und dem Publikum bis dahin alles andere ständig zu erklären. „Mansplaining“ ist ein Begriff, der momentan durch die englischsprachigen Gefilde kreist, eine Wortmischung aus „Man“ und „explaining“ ist und einen Mann beschreibt, der eine unwissende Frau an die Hand nimmt und ihr auf möglichst gönnerhafte Art und Weise die Welt erklärt. Als hätten die Drehbuchautoren diese Definition mitten aus dem Urban Dictionary genommen und für „Jurassic World“ adaptiert, passt der Begriff auf dem Film wie die sprichwörtliche Faust aufs sprichwörtliche Auge. Pratt darf auch sonst nicht viel tun, außer sein rundum sympathisches Wesen dazu nutzen, stirnrunzelnd und nachdenklich in die Ferne zu starren, Floskeln über die Dummheit und Zügellosigkeit der Parkwissenschaftler von sich zu geben und sich in Heldenpose zu schmeißen. Er verkörpert also exakt die stereotypische Heldenfigur, die er in „Guardians of the Galaxy“ so wunderbar durch den Kakao gezogen hat.

Jurassic Motorrad

Wahre Helden sehen auch supercool auf Motorrädern aus © Universal Pictures

Letztendlich sind dies nur kleine Details, die sich allerdings summieren, und diese Fortsetzung zu einem Ärgernis machen. Logiklöcher machen einen Film nicht automatisch schlecht, gepaart mit einen einfallslosen Drehbuch und inkonsistenten Charakteren entsteht jedoch ein bestenfalls suboptimales Endergebnis:  Weder die diversen Parkranger, die Parkleiterin noch der Milliardär, der das gesamte Unternehmen dank finanzieller Tatkraft am Laufen hält, sind kompetent genug, um irgendeinen dieser Jobs innezuhaben, geschweige denn ein Milliardär zu sein.

Das Original lebte nicht nur von den immer noch zeitgemäßen Effekten, sondern auch zivilisations- und wissenschaftskritischen Untertönen: Der wunderbare Richard Attenborough personifizierte als Milliardär John Hammond eine Menschheit, die in ihrem Forschungsdrang eher an ein spielendes Kind in einem übergroßen Sandkasten erinnerte.  Zusätzlich machte vor allem die geniale Regie Spielbergs den Erstling zu einem heiß geliebten Klassiker.

Chris Pratt mit Raptoren

Wirklich wahre Helden können mit Raptoren Mottorad fahren © Universal Pictures

Dieser zögerte die Erwartungen und Vorfreude des Zuschauers auf die Dino-Karambolage so lange und bis ins fast Unerträgliche hinaus, dass sogar ein Jeff Goldblum in die Kamera fragte: „Gibt es auf eurer Dinosauriertour eigentlich auch Dinosaurier?“ Auf diese Weise machte Spielberg ein vibrierendes Wasserglas zu einem der größten, ikonischen Moment der Filmgeschichte. Er wusste, dass das Nichtgesehene immer furchteinflößender ist als das Monster selbst und ließ das Publikum so lange wie möglich in einen konstanten Zustand der Anspannung.

„Jurassic World“ – Regisseur Colin Treverrov, der 2012 mit dem kleinen Science Fiction-Komödie „Journey of Love – Das wahre Abenteuer ist Liebe“ (der besser ist als der deutsche Titel vermuten lässt) auf sich aufmerksam machte, versucht gelegentlich verzweifelt diese Momente und Motive zu reproduzieren. Zahlreiche visuelle Anspielungen auf das Original und ein Mitarbeiter, der ein „Jurassic Park“ – T-Shirt trägt, erinnern aber höchstens daran, dass es vor langer Zeit einen Film gab, der wesentlich mehr zu bieten hatte.

Bryce Dallas Howard mit Jurassic Fackel

Bryce Dallas Howard darf auch mal Heldin spielen, dann aber bitte wieder ab zum Kinder hüten © Universal Pictures

Die Action ist okay, die Effekte sind okay, Spannung ist kaum vorhanden, gelegentlich versteckt sich irgendwo auch ein netter Gag und alles ist irgendwie ausreichend. Allerdings sollte man sich fragen, ob man das teure Kinoticket ausgeben möchte, wenn man schon einen perfekten Dinosaurier-Abenteuerfilm zu Hause auf BluRay hat. Das Besondere und das kindliche Staunen, dass andere Regisseure vermitteln können, fehlt hier völlig. „Jurassic World“ wirkt wie die Kopie einer Kopie spielbergscher Kinomagie (Reime sind in diesen Kritiken zwar nicht unbedingt beabsichtigt, aber immer herzlich willkommen).

Letztendlich führt allerdings alles in eine erzählerische wie filmtechnische kreative Sackgasse. Es gibt zwar immer einen größeren Dinosaurier, der einen etwas kleineren Dinosaurier auffrisst und einen größeren Dummkopf, der noch mehr Raptoren freilässt, um andere wildgewordene Dinosaurier zu fangen – in diesem Fall Vincent D’Onofrio, der Raptoren für seine Söldnerzwecke zu Waffen umfunktionieren möchte (der Plot jedes „Alien“ Filmes lässt grüßen) – Spannung wird dadurch allerdings nicht erzeugt.

Starttermin: 11.06.2015
Darsteller: Chris Pratt, Bryce Dallas Howard, Vincent D’Onofrio, Ty Simpkins, Nick Robinson, Omar Sy, BD Wong, Irrfan Khan, Judy Greer, Jake Johnson, Lauren Lapkus
Regie: Colin Trevorrow
Kamera: John Schwartzman
Drehbuch: Rick Jaffa, Amanda Silver, Derek Connolly, Colin Trevorrow
nach Motiven von: Michael Crichton
Musik: Michael Giacchino
Produktion: Frank Marshall, Patrick Crowley
Ausführende Produktion: Steven Spielberg, Thomas Tull

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