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KARNIVOOL – 15.03.2015, Dortmund, FZW

18 März 2015 No Comment
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Karnivool LiveGestern war ich noch mit dem Redaktionskollegen Daniel Schnaithmann im Düsseldorfer Zakk gewesen, um mir die Lieblinge des Verfassungsschutz FEINE SAHNE FISCHFILET anzuschauen. Die überwachten Ska-Punker aus MeckPom haben vor ausverkauftem Haus ihren simplen Punk gedroschen und ordentlich Energie erzeugt. Einen Tag später sollte ein krasses Gegenprogramm mit dem seit Wochen erwarteten KARNIVOOL-Gig folgen. Natürlich wieder mit dem sympathischen Schreiber-Kollegen Schnaithmann. Wo am Samstagabend die Simplizität und Geradlinigkeit des Punk dominierte, sollte am Sonntag ein deutlich anspruchsvolleres musikalisches Erlebnis im FZW auf uns warten.

Bei recht kalten Temperaturen, ging es per RE gen Dortmund. Ein unschöner und gewaltsamer Vorfall mit einem geistig verwirrten Mann, einem Feuerzeug, einem Baby und einem zum Glück couragierten Mann, der in Rambo-Manier den Aggressor per gezielten Tritten außer Gefecht setzen konnte, verzögerte die Anreise und trieb den Puls hoch. Endlich am Dortmunder Hauptbahnhof angekommen, musste schnell noch ein Bier besorgt und zum FZW gelaufen werden. Zu unserer Überraschung erwartete uns eine sehr lange Warteschlange vor dem sympathischen Auftrittsort.

In der sehr warmen und nach Sport-Unterricht riechenden Halle, eröffneten MONUMENTS den Abend. Die Band aus London war gut drauf, hatte Spaß und ganz offensichtlich auch Humor. Ihr Drummer Mike Malyan hat Ähnlichkeit mit dem Charakter Howard Wolowitz aus der Serie The Bing Bang Theory und grinste permanent vor Spielfreude. Es fehlten nur noch Penny und die anderen Knalltüten. Dafür war aber Gitarrist Olly Steele zur Stelle, der immer mal rüberkam und in die Becken packte oder die Whiskey-Flasche reichte. Nebenbei war es der Geburtstag des sportlichen Flitzefingers, wie Sänger Chris Barretto verkündete. Der gute Mann solle einen Applaus bekommen, so der Sänger in Tanktop. Außerdem habe er shots, Bier und „Pussy“ verdient, die das Publikum bitte nach dem Konzert geben sollten. Ob Steele noch zum Verkehr gekommen ist, ist dem Autor nicht bekannt.
MONUMENTS konnten jedenfalls musikalisch überzeugen. Sehr eingäniges Geballer zwischen INCUBUS und DISTURBED (passendes Kommentar von Daniel Schnaithmann). Viele NuMetal-ähnliche Riffs und groovy MESHUGGAH-Anleihen. Die Herren aus London machen modernen Metal, haben dabei aber keine Skrupel und lassen ihren Sänger auch einmal Saxophon spielen, was wirklich gut klang. Gut war auch die Frisuren-Auswahl der Herren. Gitarrist John Browne hätte auch Claudio Sanchez von COHEED AND CAMBRIA imitieren können (ebenfalls Kommentar von Daniel Schnaithmann) und Bassist Adam Swan konnte mit seinen mächtigen Dreads beim headbangen mal eben die erste Reihe streifen – trotz Graben vor der Bühne.

Umbaupause. Pinkelpause. Raucherpause. Nachdem die Roadies von KARNIVOOL mehrfach in jedes Mikro „He-he. Ha-Ha.“ geschrien hatten, wurde es dunkel auf der Bühne. Ein mächtiges Intro ließ den Raum erbeben und während die Australier auf die Bühne liefen, massierte der subbass die Ohren des Publikums. Dieses Publikum bestand aus einer heterogenen Masse. Junge Mädchen, mit roten Haaren und aufgedrehtem Gemüt, standen neben älteren Mukker-Typen, die wahrscheinlich ausschließlich auf die Griffbretter der beteiligten Gitarristen gestarrt haben dürften.

KARNIVOOL bestritten ihr Konzert in drei Teilen, in denen sie sich durch ihre Alben „Themata“, „Sound Awake“ und „Asymetry“ spielten. Der Sound war gut und die Musiker wie Uhrwerke. Zwischen den Songs gab es wenig bis keine Ansagen. Einmal entschuldigte sich Gitarrist Andrew Goddard dafür, dass die Band aus schüchternen Australiern bestünde. Diese Ansage hatte man wenigstens verstanden, während manch andere Sätze durch den ungewohnten Dialekt missverständlich waren. Dafür sprach die fabelhafte Musik für sich selbst. Wo das Quintett gelassen-abgeklärt-nüchtern zwischen den Songs wirkte, waren die Musiker präzise und talentiert an ihren Instrumenten. Ihre komplexen Songs sprühten vor beeindruckender Musikalität und tollen Kompositionen. Unter jeder Gesangsmelodie wabbert immer ein Polyrhythmus und mit jedem Gitarren-Lauf baut sich ein fein durchdachtes Gebilde auf. Da wirkten die Punk-Riffs von FEINE SAHNE FISCHFILET noch dilletantischer.
Songs wie „All I Know“, „We Are“, Set Fire To The Hive“ und „Aeons“ entzückten die Zuschauer in der Halle. Eifrig sang man Zeilen zusammen mit Frontmann Ian Kenny. Der wiederum schien von seiner Musik unter Strom gesetzt. Wie berauscht, verzog er sein Gesicht und ging vollkommen in den Texten und Harmonien seiner Band auf. Er schien fast selbst berührt und überwältigt von den Emotionen, die er in die Worte legte. Da wirkte die Schüchternheit und Ruhe aller fünf Musiker im Nachhinein eher wie eine andächtige Konzentration, die man den eigenen Liedern zu Teil werden lassen will.

Nach dem wunderschönen „Aeons“ bedankte sich die Band und ging so unaufgeregt von der Bühne, wie sie diese vor 90 Minuten betreten hatte. Der immer muskulöser werdende Drummer Steve Judd warf noch Sticks in die Menge und lief dann seinen Mitstreitern Richtung Backstage nach. Die Menge setzte sich, gescheucht von der Security, in Bewegung und schlich zur Garderobe. Zufriedene Gesichter und aufgeregte, bierselige Gespräche zeugten von einem gelungenen Abend.

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