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KETTCAR – 24.02.12, Essen, Grugahalle

28 Februar 2012 No Comment
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rv_kettcarSo viel Gefühl und kein einziges Feuerzeug: KETTCAR bewiesen in Essen wieder einmal, dass sie eine der wenigen Bands sind, bei denen das Publikum gemeinsam mal so richtig emo sein darf, ohne das es gleich peinlich wird.

Grugahalle und KETTCAR, dass passt nicht zusammen. Diesen Gedanken wird so mancher im Vorfeld gehabt haben. Die hässliche Mehrzweckhalle, in der sonst SCOOTER, STATUS QUO und die Spaßmacher der Fernsehrepublik für eher schlichte Unterhaltung sorgen, passt nicht wirklich zu den Liebes- und Lebensschmerz-Poeten aus Hamburg. Ganz davon zu schweigen, dass selbst eine Band wie KETTCAR ein solches Kaliber von Halle nicht mal eben mal voll macht, auch wenn deren neues Album gerade in die Top Ten der Charts eingestiegen ist.

Er habe am Nachmittag noch Flyer am Hbf verteilt, erzählte Reimer Bustorff dann auch zu Beginn des Konzertes, denn vor der Größe der Halle habe man schon etwas Respekt gehabt. Schiere Koketterie war das zu diesem Zeitpunkt, denn die Befürchtungen hatten sich da schon längst zerschlagen. Die Halle war mit Vorhängen auf Normalmaß abgehängt worden und wurde außerdem sehr dunkel gehalten, sodass die rund 2000 Zuhörer sich mehr als wohl fühlen konnten und fast so etwas wie intime Clubatmosphäre aufkam.

Daran hatten natürlich auch KETTCAR ihren Anteil, die ihr Publikum fesseln, egal wo sie spielen. Durch ihre berührende und tiefgehende Musik und ihre im Gegensatz dazu fast schon schnoddrigen Ansagen ist die Band wie ein guter Freund, der zwar für alle Situationen und jedes Gefühl die richtigen Worte findet, dabei aber sympathisch geerdet bleibt und den Besserwisserfinger stecken lässt.

Neben den bekannten Setlist-Klassikern stand dabei natürlich das neue Album „Zwischen den Runden“ im Fokus, von dem KETTCAR etliche Songs spielten, unter anderem das großartige „Rettung“ (als Opener) oder den für KETTCAR-Verhältnisse fast schon experimentellen Song „Schrilles Buntes Hamburg“ (in der zweiten Zugabe). Obwohl diese Songs gut aufgenommen wurden, erzeugten sie naturgemäß nicht die Erregung, die etwa „Ich danke der Academy“, „Money Left To Burn“ oder „Balkon gegenüber“ im Publikum verursachten.

Aber das ist nichts neues und war bei den beiden Alben zuvor ebenfalls schon so, denn auch 2012 in Essen zeigte sich einmal mehr, dass die Songs vom ersten KETTCAR-Album beim Publikum immer noch die beliebtesten sind – wobei auch hier Ausnahmen die Regel bestätigen. Zu diesen gehört natürlich „Deiche“, dass die erste Zugabe einläutete, sowie der Frauensong „Balu“ (O-Ton Markus Wiebusch), denn KETTCAR jetzt immer in der Mitte, statt am Schluss spielen, weil sie nicht wollen, dass die Macho-Männer schon mal enttäuscht nach draußen gehen, während ihre Freundinnen noch begeistert mitsingen.

Das Ende des Konzerts markierte deshalb „Landungsbrücken raus“, so oder so hätte trotzdem kaum jemand die Halle vorzeitig verlassen und Grund zu Enttäuschung gab es natürlich auch nicht, dazu waren die Meister des intelligenten Befindlichkeitsrock an diesem Abend zu gut. Aber das ist man ja von ihnen gewohnt.

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